Der Iran-Krieg bedroht das Christentum im Orient: Im Libanon und im Irak geraten uralte christliche Gemeinschaften zwischen die Fronten. Menschen fürchten um ihr Leben. Explodierende Preise und Gewalt befeuern eine neue Auswanderungswelle.
Das Foto zeigt die christliche Ortschaft Ain Ebel (Libanon) im Jahr 2024.
Die Militäreinsätze Israels und der USA sowie die Gegenschläge des Iran bedrohen das Christentum im Orient. Am 28. Februar töteten israelisch-amerikanische Luftstreitkräfte das politische und religiöse Oberhaupt der Islamischen Republik, Ajatollah Ali Chamenei. Am 2. März führte die Hisbollah, Irans Verbündeter im Libanon, einen Vergeltungsschlag gegen israelisches Territorium aus. Israel antwortete mit Gegenangriffen im gesamten Südlibanon, den auch Christen bewohnen, so die CSI-Projektpartnerin Schwester Maya in Ain Ebel. Der Iran greift überdies US-Stützpunkte im Nordirak an, wo eine starke christliche Minderheit lebt.
Trotz der israelischen Angriffe und eines Räumungsbefehls seitens der Streitkräfte Israels wollen die Christen ihre Dörfer im Libanon nicht verlassen. „Wir haben beschlossen, unsere Häuser nicht zu verlassen – denn wenn wir unsere Dörfer verlassen, dann könnten wir sicherlich nie wieder zurückkehren.“ Das sagte der maronitische Priester Toni Elias aus dem christlichen Dorf Rmeich der Nachrichtenagentur Fides. Rmeich liegt nur zwei Kilometer von der libanesisch-israelischen Grenze entfernt. Die israelische Armee hat bereits am Montag zur Evakuierung aufgerufen. Die Glocken einiger Kirchen hatten in der Nacht zu läuten begonnen, um die umliegenden Dörfer zu warnen.
Libanesische Christen trotzen der Evakuierung – Preise explodieren
„Wir haben keine Waffen, wir haben keine Raketen, wir sind für niemanden eine Gefahr“, fügt Pfarrer Toni hinzu, „Wir bleiben hier und bitten Gott um seinen Schutz.“ Nicht nur die Christen, sondern auch die Drusen blieben in ihren Dörfern. Sie widersetzten sich damit den Aufforderungen der israelischen Armee. „In Rmeich und den benachbarten Dörfern Debel und Ain Ebel“, so Pfarrer Toni Elias, „sind wir alle in unseren Häusern geblieben, ebenso wie die Menschen in Alma el Shaab.“

Im 2200 Einwohner zählenden Dorf Ain Ebel ist auch CSI präsent und mit lokalen Projektpartnern im Dauerkontakt. Das christliche Dorf geriet bereits 2024 zwischen die Fronten. In Ain Ebel gibt es keine Stellungen der Hisbollah. Aber damals wie heute sind seine christlichen Bewohner Opfer des Krieges, den andere führen. „Christen in Alma Chaab, nahe der Grenze zu Israel, wurden von der israelischen Armee aufgefordert, ihre Häuser zu verlassen; viele suchten Zuflucht in der Dorfkirche und läuteten die Glocken als Zeichen des Widerstands“, so unser CSI-Partner vor Ort.
Die Erinnerungen von damals sind immer noch wach – und der Grund, zu bleiben. „Die Christen weigerten sich, ihre Häuser zu verlassen, aus Angst, dass die Hisbollah sie besetzen könnte, wie es während des Krieges zwischen Israel und der Hisbollah 2024 geschehen war. In Ain Ebel ist die Lage ähnlich: Dutzende Familien, darunter viele Kinder, weigern sich zu gehen, obwohl sie befürchten, dass ihre Häuser von israelischen Raketen getroffen werden könnten.“
Neben der Angst vor dem Verlust der Heimat und dem Tod durch Raketeneinschläge leiden die Christen wie alle Bürger des Libanon seit Kriegsbeginn unter explodierenden Preisen für Grundnahrungsmittel, Babynahrung und Treibstoff. Bauern befürchten ihre Felder nicht bestellen zu können. Das Gespenst der Armut greift weiter um sich und führt zu Verzweiflung im gesamten Libanon. CSI hat inzwischen ein Nothilfeprogramm zur Versorgung der Christen in Ain Ebel gestartet.
