Aserbaidschan: Armenische Geisel seit Wochen im Hungerstreik

Nach dem im August vereinbarten Friedensvertrag zwischen Aserbaidschan und Armenien wurde erwartet, dass die in Aserbaischan festgehaltenen armenischen Geiseln freigelassen würden. Doch Baku hält weiterhin 23 bekannte armenische Christen in Haft. Seit über drei Wochen befindet sich der armenisch-libanesische Gefangene Vicken Euljekjian im Hungerstreik. Seine Familie im Libanon ist tief besorgt.

Euljekjian ist einer von 23 bestätigten armenischen Gefangenen, die in Aserbaidschan festgehalten werden – und einer der sechs Zivilisten unter ihnen. Am 2. September durfte er seine Ehefrau aus dem Gefängnis in Baku anrufen. Sie zeigte sich entsetzt über den geschwächten Zustand ihres Mannes, der kaum noch Kraft hatte zu sprechen.

In Haft gefoltert

Der 46-jährige armenisch-libanesische Doppelstaatler war am 10. November 2020, einen Tag nach dem Waffenstillstand im jüngsten Krieg um Bergkarabach, von aserbaidschanischen Soldaten verschleppt worden. Während seiner fünfjährigen Gefangenschaft war er wiederholt physischer und psychischer Gewalt ausgesetzt, darunter Misshandlungen, Scheinhinrichtungen und Folter. Ein Bericht des Center for Truth and Justice dokumentiert, dass er zu Beginn seiner Gefangenschaft bewusstlos geprügelt wurde. Zudem wurde ein Kreuz-Tattoo durch Verbrennung mutwillig von seiner Hand entfernt, wie Bilder von im Fernsehen übertragenen Verhören beweisen.

Medizinische Versorgung verweigert

Euljekjians Entführer verweigerten ihm Berichten zufolge auch den Zugang zu angemessener Nahrung und medizinischer Versorgung, was zu Gewichtsverlust und Schmerzen führte. Bereits in den Vorjahren trat er mehrmals in Hungerstreik – u.a. wegen verweigerter Telefonkontakte zu seiner Frau.

Seine Familie hatte zuletzt auf eine baldige Freilassung gehofft. Nach dem Gipfeltreffen zwischen Armeniens Premierminister Nikol Paschinjan und Aserbaidschans Präsident Ilham Alijew am 8. August im Weißen Haus wurde ein Friedensvertrag vereinbart. US-Präsident Donald Trump hatte sich ausdrücklich für die Freilassung der „23 Christen“ ausgesprochen. Dennoch hält Aserbaidschan die Geiseln weiter in Haft. Wenige Tage nach dem Gipfeltreffen in Washington trat Euljekjian schließlich abermals in Hungerstreik.

Seit März 2024 unterstützt CSI Vicken Euljekjian im Rahmen der Libertas-Kampagne zur Freilassung der armenischen Geiseln.