Ahmadiyya: Muslime im Kreuzfeuer von Islamisten und Regierung

22. September 2012

Gemeinsam mit Christen leiden in repressiven Staaten auch Angehörige anderer religiöser Minderheiten unter Diskriminierung. Zu ihnen gehören die Ahmadis. Für die Mehrheit der Muslime sind sie Ketzer.



Der Islam muss reformiert werden. Diese Meinung vertrat Mirza Ghulam Ahmad, der 1889 die Ahmadiyya-Muslim- Gemeinschaft gründete. Deren Mitglieder glauben, dass Ahmad als Messias wiederkommen und dem Reformislam zum Durchbruch verhelfen wird. Für die Mehrheit der Muslime ist das eine Lästerung Mohammeds, da in ihren Augen Mohammed der letzte Prophet war und den Islam vollendet hat. Die Ahmadis kommen damit in einem muslimischen Umfeld in eine ähnliche Situation wie die Christen, die glauben, dass Gott einen Sohn hat.

In fast allen islamischen Staaten werden Ahmadis denn auch als «Glaubensabtrünnige» ausgegrenzt. In den Medien sind sie Ziel schmutziger Kampagnen; ihnen werden willkürlich Verbrechen angelastet. Der Staat gewährt ihnen kaum Schutz vor Übergriffen, ist im Gegenteil oft sogar selber an ihrer Verfolgung beteiligt.

Üble Verfolgung in Pakistan 

Am schlimmsten ergeht es den Ahmadis in Pakistan. Bei einer Bevölkerung von nahezu 100% sunnitischer Muslime bilden die Ahmadis – wie die Christen – eine winzige Minderheit. Staatsgründer Mohammed Ali Jinnah sprach sich 1947 für die Gleichberechtigung aller  Glaubensgemeinschaften einschließlich der Ahmadis aus. Unter ökonomischem Druck erklärte 1974 jedoch ausgerechnet einer seiner ebenfalls westlich gesinnten Nachfolger, Präsident Zulfikar Ali Bhutto, öffentlich, die Ahmadis seien keine Muslime.

Pakistan befand sich nach dem Krieg gegen Indien und der Loslösung Ostpakistans (heute Bangladesch) in grossen wirtschaftlichen Nöten. Um Hilfe vom finanzkräftigen Saudi-Arabien zu erhalten, musste Pakistan sich «islamischer» verhalten. Der Kniefall vor dem saudischen König half Bhutto wenig: 1977 wurde er von General Zia ul-Haq gestürzt, der ihn 1979 hinrichten ließ.

Der Diktator Zia ul-Haq ließ die Diskriminierung der Ahmadis gesetzlich festschreiben: Ab 1984 war für sie jegliche öffentliche Religionsausübung  sowie Missionierung verboten. Sie durften sich nicht mehr als Muslime und ihre Gebetsstätten nicht mehr als Moscheen bezeichnen. Nur ein Jahr später (1985) führte General Zia  die Blasphemie-Gesetze ein. Seither wurden 299 Ahmadis wegen angeblicher Lästerung Mohammeds oder des Korans angeklagt und teilweise jahrelang inhaftiert (Stand Dezember 2011). Es sind dieselben Gesetze, unter denen auch Christen stark zu leiden haben.  Ein bekanntes christliches Opfer ist Asia Bibi, über die wir schon oft berichtet haben.

Seit Mitte der 1980er Jahre wurden fast 200 Ahmadis gezielt umgebracht und unzählige weitere verletzt. Bei den Bombenanschlägen vom 28.  Mai 2010 auf zwei Ahmadi- Moscheen in Lahore wurden auf einen Schlag 90 Ahmadis getötet und etwa 100 verletzt.

Auch in Indonesien Tote

In Indonesien werden Ahmadis ebenfalls bedrängt. Als religiöse Minderheit sind sie zwar anerkannt. Doch gesetzliche Diskriminierungen schaffen ein Klima, das die Verfolgung von Ahmadis begünstigt. Die Behörden verschiedener Distrikte haben die Ahmadis gezwungen, ihr Gebiet zu verlassen. Im Februar 2011 wurden drei Ahmadis von einem muslimischen Mob bestialisch ermordet. Die Polizisten – obwohl am Tatort anwesend – schritten nicht ein.

Autor: Max-Peter Stüssi

Quellen: persecutionofahmadis.org, Ahmadiyya Deutschland, Ahmadiyya Schweiz, Der Spiegel, US International Religious Freedom Report, Jakarta Globe, Jakarta Post

 


 

Gewalt im Islam

Nach dem Verständnis der Ahmadiyya-Muslim-Gemeinschaft muss der Dschihad (Verbreitung des Islams) friedlich geführt werden. Ihr Gründer lehnte jegliche Gewalt ab und berief sich dabei auf den Koran, Sure 2,256: «Es gibt keinen Zwang in der Religion.»

Die große Mehrheit der Muslime wies Ahmads friedliche Auslegung des Dschihad von Anfang an zurück. Nach ihrer Auffassung gilt das Verbot von Zwang nur innerhalb des Islams. Gewalt gegen Nichtmuslime zur Verbreitung des Islams (Dschihad) werde damit nicht ausgeschlossen.

Ahmadiyya in Zahlen

Verlässliche Zahlen zur Ahmadiyya-Muslim-Gemeinschaft gibt es kaum. Bei der letzten Volkszählung in Pakistan bezeichneten sich wenige hunderttausend Einwohner als Ahmadis. Viele dürften ihre Zugehörigkeit zur Ahmadiyya aus Angst verschwiegen haben. Die Zahlen entsprechen den Angaben der Mahmud-Moschee in Zürich:

  • Pakistan 5  000  000
  • Indonesien 400  000
  • Nigeria 100  000
  • Deutschland 40  000
  • Kanada 30  000
  • Großbritannien 30  000 USA 20  000
  • Frankreich 1800
  • Schweiz 900
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