Irak: Angst vor iranischen Angriffen
Auch im Irak, dem Nachbarland des Iran, geht die Sorge um, dass die Christen wie schon in den Konflikten der letzten Jahrzehnte die Leidtragenden sind. Sie leben in ständiger Angst vor weiteren Militärschlägen. „Die Menschen haben große Angst vor iranischen Angriffen auf Erbil und den Vorort Ankawa“, sagt uns eine christliche Quelle aus dem Nordirak. Viele Christen verlassen Erbil und fliehen in die Ninive-Ebene, aber selbst dort kommt es zu Zusammenstößen zwischen Milizen.“

„Ich erhalte viele Anrufe von Menschen, die mich fragen: ‚Was sollen wir tun? Wohin sollen wir gehen?‘ Schreckliche Fragen, auf die es keine Antwort gibt. Ich habe ihnen gesagt, dass ich es nicht weiß, aber dass wir wie unsere Großeltern und Eltern durchhalten müssen. Unser ganzes Land ist von iranisch unterstützten Milizen besetzt, die jetzt angegriffen werden. Wir hoffen, dass Israel und die USA nicht die christlichen Milizen angreifen, deren Aufgabe es ist, die Ordnung in den christlichen Dörfern aufrechtzuerhalten.“
Pakistanische Muslime sehen einen „Religionskrieg“
Auch in Pakistan, dem östlichen Nachbarland des Iran, gibt es zahlreiche Christen, die die Auswirkungen der Eskalation spüren. „Demonstranten haben US-Konsulate in Lahore und Karachi angegriffen und Fahrzeuge in Brand gesetzt, während sie auf die US-Botschaft in Islamabad marschierten. Das UN-Büro in Sakardu wurde niedergebrannt“, berichtet uns ein christlicher Anwalt für Menschenrechte. „Die pakistanischen Christen sind in Angst und Schrecken versetzt.“
Die Sorge ist groß, dass der Krieg als „Religionskrieg“ wahrgenommen wird. Dies könnte ein Anlass für weitere Repressionen gegen die christliche Minderheit sein. „Die muslimische Mehrheit betrachtet den Krieg als einen Krieg der Kafirs (Christen und Juden) gegen die Muslime“, so unser CSI-Partner weiter. „Solange der Krieg nicht beendet ist, sind das Leben und das Eigentum der Christen in Pakistan in Gefahr. Unser größtes Anliegen ist es, dass der Krieg beendet wird und diese Probleme durch Verhandlungen friedlich gelöst werden.“
In Nigeria hetzen Islamisten gegen Christen
Ähnliches berichtet uns ein Geistlicher aus Nigeria, wo der Krieg den Dschihadisten einen Vorwand bietet, die Stimmung gegen Christen aufzuheizen: „Radikale islamische Prediger in Nigeria mobilisieren die Menschen zur Rache. Viele von ihnen ermutigen ihre Anhänger, nigerianische Christen anzugreifen, als Reaktion auf den Angriff der Vereinigten Staaten auf den Iran. Es besteht die reale Gefahr, dass Kirchen bald angegriffen werden könnten.“
Im Iran selbst spricht die christlich-armenische Gemeinde von einer „äußerst angespannten Lage“ in Teheran. „Bislang wurde keiner der Armenier in unserer Gemeinde getötet, aber unsere Schulen sind geschlossen und unser Kulturzentrum wurde beschädigt“, schreibt uns ein Mitglied des politischen Rates der Armenisch-Apostolischen Kirche. „Unsere Jugendorganisationen machen ihre Runde, schauen nach den Familien in unserer Gemeinde und sorgen dafür, dass sie alles haben, was sie brauchen. Wir stehen hier aufrecht und stark neben unseren armenischen Gemeinden.“
CSI-Präsident: Krieg zerstört Religionsfreiheit und Menschenwürde
CSI-Präsident John Eibner sagte in einer Stellungnahme, dass Kriege „zwangsläufig zerstörerisch für die Religionsfreiheit und die Menschenwürde“ seien. Die Menschenwürde resultiere aus dem christlichen Konzept, dass Gott alle Menschen nach seinem Bild geschaffen hat. „Mächte, die sich als christlich präsentieren oder behaupten, im Interesse der christlichen Zivilisation zu handeln, haben die Verantwortung, Krieg gemäß den christlichen Prinzipien zu führen, die über Jahrhunderte hinweg entwickelt wurden, um Tod und Zerstörung zu begrenzen“, so Eibner.
Krieg im Nahen Osten: Angst, Gewalt, Armut - Bitte helfen Sie den Christen im Libanon!


