CSI-Präsident John Eibner ruft die US-Regierung im Kapitol dazu auf, die Armenisch-Apostolische Kirche gegen staatliche Verfolgung zu verteidigen. Der Besuch von JD Vance hat die Repressionen nicht beendet.
„Der Einsatz staatlicher Zwangsmaßnahmen zur Einmischung in die inneren Angelegenheiten von Kirchen und anderen Glaubensgemeinschaften widerspricht der amerikanischen Tradition der Religionsfreiheit“, erklärte Dr. John Eibner, Präsident von Christian Solidarity International (CSI), am Donnerstag bei einer gut besuchten Informationsveranstaltung im Kapitol.
„CSI fordert die Trump-Regierung auf, Stärke und Überzeugung zu zeigen und die Armenisch-Apostolische Kirche gegen diese Verfolgung zu verteidigen“, so Eibner.
Eibner: Dutzende Geistliche hinter Gittern
Die Informationsveranstaltung fand im Rayburn House Office Building in Washington DC statt. Sie umfasste Vorträge von Eibner, Botschafter Alberto Fernandez von MEMRI und Jan Figel, dem ehemaligen EU-Sonderbeauftragten für Religions- und Glaubensfreiheit. Ein Livestream der Veranstaltung ist online verfügbar.
Seit Mai 2025 fordert der armenische Premierminister Nikol Paschinjan die Absetzung des Oberhaupts der weltweiten Armenisch-Apostolischen Kirche, Katholikos Karekin II. Eibner merkte an, dass in den letzten neun Monaten „mehr als ein Dutzend prominente Geistliche […] hinter Gitter gebracht, unter Hausarrest gestellt oder aufgrund einer Reihe unbegründeter Anschuldigungen wie Terrorismus, Putschpläne, Behinderung der Justiz und Platzierung von Drogen angeklagt wurden“.
Laut Eibner ist die Verfolgung der armenischen Kirche Teil eines größeren Vorhabens, die christliche Identität Armeniens zu schwächen und das Land der Hegemonie seiner mächtigen muslimischen Nachbarn Türkei und Aserbaidschan zu unterwerfen. Letzteres beansprucht Armenien als „Westaserbaidschan“.
Wenn dieses Projekt ungehindert fortgesetzt wird, so Eibner, „ist es nicht nur denkbar, sondern sehr wahrscheinlich, dass armenische Christen innerhalb einer Generation in Armenien eine Minderheit ohne politische Einflussmöglichkeiten sein werden, die hauptsächlich in einem schrumpfenden armenischen Viertel in Eriwan leben, ähnlich wie man es heute in Aleppo oder Jerusalem findet.“
Eibner überbrachte Vance Brief des inhaftierten Erzbischofs
Eibner berichtete den Teilnehmern der Pressekonferenz, dass er Anfang Februar dank „des großartigen Teams engagierter Pro-Bono-Anwälte des Armenischen Zentrums für politische Rechte“ Erzbischof Bagrat Galstanyan im Gefängnis in Eriwan besuchen konnte.
Zudem habe er Vizepräsident JD Vance vor dessen Besuch in Armenien im Februar einen Brief des inhaftierten Erzbischofs überbringen können.
Leider habe Vance seinen Besuch genutzt, um Pashinyans Wiederwahlkampagne zu unterstützen, so Eibner. Innerhalb weniger Tage erhoben die armenischen Behörden Strafanzeige gegen den Katholikos selbst.
Experten ziehen Parallelen zu autoritären Regimen
„Ob bewusst oder unbewusst“, so Eibner, „hat Vances Besuch effektiv grünes Licht für die Fortsetzung der Verfolgung der Armenisch-Apostolischen Kirche gegeben.“
Botschafter Fernandez verglich den Angriff der armenischen Regierung auf die Armenisch-Apostolische Kirche mit einer (möglicherweise apokryphen) Aussage eines US-Kommandanten während des Vietnamkriegs: „Es wurde notwendig, das Dorf zu zerstören, um es zu retten.“
Fernandez hat eine lange Karriere im diplomatischen Dienst der USA hinter sich. Derzeit ist er als Vizepräsident des Middle East Media Research Institute tätig. Der Versuch von Premierminister Paschinjan, die Kontrolle über die Kirche zu übernehmen, ähnele der Vorgehensweise autoritärer Regime gegenüber religiösen Institutionen. Namentlich nannte er Russland, der Türkei und Aserbaidschan.
„Religionsfreiheit und Meinungsfreiheit gehören zusammen“
Obwohl Paschinjan bestrebt sei, seine Regierung als pro-westlich darzustellen, „können sie nicht beides haben“, sagte Fernandez. „Sie wollen Teil des liberalen Westens sein und gleichzeitig die religiösen Standards des Erdogan-Regimes und Assads imitieren.“
„Staaten, die die Zwangsgewalt der Regierung einsetzen, um eine externe Organisation ihrem Willen zu unterwerfen, werden diese Zwangsgewalt unweigerlich auch gegen andere einsetzen“, warnte Fernandez. „Ich kenne keine Situation, in der ein Regime, das religiöse Einrichtungen verfolgt, offen ist und Kritik akzeptiert. Religionsfreiheit und Meinungs- und Gewissensfreiheit gehören zusammen.“
Figel, der aus der Slowakei stammt, erzählte dem Publikum, dass er „die Hälfte seines Lebens unter dem Kommunismus“ gelebt habe. „Was wir heute in Armenien gegen die Armenisch-Apostolische Kirche sehen, ist genau das, was wir in der kommunistischen Unterdrückung der Tschechoslowakei gegen freie Menschen und freie Kirchen gesehen haben“, sagte er und zog eine Reihe von Parallelen zwischen den in beiden Fällen angewandten Taktiken.
Figel: „Die Kirche wird siegen“
„Armenien ist die älteste christliche Nation der Welt“, erinnerte Figel sein Publikum. „Die Rolle der Armenisch-Apostolischen Kirche war für das Überleben dieser Nation von entscheidender Bedeutung. Wenn sie diese verlieren, verlieren sie alles.“
Figel erinnerte jedoch daran, dass in der kommunistischen Tschechoslowakei „der Sieg den gläubigen Führern und der gläubigen Kirche gehörte“.
„Die Kirche, das Christentum und der Glaube stellten die entscheidendste Opposition gegen das Regime dar“, sagte Figel. „Es braucht Zeit, aber sie wird siegen.“
Diese gesamte Rede von John Eibner können Sie in der englischen Originalfassung hier nachlesen.


