Die Nuba-Berge: Vergessene Front im Sudanesischen Bürgerkrieg

Christian Solidarity International (CSI) engagiert sich im Sudan gegen den Hunger, der den Süden des Landes überzieht. Zwei Millionen Kriegsflüchtlinge harren dort in 15 Lagern aus. Der Konflikt, der seit 2023 tobt, ist in der Weltöffentlichkeit weitgehend vergessen.

Insgesamt 30 Millionen Menschen sind im Sudan laut Angaben der UN von Hunger bedroht. Die Europäische Kommission ging im August 2025 davon aus, dass 4 Millionen Kinder unterernährt sind – 770.000 davon sind unmittelbar vom Tod bedroht. Beobachter gehen von bis zu 150.000 Toten aus, die den aktuellen Sudankrieg zu einem der tödlichsten Massaker weltweit macht.

Dabei ist das Land seit seiner Unabhängigkeit im Jahr 1956 ein dauernder Krisenherd. In den letzten 70 Jahren hat der Sudan 20 Putschversuche und zwei Bürgerkriege erlebt. Beide Bürgerkriege waren Kriege zwischen der Zentralregierung und den südlichen Regionen. Insgesamt verloren 1,5 Millionen Menschen ihr Leben in diesen Konflikten. Der Zweite Sudanesische Bürgerkrieg (1983-2005) endete zuerst mit der Autonomie und anschließend der Unabhängigkeit des Südsudan (2011).

Neben dem Bürgerkrieg führte die Zentralregierung auch einen Krieg in Darfur. Dort erhob sich die Sudanesische Befreiungsarmee (SLM). Wie in vielen anderen Konflikten innerhalb des Sudans spielte die Unterdrückung der nicht-arabischen Bevölkerung eine Rolle. Als Reaktion auf die Rebellion führte die Regierung von Omar al-Bashir ab 2003 einen unerbittlichen Krieg gegen die nicht-arabische Bevölkerung inklusive ethnischer Säuberungen. Der Internationale Strafgerichtshof wertet das Vorgehen als Völkermord.

RSF: Früher Regierungsinstrument zur ethnischen Säuberung, heute Bürgerkriegspartei

Eine Schlüsselrolle im Darfur-Krieg nahmen die arabischen Nomadenmilizen der Dschandschawid (sinngemäß: berittene Geister/Teufel) ein. Sie kämpften aufseiten der Zentralregierung und verübten zahlreiche Massaker. Aus ihr gingen ab 2013 die Rapid Support Forces (RSF) hervor. Diese paramilitärische Streitkraft agierte als unabhängiger Arm der Regierung neben der offiziellen Armee. Im bis 2020 andauernden Darfur-Krieg attackierte sie Dörfer, plünderte und brannte Häuser nieder, und war verantwortlich für die Vergewaltigung und Tötung zahlreicher Menschen. Anführer der Rebellen in Darfur war die Sudanesische Befreiungsbewegung (SLM), die sich mehrheitlich aus nicht-arabischen Gruppen zusammensetzte.

Die Zentralregierung setzte die RSF auch in dem ab 2011 tobenden Konflikt um die Regionen Südkordofan und Blauer Nil ein. Der Bundesstaat Südkordofan wird von den Nuba-Bergen geprägt und ist deswegen auch unter dieser Bezeichnung bekannt. Die Rebellion führte die Sudanesische Volksbefreiungsbewegung Nord (SPLM-N) an. Der Konflikt im südlichen Sudan hatte einen Bezug zum Darfur-Krieg – denn die Rebellen in Darfur und die Rebellen im südlichen Sudan kooperierten miteinander gegen die Zentralregierung und die RSF.

Die Bezeichnung „Nord“ für die SPLM rührt daher, dass ihre „Mutterbewegung“, die SPLM, die Unabhängigkeit für den mittlerweile unabhängigen Südsudan errungen hat. Die SPLM-N führt diesen Krieg in den südlichen Gebieten des Sudan fort. Die Nuba-Berge und die Region Blauer Nil wurden im Gegensatz zum Norden des Landes nicht arabisiert. Insbesondere im Süden leben christliche Gemeinschaften und Anhänger traditioneller Stammesreligionen. Viele Bewohner der Region kämpften bereits im Zweiten Sudanesischen Bürgerkrieg aufseiten der SPLM. Ein versprochenes Referendum über die Zukunft Südkordofans fand nie statt.

