Debel: Der Krieg im Libanon trifft die Christen

Ein IDF-Soldat zerstört eine Christus-Statue im südlibanesischen Debel – der Fall löst internationale Empörung aus. Dahinter verbirgt sich das dramatische Schicksal einer christlichen Gemeinschaft zwischen den Fronten.

Die Schändung einer Christus-Statue im Südlibanon hat den Blick der Weltöffentlichkeit neuerlich auf das Krisengebiet gelenkt. Auf X verbreitete sich das Foto eines Soldaten der Israel Defence Forces (IDF), der mit einem Hammer auf das Gesicht des Heilands einschlug. Der Fall sorgte in Medien und bei Kirchenvertretern für Empörung.

Die israelischen Streitkräfte haben den Fall bestätigt. Die IDF versprach, dass „gegen die Beteiligten entsprechend den Ermittlungsergebnissen angemessene Maßnahmen ergriffen werden“, und dass die IDF die Gemeinde bei der Wiederherstellung der Statue unterstützt. Die IDF betonte, dass sie nicht die Absicht habe, „zivile Infrastruktur, einschließlich religiöser Gebäude oder religiöser Symbole, zu beschädigen“.

Netanjahu verspricht Disziplinarmaßnahmen

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu erklärte, er sei „fassungslos und betrübt“ über die Vorfälle und „verurteile diese Tat auf das Schärfste“. Er kündigte strafrechtliche Ermittlungen an und erklärte, die Militärbehörden würden „angemessene und strenge Disziplinarmaßnahmen gegen den Täter ergreifen“. Israels Außenminister Gideon Saar bat um Entschuldigung für die „beschämende und schändliche Tat“.

Kardinal Pierbattista Pizzaballa, der lateinische Patriarch von Jerusalem, verurteilte den Vorgang in einer Erklärung, die über die Versammlung der katholischen Ordinariate des Heiligen Landes, deren Vorsitzender er ist, veröffentlicht wurde. Er nannte die Zerstörung der Statue einen „schwerwiegenden Affront gegen den christlichen Glauben“.

Er erklärte, die Versammlung „bringe ihre tiefe Empörung und vorbehaltlose Verurteilung“ zum Ausdruck und warnte, dass diese Tat „zu anderen gemeldeten Vorfällen der Schändung christlicher Symbole durch Soldaten der israelischen Streitkräfte im Südlibanon hinzukommt“.

Pizzaballa: „Schwerwiegender Affront“

„Dies offenbart zudem ein beunruhigendes Versagen in der moralischen und menschlichen Bildung, bei dem selbst die elementarste Ehrfurcht vor dem Heiligen und vor der Würde anderer schwerwiegend beeinträchtigt wurde“, sagte Kardinal Pizzaballa. Die Versammlung forderte „sofortige und entschiedene Disziplinarmaßnahmen, einen glaubwürdigen Prozess der Rechenschaftspflicht und klare Zusicherungen, dass ein solches Verhalten weder toleriert noch wiederholt wird“.

Das Dorf Debel kam in den vergangenen beiden Monaten vermehrt in die Schlagzeilen. Der Ort liegt im Südlibanon südlich des Flusses Litani und ist seitdem mehrfach zum Brennpunkt der Kämpfe zwischen IDF und Hisbollah geworden. Zusammen mit Al-Qlayaa, Rmeich, Alma al-Chaab und Ain Ebel gehört es zu den besonders betroffenen, christlichen Siedlungen der Regionen. In Ain Ebel unterhält CSI ein Projekt.

So sendete Papst Leo XIV. eine Osterbotschaft an das bedrängte Dorf. Er wolle sein Mitgefühl und seinen Trost „allen Christen im Südlibanon und allen Menschen, die unter den Folgen des Krieges leiden“, aussprechen. In ihrem Leid, ihrer Erfahrung von Ungerechtigkeit und Verlassenheit seien die Menschen Jesus besonders nahe, denn zu Ostern habe Jesus „die Mächte des Bösen besiegt“. „Verliert also nicht den Mut!“, so der Papst.

Debel: Vom Papst bedacht, von Hilfsgütern abgeschnitten

Debel ist auch der Ort, an dem die israelische Armee mehrere Hilfskonvois aufhielt, die die darbende Bevölkerung mit Medikamenten, Trinkwasser, Fleisch, Gemüse und Treibstoff versorgen sollten. Ein Konvoi wurde vom Apostolischen Nuntius im Libanon, Erzbischof Paolo Borgia, angeführt. Ursprünglich waren elf Lastwagen vorgesehen, um eine Bevölkerung von 430 Familien – rund 1.700 Menschen – zu versorgen. Die israelischen Behörden ließen nur drei Lastwagen passieren.

Beobachter, mit denen CSI in Kontakt steht, können nicht bestätigen, dass die israelischen Streitkräfte die zivile Infrastruktur schonen würden. Ganze Ortsteile werden durch Sprengladungen und mit Bulldozern dem Erdboden gleichgemacht. Die israelische Armee rechtfertigt diese Strategie damit, unterirdische Infrastrukturen zu zerstören. Satellitenaufnahmen und Drohnenbilder bestätigen die Zerstörungen.

Am 9. März töteten Einheiten der IDF den maronitischen Priester Pierre al-Rahi. Ein israelischer Panzer feuerte auf ein Haus und verletzte dessen Eigentümer und seine Frau. Pater Pierre und zehn weitere Männer eilten zum Haus, um zu helfen. Dann traf eine weitere Granate das Haus und verletzte Rahi sowie vier weitere Personen. Der Priester starb noch auf dem Weg ins nächste Krankenhaus.

Trotz der Waffenstillstandsverhandlungen zwischen den USA und dem Iran hält Israel den Südlibanon besetzt. Mehr als eine Million Menschen sind aus ihrer Heimat geflohen. Etwa 150.000 Menschen blieben trotz der israelischen Evakuierungsbefehle im Südlibanon. Die Bewohner befürchteten, nach ihrer Abreise nicht mehr zurückkehren zu dürfen. Einige Menschen sind während des Waffenstillstands in ihre Häuser zurückgekehrt. 95 Prozent der Einwohner von Debel sind katholisch. Seit dem Beginn der Intervention Anfang März sind rund 2.300 Menschen ums Leben gekommen. Die Christen des Libanons kommen damit zwischen die Mühlen eines Konflikts, an dem sie keinerlei Schuld haben.

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