CSI-Projekt für alawitische Frauen: Frisieren für ein würdiges Leben

Kostenlose Friseurkurse für rund 30 Frauen pro Jahr: Das CSI-Zentrum in Tartus schenkt Frauen in Syrien eine Ausbildung, ein regelmäßiges Einkommen und Würde.

Nadine (44), eine Alawitin, lebt mit ihrem Mann und ihren beiden Kindern in Tartus. Früher musste die Friseurin zu Hause arbeiten – Familie und Arbeit fanden unter einem Dach statt. Nun arbeitet sie in einem von CSI unterstützten Zentrum, wo sie ihre Kunden in einem professionellen Umfeld betreuen kann, und anderen Frauen und Mädchen ihr Handwerk beibringt.

Das seit 2019 bestehende Zentrum liegt in einem armen Stadtteil und nimmt jedes Jahr etwa 30 Frauen in seinen Friseur- und Kosmetikkursen auf. Es ist zu Fuß für alle Teilnehmerinnen erreichbar – ein Vorteil im wirtschaftlich strauchelnden Syrien, wo selbst Bustickets teuer geworden sind.

Das Zentrum heißt Frauen aus allen Gemeinschaften willkommen, vor allem Alawitinnen und Sunnitinnen, die im selben Stadtteil leben. Das CSI-Projekt ermöglicht den Frauen eine menschenwürdige Beschäftigung und ein regelmäßiges Einkommen. Die Ausbildungskurse sind kostenlos.

„Ich gebe es für meine Mutter aus“

Viele der Absolventinnen verfügen jedoch nicht über die Mittel, einen eigenen Salon zu eröffnen. Lediglich eine Frau konnte ein eigenes Geschäft gründen – und hat direkt eine Kollegin angestellt. Die anderen arbeiten daheim oder besuchen ihre Kundinnen zu Hause. Dies senkt die Kosten und macht die Preise für Familien erschwinglich.

Wenn Nadine darüber spricht, wie sie ihr Geld ausgibt, denkt sie als Erstes nicht an sich selbst, sondern an ihre Mutter. „Manchmal profitiere ich selbst gar nicht davon. Ich gebe es für meine Mutter aus.“ Wann immer sie kann, kauft sie ihrer Mutter, was sie braucht: Medikamente, Vitamine, Datteln, Öl – alltägliche Dinge, die ihr das Leben erleichtern.

Für Alawitinnen stellt das Projekt eine Chance dar, in der sunnitischen Mehrheitsgesellschaft wieder Fuß zu fassen. Übergriffe auf die religiöse Gemeinschaft haben seit der Machtübernahme des dschihadistischen Regimes massiv zugenommen. Alawitinnen wie Batoul Alloush werden Opfer von Entführung und Zwangskonversion. Nadine und ihre Absolventinnen erhalten mit der CSI-Hilfe die Stärke, die notwendig ist, um auch im „neuen Syrien“ bestehen zu können – während der Westen bei Gewalt und Diskriminierung gegen die Alawiten wegschaut.