„Frieden auf dem Fundament der Gerechtigkeit“

Armenien ist tief gespalten: Pfarrer Peter Fuchs von CSI-Deutschland wirft dem Staat massive Eingriffe in die Armenisch-Apostolische Kirche vor. Nach seiner Rückkehr aus Eriwan stellt er gegenüber der Tagespost die Lage dar.

Der Geschäftsführer von „Christian Solidarity International“ (CSI) in Deutschland, Pfarrer Peter Fuchs, sieht Armenien in einer tiefen politischen und gesellschaftlichen Krise. Nach seiner jüngsten Reise in das Land schildert er im Interview mit der „Tagespost“ eine stark polarisierte Gesellschaft im Vorfeld der anstehenden Wahlen. Die Spaltung entzünde sich vor allem an Premierminister Nikol Paschinjan. Hass und Zerrissenheit prägten das gesellschaftliche Klima.

Im Zentrum seiner Reise stand die Lage der Kirche sowie das Schicksal der rund 150.000 Armenier, die 2023 aus Berg-Karabach (Arzach) vertrieben wurden. „Die Menschen in Armenien wollen einen Frieden auf dem Fundament der Gerechtigkeit“, so Fuchs. Solange die Vertriebenen nicht in ihre Heimat zurückkehren könnten und weiterhin armenische Gefangene in Baku festgehalten würden, könne von einem gerechten Frieden keine Rede sein.

Die Kirche als Anwalt der Vertriebenen

Militärisch sei Armenien Aserbaidschan unterlegen. Der Angriff auf Arzach im September 2023 habe zudem gezeigt, dass die russischen „Friedenstruppen“ keinen wirksamen Schutz geboten hätten. Vor diesem Hintergrund versuche Paschinjan, durch Kompromisse einen weiteren Krieg zu vermeiden. Auf scharfen Widerstand stoße er dabei in der Armenisch-Apostolischen Kirche, insbesondere beim Erzbischof von Tawusch, Bagrat Galstanjan, der zeitweise Massenproteste gegen die Regierung angeführt habe.

Die Kirche verstehe sich als Hüterin der nationalen Identität. Sie sehe in den Zugeständnissen an Aserbaidschan einen Verzicht auf „armenisches Kernland“. Bei einem Treffen mit Katholikos Karekin II. habe er festgestellt, dass dieser unter großem Druck stehe. Zehn Bischöfe seien von Paschinjan in eine „Reformgruppe“ eingebunden worden, mit dem Ziel, den Katholikos durch einen regierungsnahen Geistlichen zu ersetzen.

Gezielte Eskalation von Regierungsseite

„Derzeit eskaliert die Lage, weil seitens der Regierung Paschinjan gezielt eskaliert wird“, so Fuchs gegenüber der Tagespost. Von der EU sei wenig zu erwarten; sie habe sich zu den politisch Inhaftierten in Baku bislang nicht geäußert. Auch Emmanuel Macron unterstütze den Kurs Paschinjans. Nötig seien eine unabhängige Justiz, gesellschaftlicher Dialog und eine Reduzierung des aserbaidschanischen Einflusses.

Christen weltweit ruft Fuchs zur Solidarität mit der Armenisch-Apostolischen Kirche auf. Angesichts historischer Erfahrungen mit staatlicher Bevormundung von Kirchen hätten insbesondere deutsche Katholiken die Aufgabe, öffentlich Partei für Religionsfreiheit und die bedrängte Kirche in Armenien zu ergreifen.