Das Gesicht der Christenverfolgung in Nigeria

Entführungen, Massaker, zerstörte Kirchen: In Nigeria werden Christen systematisch verfolgt. Opfer wie Alice Stephen, die zehn Familienmitglieder verlor, stehen stellvertretend für ein Leid, das die Weltgemeinschaft kaum wahrnimmt.

Die Gewalt gegen Christen hält in Nigeria unvermindert an. Im Bundesstaat Kaduna entführten Bewaffnete 32 Menschen, darunter einen Katecheten und seine schwangere Ehefrau. Ziel waren die zwei Dörfer Kutaho und Kugir.

Gegenüber lokalen Medien sagte Pfarrer Linus Matthew Bobai, der Pfarrer der Gemeinde, die Bewaffneten hätten vor dem Angriff 10 Millionen Naira (rund 6.200 Euro) gefordert und damit gedroht, ihn zu entführen, falls er nicht zahle. Die Angreifer hätten auch den Dorfvorsteher mit einer Machete angegriffen, er sei nur knapp mit dem Leben davongekommen. Einigen Entführten sei die Flucht gelungen.

Der Angriff von muslimischen Fulani-Milizen fand bereits am 10. Februar statt. Drei Tage zuvor stürmten bewaffnete Kämpfer die Holy Trinity Church in Karku – unter den Entführten befand sich auch ein Priester, Pfarrer Nathaniel Asuwaye. Am 6. Februar wurden im nördlichen Bundesstaat Benue neun Christen entführt, als sie an einer Gebetswache teilnahmen, teilte die Diözese Otukpo Fides in einer Erklärung mit.

Geistliche gehen auf die Straße: „Genozid an den Christen“

Die Serie christenfeindlicher Angriffe und Entführungen im Land führte dazu, dass Geistliche in den ostnigerianischen Diözesen Wukari und Jalingo am 12. Februar auf die Straße gingen und forderten, die Regierung müsse mehr zum Schutz der Christen unternehmen.

Pfarrer James Yaro, Apostolischer Vikar der Diözese Wukari, sprach gegenüber der Nachrichtenagentur Fides von einem „Genozid an den Christen“. Mehr als 80 Menschen seien bisher getötet worden, viele weitere verletzt, über 200 Gemeinden und Kirchen zerstört worden und mehr als 90.000 Christen aus ihren Häusern geflohen. Auch er machte die Fulani-Milizen für die Angriffe verantwortlich.

US-Kongress fordert Sicherheitsabkommen und Druck auf Nigeria

US-Präsident Donald Trump hatte Nigeria im vergangenen Jahr als „Country of Particular Concern“ („Land von besonderer Besorgnis“) eingestuft. Trump erklärte, das Christentum sei in Nigeria einer „existenziellen Bedrohung“ ausgesetzt. Im Dezember ordnete Trump einen Angriff auf Islamisten im Norden Nigerias an.

Der Kongressabgeordnete Riley M. Moore und weitere Mitglieder des US-Repräsentantenhauses empfahlen am Mittwoch den Abschluss eines Sicherheitsabkommens zwischen den USA und Nigeria zum Schutz der Christen. Weiterhin empfahlen sie, zu diesem Zweck US-Gelder zurückzuhalten, bis sich die Situation verbessert habe. Die Scharia- und Blasphemiegesetze sollten abgeschafft werden.

Die Abgeordneten stellten fest, dass Nigeria der „tödlichste“ Ort der Welt für Christen sei. Ein Bericht bestätigte anhaltende Angriffe auf Christen durch bewaffnete Milizen und Terrorgruppen. Die Blasphemiegesetze dienten dazu, Meinungsäußerungen und abweichende Ansichten zu unterdrücken, sowie Christen und Minderheiten ins Visier zu nehmen. Sie dienten außerdem dazu „sogenannte ‚Verurteilungen‘ ohne rechtsstaatliches Verfahren“ zu rechtfertigen.

„Ich reiste mit einer parteiübergreifenden Delegation nach Nigeria und sah mit eigenen Augen die schrecklichen Gräueltaten, denen Christen ausgesetzt sind, sowie die Instabilität, die die nigerianische Regierung bekämpfen muss“, erklärte Moore.

CSI warnt seit Jahren – und hilft den Überlebenden

CSI hat bereits im Jahr 2020 eine Völkermordwarnung für Nigeria ausgesprochen. Im Dezember 2025 hat CSI erneut hervorgehoben, dass es sich in Nigeria nicht um einen Ressourcenkonflikt zwischen Bauern und Nomaden oder „Sozialkonflikte“ handelt, sondern um eine dezidierte Christenverfolgung. Die Regierung Nigerias hat sich in den letzten Monaten damit hervorgetan, das eigene Image zu verbessern, statt den Schutz der Bevölkerung sicherzustellen.

Eines der Opfer der grausamen Fulani-Angriffe ist auch Alice Stephen. Am 14. April 2025 überfielen die islamistischen Milizen ihr Dorf Zike Kimakpa im Bundesstaat Plateau. Sie verlor zehn Familienmitglieder, darunter ihren Ehemann, zwei kleine Kinder, ihren Schwiegervater und ihren Schwager, und erlitt zudem eine schwere Verletzung.

CSI unterstützt ihren Sohn Nenche Stephen beim Schulbesuch und hat auch ihr selbst Hilfe zukommen lassen. Sie benötigt weiterhin psychosoziale Unterstützung und Traumaberatung. Abgesehen davon geht es ihr gut, und sie dankt Gott weiterhin dafür, dass ihr Leben bei dem Angriff verschont blieb.

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