Gefährliche Weihnachten: Christen in Nigeria werden wegen ihres Glaubens angegriffen

Nigeria ist für Christen weltweit der gefährlichste Ort. Wer die tödlichen Angriffe vor allem als Ressourcenkonflikt statt als islamistisch motiviert deutet, verdrängt einen entscheidenden Faktor der Gewalt. CSI nennt 7 Gründe, die eine Christenverfolgung belegen.

Seit US-Präsident Donald Trump am 1. November über „die Tötung von Christen“ schrieb, richtet sich die weltweite Medienaufmerksamkeit verstärkt auf Nigeria. Verfechter der Religionsfreiheit kennen das Land als den weltweit gefährlichsten Ort für Christen. Kritiker hingegen behaupten, die Gewalt habe nichts mit Religion zu tun. Diese Zurückweisung behindert jedoch sinnvolle Fortschritte zur Beendigung der häufigen Massaker und Entführungen, die Nigeria heimsuchen.

In der Woche nach Trumps Äußerungen stufte das US-Außenministerium Nigeria als „Country of Particular Concern“ (CPC) ein. Nigeria stand bereits 2020 auf dieser Liste, die Regierung von Präsident Joe Biden hatte das Land jedoch wieder davon gestrichen. Die Einstufung weist auf „besonders schwere Verletzungen der Religionsfreiheit“ im Land hin.

Zahlreiche Medien reagierten mit Beiträgen, die einwenden, dass die Gewalt in Nigeria nicht religiös motiviert sei. Sie argumentieren, dass dieselben Gruppen, die Christen töten, auch häufig Muslime angreifen und dass im Großteil des Landes allgemein Unsicherheit herrsche. Viele der Massaker seien lediglich Teil eines Konflikts zwischen Bauern und Viehhirten um Ressourcen, nicht um Religion.

Tatsächlich sind viele nigerianische Muslime Opfer der Gewalt dschihadistischer Gruppen wie Boko Haram und von Fulani-Milizen. Dass Muslime unter derselben Gewalt leiden, die christliche Dörfer verwüstet, ändert aber nichts an der zusätzlichen Bedrohung, der Christen aufgrund ihres Glaubens ausgesetzt sind.

CSI hat im Jahr 2020 eine Völkermordwarnung für Christen in Nigeria ausgesprochen. Unsere Position lautet: Obwohl Nigerianer aller Religionszugehörigkeiten unter Unsicherheit leiden, werden ausschließlich Christen und andere Nicht-Muslime systematisch aufgrund ihrer religiösen Identität von Gruppen wie Boko Haram, dem „Islamischen Staat Westafrika“ (ISWAP), Ansaru und den im Middle Belt aktiven Fulani-Milizen angegriffen.

Diese Unterscheidung ist keineswegs nebensächlich: In besonders betroffenen Bundesstaaten wie Kaduna ist die Wahrscheinlichkeit für Christen, getötet zu werden, etwa 8,7-mal höher als für Muslime.

Die Einordnung der tödlichen Angriffe als bloßer Ressourcenkonflikt statt als religiös motivierte Gewalt blendet einen zentralen Treiber aus und gefährdet Fortschritte bei der Beendigung des Leids.

Sieben Merkmale der gezielten Christenverfolgung

1. Antichristliche Ideologie der Täter
Boko Haram erklärte bereits 2010 ausdrücklich einen „heiligen Krieg“ gegen Christen. Lokale militante Fulani-Gruppen im Middle Belt verfügen zwar über keine einheitliche Organisation oder Führung, teilen jedoch dieselbe muslimisch-suprematistische Weltanschauung und wenden ähnliche Taktiken wie Boko Haram an. Islamistische Fulani-Extremisten zielen darauf ab, den Middle Belt zu erobern, indem sie die Christen – von ihnen als „Kuffar“ (Ungläubige) betrachtet – vertreiben. Diese Gruppen berufen sich auf Usman dan Fodio, einen Fulani-Religionsführer, der 1804 das Sokoto-Kalifat gründete und vergeblich versuchte, den Middle Belt zu unterwerfen.