Die Nuba-Berge: Jahrzehntelanger Kampf um Autonomie

Der damalige Machthaber Omar al-Bashir machte die Region zum Ziel von Islamisierungs- und Arabisierungskampagnen. Bombenangriffe gehörten zum Alltag. Diese endeten erst mit dem Sturz al-Bashirs im Jahr 2019 im Zuge eines Militärputsches, an dem die RSF ebenfalls teilnahm. Die Rebellen in Darfur und dem südlichen Sudan zeigten sich für eine Waffenruhe bereit.

Doch auf die „Sudanesische Revolution“ folgte keine Demokratie, sondern der nächste Konflikt. Militär und RSF putschten erneut im August 2021. Die wenigstens teilweise zivile Übergangsregierung wurde von einer Militärjunta unter der Führung von General Abdel Fattah al-Burhan abgeschafft. Al-Burhan ist seitdem Staatsoberhaupt des Sudan.

Der andere starke Mann des Sudan wurde Mohammed Hamdan Daglo, besser bekannt unter seinem Kampfnamen Hemedti. Er war langjähriger Kommandeur der RSF und führte bereits im Darfur-Krieg die Dschandschawid-Milizen an. Hemedti war schon bei der Regierung von 2019 an der Macht beteiligt gewesen, hatte sich aber offenbar durch den gemeinsamen Putsch mit al-Burhan eine Vergrößerung seines Einflusses erhofft.

Bürgerkrieg zwischen zwei Kriegsverbrechern

Hemedtis Hoffnungen wurden nicht erfüllt. Um seine Macht zu sichern, beförderte al-Burhan die alten Militärzirkel, auf die sich schon sein Vorgänger al-Bashir gestützt hatte. Für den aus Darfur stammenden Hemedti bedeutete das eine Gefahr für die eigene Position. Überdies sollten die RSF langfristig in die reguläre Sudanesische Armee (SAF) integriert werden. Al-Burhan wollte die viel zu mächtig gewordene RSF offenbar an die kurze Leine nehmen oder ganz entmachten. Hemedti wiederum bezeichnete den Putsch von 2021 als „Fehler“.

Die RSF griffen daher im April 2023 die Hauptstadt Khartum an und lösten damit den gegenwärtigen Krieg aus. Seitdem tobt der Kampf zwischen der regierungstreuen SAF und der rebellierenden RSF. Ihren Anführern, al-Burhan wie Hemedti, werfen internationale Organisationen ethnische Säuberungen, brutale Massaker und Völkermord vor.

Geopolitik, Stellvertreterkriege und Erdöl

In den letzten beiden Jahren hat der Konflikt überdies eine zunehmend geopolitische Komponente bekommen. Er ist zum Schauplatz von Stellvertreterkriegen mutiert. Als wichtiger Unterstützer des Regimes von al-Burhan gelten Saudi-Arabien und der Iran, die Vereinigten Arabischen Emirate dagegen sind der Hauptsponsor der RSF. Russische Wagner-Milizen sollen mit der RSF zusammenarbeiten, die Ukraine unterstützt dagegen die Zentralregierung. Russland selbst unterstützt in letzter Zeit zunehmend die Regierung, türkische Firmen verkaufen Waffen an beide Seiten. Das Nachbarland Äthiopien wurde von Khartum mehrfach beschuldigt, RSF-Soldaten auszubilden und zu unterstützen.

Zusätzlich haben sich die verschiedenen Rebellengruppen gespalten. Die SLM in Darfur etwa besteht nun aus zwei Zweigen: Der SLM-Tambour und der SLM-Minnawi, die auf Regierungsseite kämpfen und die SLM-al-Nur, die als dritte Partei gegen die Regierung und die RSF kämpft. Im südlichen Sudan hat sich die SPLM-N ebenfalls gespalten: Ein Teil unter Abdelaziz al-Hilu kooperiert mit den RSF, der andere Teil unter Malik Agar steht aufseiten der Zentralregierung.

Dadurch, dass sich die SPLM-N von al-Hilu gegen die Regierung stellt, werden auch die Nuba-Berge zum Ort von Kampfhandlungen. Bis 2026 beschränkten diese sich auf die zentralen Regionen um Khartum und Darfur. Dass Khartum die südlichen Regionen trotz ihres jahrzehntelangen Widerstands nicht aufgeben will, hängt dabei nicht nur mit Islamisierungs- und Arabisierungsbemühungen zusammen: In Heglig, an der Grenze zum Südsudan, liegen die wertvollsten Erdölvorkommen des ganzen Landes.

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Spenden

Gemeinsam gegen den Hunger - Nothilfe für Christen im Sudan

30 stillen den Hunger einer vierköpfigen Familie 15 Tage lang
60 versorgen eine Familie für einen Monat mit Hirsegetreide
120 sichern das Überleben einer Familie über zwei Monate
individueller Betrag