Erzbischof Arshak Khachatryan wurde am 5. März freigelassen. Ein Berufungsgericht hat zu seinen Gunsten entschieden. Dies geschah nach intensiven internationalen Bemühungen gegen das harte Vorgehen der armenischen Regierung gegen die Kirche.
Erzbischof Arshak Khachatryan ist frei. Am 5. März wurde er von einem Richter unverzüglich aus der Untersuchungshaft entlassen. Er ist bereits das dritte hochrangige Mitglied der Armenisch-Apostolischen Kirche, dessen Haftbedingungen un jüngster Zeit gelockert wurden.
Gegenüber Reportern betonte er, er beharre weiter auf seinen Standpunkten. „Ich bin froh, sagen zu können, dass ich weiterhin im Unrecht bin“, fügte er ironisch hinzu. „An meinen Ansichten und Standpunkten hat sich nichts geändert.“
Namentlich nannte er seine unerschütterliche Unterstützung für die Kirche und ihr Oberhaupt, den Katholikos Karekin II. Khachatryan hatte drei Monate in Untersuchungshaft gesessen. Der Erzbischof verglich seine Haft mit den „Erziehungslagern“ aus Sowjetzeiten.
Der armenische Staat lockert seine Repressionen
Khachatryan wurde am 4. Dezember 2025 festgenommen. Ihm wurde vorgeworfen, im Jahr 2018 einem Mann Drogen untergeschoben zu haben, der gegen den Katholikos agitierte. Khachatryan hat alle Vorwürfe zurückgewiesen.
Der 52-jährige Erzbischof gilt als furchtloses Mitglied des höheren Klerus. Seine Inhaftierung sollte den Katholikos offenbar schwächen. Vor seiner Haft arbeitete er als Kanzler am Sitz des Katholikos in Etschmiadsin. „Der Katholikos wird keinen Rückzug antreten“, setzte Khachatryan nach.
Im Laufe des vergangenen Monats haben führende Verfechter der Religionsfreiheit ihre Kritik an den Versuchen von Premierminister Paschinjan verschärft, die 1.700 Jahre alte Armenisch-Apostolische Kirche unter staatliche Kontrolle zu bringen. Der internationale Druck hatte sich in den letzten Monaten verstärkt.
Auch der Internationale Gipfel für Religionsfreiheit (IRF) rückte Ende letzten Monats die Kampagne Eriwans gegen die Kirche in den Fokus. Es bestanden berechtigte Hoffnungen, dass der Besuch von US-Vizepräsident JD Vance in Armenien eine Wende einleiten konnte. Vance besuchte das Land im Februar.
Internationaler Druck seit Monaten
Am 3. Februar veröffentlichte das Forum für Religionsfreiheit Europa (FOREF) eine Warnung vor einer „Reihe aggressiver Maßnahmen“ der Regierung Paschinjan gegen die Armenisch-Apostolische Kirche. Diese stellten eine „schwere Bedrohung“ für die Religionsfreiheit in der ältesten christlichen Nation der Welt dar.
Das FOREF bezeichnete die Verhängung von Reiseverboten gegen hochrangige Geistliche im Vorfeld einer wichtigen Bischofsversammlung in Österreich als besonders alarmierend.
Darüber hinaus veröffentlichte Forum 18 am 6. Februar einen ausführlichen Bericht über den Angriff der Regierung auf die Kirche.
Der Bericht, verfasst vom renommierten Armenien-Experten Felix Corley, stellte fest: „Seit mindestens Mai 2025 führt der armenische Premierminister Nikol Paschinjan eine Kampagne, um das Oberhaupt der größten Religionsgemeinschaft Armeniens, Katholikos Karekin von der Armenisch-Apostolischen Kirche, zu stürzen.“
„Paschinjan hat zudem versucht, die armenische Kirche dem Staat unterzuordnen“, schrieb Corley, „trotz der verfassungsmäßigen Trennung von Staat und Religionsgemeinschaften. Staatliche Stellen haben Geistliche unter Druck gesetzt, ihre Verbindungen zum Katholikos abzubrechen, und sind gezielt gegen Bischöfe und Priester vorgegangen, die ihm treu geblieben sind.“
Besuch bei einem inhaftierten Erzbischof
Parallel zum IRF-Gipfel und zur Erklärung von FOREF unternahm CSI eine Erkundungsmission nach Armenien.
Die vierköpfige Delegation, bestehend aus CSI-Präsident Dr. John Eibner, Advocacy-Direktor Dr. Joel Veldkamp, CSI-Deutschland-Geschäftsführer Pater Peter Fuchs und dem Schweizer Nationalrat Erich Vontobel, besuchte am 3. Februar Erzbischof Bagrat Galstanjan im Gefängnis in Eriwan.
CSI hielt am selben Tag eine gemeinsame Pressekonferenz mit dem Armenischen Zentrum für politische Rechte (ACPR). Beide Organisationen hoben die Gefahren hervor, die die Beschlagnahmung der Armenisch-Apostolischen Kirche für eine Nation bedeuten würde, die unter der anhaltenden Gefahr eines Völkermords durch die Nachbarländer Türkei und Aserbaidschan steht.
Etwas mehr als eine Woche später, am 12. Februar, gewährte ein armenischer Berufungsrichter Bischof Mkrtich Proshyan Hausarrest. Der Primas der Diözese Aragatsotn, ein Neffe des Katholikos, hatte fast vier Monate in Untersuchungshaft verbracht.
Am 17. Februar überführten die Behörden Erzbischof Mikael Ajapahyan ebenfalls aus der Haft in den Hausarrest. Der Primas der Diözese Schirak war im Juni festgenommen worden. Er verbüßte eine zweijährige Haftstrafe wegen angeblicher Verschwörung zum Sturz der Regierung.
Heute befindet sich nur noch Erzbischof Galstanjan in Untersuchungshaft, in einem Verfahren, das durch gefälschte Beweise beeinträchtigt ist. Er war der erste hochrangige Geistliche, der im Rahmen von Paschinjans eskalierendem Vorgehen gegen die Armenisch-Apostolische Kirche inhaftiert wurde.