2. Gezielte Veränderung der Bevölkerungsstruktur
Der Middle Belt Nigerias, eine große und fruchtbare Region im Zentrum des Landes, ist Heimat hunderter Volksgruppen, von denen die meisten christlich sind. Seit Mitte der 2010er-Jahre greifen Fulani-Milizen systematisch Dörfer dieser Gruppen an. Hunderttausende Christen wurden vertrieben, und Fulani-Siedler haben Hunderte christlicher Dörfer besetzt, die häufig offiziell mit islamischen oder Fulani-Namen umbenannt werden. Ziel dieser Angriffe ist eindeutig die Veränderung der Bevölkerungsstruktur des Middle Belt durch die Vertreibung der christlichen Bevölkerung.

3. Zentrale Angriffsziele: Kirchen, Geistliche und christliche Schulen
Geistliche werden häufig in ihren eigenen Häusern ermordet. Im Nordosten werden christliche Führungspersonen und ihre Familien gezielt entführt. Kirchen werden während Gottesdiensten angegriffen. Im November wurden über 300 Kinder aus einer katholischen Schule entführt – die größte einzelne Entführung seit der Verschleppung von 276 überwiegend christlichen Schülerinnen aus Chibok im Jahr 2014, von denen viele bis heute vermisst werden.

4. Häufige Angriffe an christlichen Feiertagen
Über mehrere Jahre hinweg ist ein klares Muster erkennbar: Größere Angriffe von Fulani-Milizen finden häufig an christlichen Feiertagen statt. Je näher Weihnachten rückt, desto größer ist unter Christen in Nigeria die Sorge vor neuer Gewalt.

5. Asymmetrie bei Ressourcen und Bewaffnung
Fulani-Angreifer kommen häufig mit Motorrädern und AK-47-Gewehren – Waffen, über die christliche Gemeinden im Middle Belt nicht verfügen und für die ihnen selbst die finanziellen Mittel fehlen. Die wenigen Waffen, die sie besitzen, werden ihnen zudem häufig von nigerianischen Sicherheitskräften abgenommen. Es handelt sich nicht um einen gleichwertigen Konflikt, sondern um wiederkehrende Massaker.

6. Straflosigkeit der Täter
Trotz weitverbreiteter Massenmorde im Middle Belt und einer örtlichen militärischen „Friedensmission“ greifen die nigerianischen Sicherheitskräfte nur selten ein. Noch am 12. Dezember griff eine Fulani-Miliz ein christliches Dorf im Bundesstaat Plateau an und tötete vier Kinder – nur einen Kilometer von einem Militärkontrollpunkt entfernt. Beobachter gehen davon aus, dass Fulani-Milizen zumindest geduldet, wenn nicht sogar aktiv unterstützt werden – von Teilen des überwiegend muslimisch-fulanischen Sicherheitsapparats Nigerias.

Familien von Entführten, die sich an Polizei oder Gerichte wenden, erhalten oft keine Hilfe und werden stattdessen bestraft. Die islamistische Gewalt hat seit den Wahlen von 2023 zugenommen, die die muslimische Dominanz in der Regierung festigten. Präsident Bola Tinubu brach mit einer ungeschriebenen Regel, indem er einen Glaubensbruder zum Vizepräsidenten ernannte, anstatt – wie üblich – einen Christen zu wählen, um ein religiöses Gleichgewicht zu wahren.

7. Institutionalisierte Diskriminierung von Christen
Zwölf Bundesstaaten Nordnigerias haben die islamische Scharia im Zivil- und Strafrecht eingeführt – darunter auch Staaten mit großen christlichen Bevölkerungsanteilen oder sogar Mehrheiten wie Plateau und Kaduna. Christen sind dort häufig Diskriminierung oder Gewalt durch die offizielle Religionspolizei ausgesetzt und können kaum Land für Kirchen erwerben oder ein normales Geschäftsleben führen.

Zunehmend werden in diesen Bundesstaaten Menschen – Muslime, Christen und Freidenker – wegen angeblicher „Blasphemie“ gegen den Islam verhaftet. Die Botschaft ist eindeutig: Der Islam ist die Religion des Staates, Christen sind bestenfalls geduldete Außenseiter. Diese offizielle Diskriminierung kann zu mobartiger Gewalt gegen Christen beitragen, wie im Fall von Deborah Yakubu. Sie wurde 2022 in Sokoto öffentlich gelyncht, nachdem ihr Blasphemie vorgeworfen worden war – bis heute wurde keiner ihrer Mörder zur Rechenschaft gezogen.

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