Menschenhandel: Gangis Weg von der Sklaverei zur Näherin

Gangi ist erst 14 Jahre alt, als sie Opfer von Menschenhändlern wird. Als Haushalthilfe ohne Rechte wird sie ausgebeutet. Im Nähzentrum des CSI-Partners erwirbt sie eine Ausbildung und schöpft wieder Selbstvertrauen. Heute steht sie auf eigenen Beinen.

Gangi lebt in einem ländlichen Dorf im zentralöstlichen Indien. Im Jahr 2023 geht sie auf eine Hochzeitsfeier, ohne ihre Eltern darüber zu informieren. Die Rüge, die sie dafür von ihren Eltern erhält, trifft Gangi schwer. Sie ist damals erst 14 Jahre alt. Am nächsten Tag spricht sie eine Frau aus dem Nachbardorf an: Gangi werde daheim nicht wertgeschätzt, daher solle sie mit ihr kommen, um außerhalb des Dorfes Arbeit zu finden.

Das Mädchen stimmt zu – und verschwindet.

Menschenhändler verschleppen sie nach Delhi. Eine Familie „kauft“ Gangi als Haushaltshilfe. Sie muss weit über die üblichen Arbeitszeiten hinaus arbeiten, erhält keinen Lohn und wird von der Außenwelt isoliert. Gangi wird zu einem Menschen zweiter Klasse degradiert.

Nach sechs Monaten aus der Ausbeutung befreit

Gangis Mutter kontaktiert einen CSI-Partner, der einen hochrangigen Polizeibeamten verständigt. Nach sechs Monaten findet die Polizei Gangi und befreit sie aus den sklavenähnlichen Zuständen. Als ein CSI-Mitarbeiter das Mädchen 2024 zum ersten Mal trifft, ist sie von den Erlebnissen sichtlich traumatisiert: Sie ist scheu, spricht nicht und wirkt stark verängstigt.

Nach ihrer Rettung und der Wiedervereinigung mit ihrer Familie bietet ein Mitglied des CSI-Partnerteams seine kontinuierliche Unterstützung an und sucht regelmäßig Kontakt zu ihr. Er meldet Gangi in einem Näh- und Schneiderzentrum an. Dort erwirbt sie in einer positiven Umgebung praktische Fähigkeiten, um ihren Lebensunterhalt selbst zu verdienen und nicht wieder Opfer des Menschenhandels zu werden.

Durch kontinuierliche Betreuung, Beratung und Kompetenzförderung schöpft Gangi neue Hoffnung. Sie erhält die Chance auf eine sicherere und unabhängigere Zukunft.

Neue Hoffnung durch Betreuung und Ausbildung

Als ein CSI-Mitarbeiter sie 2025 wieder trifft, ist Gangi wie ausgewechselt. Sie hat Selbstvertrauen gewonnen und beginnt ihr letztes Schuljahr. Heute, im Jahr 2026, steht die 17-Jährige kurz vor dem Abschluss ihrer Ausbildung als Näherin.

Gangis Fall ist nur einer von vielen im CSI-Programm gegen Menschenhandel in Indien. Zwischen Januar und Juli 2026 wurden 28 Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene gerettet: 11 Jungen im Alter zwischen 12 und 16 Jahren sowie 17 Mädchen im Alter zwischen 11 und 22 Jahren.

CSI unterhält darüber hinaus ein eigenes Reha-Zentrum, in dem sich derzeit 25 Mädchen befinden. Außerdem trägt CSI die Kosten für die Unterbringung von 21 weiteren Mädchen in zwei anderen Zentren. Dort werden Kinder und Jugendliche untergebracht, die aus verschiedenen Gründen nicht zu ihrer Familie zurückkehren können – etwa, weil die Familien selbst im Menschenhandel tätig waren.