Erklärung zum zweiten Jahrestag der ethnischen Säuberung von Bergkarabach

Am 19. September 2023 begann Aserbaidschan eine der umfassendsten ethnischen Säuberungen der jüngeren Geschichte, und zwar in Bergkarabach an einer der ältesten christlichen Gemeinschaften der Welt. Warum wir dazu nicht schweigen dürfen. Ein Kommentar von Dr. John Eibner, Internationaler Präsident von Christian Solidarity International.

Am 19. September vor zwei Jahren starteten die Streitkräfte Aserbaidschans einen nicht provozierten Angriff auf die Republik Arzach/Bergkarabach. Zuvor hatten sie Bergkarabach neun Monate lang von der Außenwelt abgeschnitten und belagert. Beim Angriff floh praktisch die gesamte armenische Bevölkerung von fast 120.000 Menschen aus dem Gebiet. Damit zerstörte eine der gründlichsten ethnischen Säuberungen der jüngeren Geschichte eine der ältesten christlichen Gemeinschaften der Welt.

Es war ein weiterer Schritt im Zuge des armenischen Völkermords, motiviert von türkischem Hypernationalismus und muslimischem Machtanspruch. Beide Kräfte zielten und zielen immer noch darauf ab, mit Armenien die älteste christliche Nation der Welt aus ihrer Mitte zu eliminieren.

Wollen wir, dass ein Aggressor belohnt wird?

Aserbaidschans Taten verhöhnen das internationale Menschenrecht, die Urteile des Internationalen Gerichtshofs, die Verpflichtungen von Russland, Frankreich und den Vereinigten Staaten, die alle zum Erhalt der armenischen Gemeinschaft in Bergkarabach aufrufen. Dennoch drohen Aserbaidschan bis zum heutigen Zeitpunkt keine Konsequenzen.

Im Gegenteil, Aserbaidschan wurde sogar mehrfach belohnt, und zwar mit der Durchführung der COP29, der einseitigen Abtretung eines umstrittenen armenischen Gebiets in der Region Tavush sowie der Auflösung der Minsker Gruppe. Die letzte „Belohnung“ war Präsident Trumps Zusage am 8. August im Weißen Haus, die US-Militärhilfe für Aserbaidschan zu erneuern.

Dies alles geschieht, obwohl Aserbaidschan sämtliche Erinnerungen an die Armenier in Karabach ausradiert, Stadtviertel und Dörfer dem Erdboden gleichmacht und christliche Symbole zerstört.

Dies alles geschieht, obwohl Aserbaidschan entführte Armenier aus Bergkarabach Scheinprozessen unterzieht und das Rote Kreuz (IKRK) daran hindert, sie zu besuchen.

Dies alles geschieht, obwohl Aserbaidschan Hunderte Quadratkilometer Territorium der Republik Armenien besetzt hält und von dort aus armenische Grenzdörfer bombardiert.

Dies alles geschieht, obwohl die aserbaidschanische Regierung verkündet, die gesamte Republik Armenien sei eigentlich „Westaserbaidschan“ und die Aserbaidschaner müssten dorthin „zurückkehren“.

Mittlerweile ist es für westliche Diplomaten normal, offizielle Einladungen in das ethnisch gesäuberte Bergkarabach anzunehmen, um dort für westliche Unternehmen in „Wiederaufbauprojekte“ zu investieren. Auf Internationale Gremien wie dem UNO-Menschenrechtsrat, seine Mitgliedstaaten sowie internationale Organisationen wird Druck ausgeübt, „Bergkarabach“ weder namentlich zu erwähnen noch auf dessen Existenz hinzuweisen. CSI selbst wurde von der aserbaidschanischen UN-Delegation mit einschüchternden Beschwerden eingedeckt mit dem Vorwurf, wir würden Teile Aserbaidschans mit „fiktiven Namen“ bezeichnen – nämlich Bergkarabach.

CSI begrüßt den in den letzten Monaten eingeschlagenen Weg in Richtung eines bilateralen Friedens zwischen der Republik Armenien und der Republik Aserbaidschan. Eine Rückkehr zum Krieg nützt niemandem. Wir warnen jedoch davor, einen Frieden auf dem Boden ethnischer Säuberung und unterdrückter Aggression aufzurichten. Dieser Versuch dürfte kaum von Erfolg gekrönt sein. Solange die Weltgemeinschaft die Unnachgiebigkeit und Aggression Aserbaidschans belohnt, wird sie noch mehr davon ernten. Bis jetzt ist deshalb kein endgültiger Friedensvertrag zwischen Armenien und Aserbaidschan unterzeichnet worden, weil Aserbaidschan weitere Zugeständnisse von Armenien fordert.

Ein besserer Weg zum Frieden

Es ist nicht zu spät, einen anderen Weg einzuschlagen. Die Schweizer Regierung wurde vom Parlament beauftragt, ein Friedensforum zwischen Aserbaidschan und den Vertretern der gewaltsam vertriebenen Bevölkerung von Bergkarabach zu organisieren und die Umsetzung des international anerkannten Rechts der Armenier auf Rückkehr in ihre Heimat auszuhandeln.

Die Schweizer Friedensinitiative für Bergkarabach wird – sollte sie die notwendige internationale Unterstützung erhalten – den Friedensprozess zwischen Armenien und Aserbaidschan verbessern und stärken. Die erfolgreiche Rückkehr der Karabach-Armenier in ihre Heimat in Frieden, Sicherheit und Freiheit wird sowohl für Armenien als auch für Aserbaidschan einen dauerhaften Anreiz schaffen, den Frieden zu wahren.

Schließen Sie sich diesem Aufruf an!

Am 19. September gedenkt CSI der Tausenden Opfer der bewaffneten Aggression Aserbaidschans. Wir bekräftigen erneut unsere Solidarität mit den Vertriebenen aus Arzach/Bergkarabach und fordern ihr Recht auf Rückkehr in ihre Heimat, die Freilassung der in Aserbaidschan gefangengehaltenen Armenier und den Schutz des unschätzbar wertvollen christlichen Erbes von Bergkarabach.

CSI ruft Christen und Menschen guten Willens auf der ganzen Welt dazu auf, sich uns anzuschließen.