Militante Fulani haben Berichten zufolge allein im Juli mindestens 250 Menschen in Nigeria getötet, die meisten davon Christen. Zuvor hatte US-Präsident Donald Trump erklärt, das groß angelegte Massaker an Christen sei vorbei. CSI startet ein Projekt, um über die Christenverfolgung in Nigeria international aufzuklären.
Foto: The White House, CC BY 3.0 US
Die Gewalt gegen Christen in Nigeria geht unvermindert weiter. Mindestens 250 Menschen – überwiegend Christen – wurden allein im Juli in den Bundesstaaten Benue, Plateau und Southern Kaduna getötet. Das berichtet der unabhängige nigerianische Reporter Masara Kim.
Laut der International Society for Civil Liberties and Rule of Law wurden zwischen Januar und Juni 2026 landesweit schätzungsweise 2.550 Christen getötet und weitere 2.800 entführt. Im selben Zeitraum wurden 1.050 Muslime getötet und 1.150 entführt. Dem Bericht zufolge wurden zudem etwa 300 Kirchen zerstört oder aufgegeben, 10 christliche Geistliche getötet, weitere 10 entführt, und rund 800 christliche Frauen und Kinder wurden während ihrer Gefangenschaft zwangsweise zum Islam konvertiert.
Trump: „Abschlachtung“ der Christen in Nigeria größtenteils beendet
Am 3. Juli haben die USA den Großteil ihrer Streitkräfte abgezogen, US-Präsident Donald Trump erklärte, dass man die „Abschlachtung“ der Christen in Nigeria größtenteils beendet habe. Bereits im Juni haben die Vereinigten Staaten ihre 200 Soldaten im Nordosten Nigerias abkommandiert – trotz anhaltender Angriffe auf militärische Einrichtungen, Gemeinden und Zivilisten. General Dagvin Anderson vom US-Afrikakommando betonte, dass die USA weiterhin ihre nachrichtendienstliche Zusammenarbeit mit Nigeria fortsetzen würden.
Im November hatten viele christliche Nigerianer die Intervention der USA noch begrüßt. Denn trotz Beteuerungen der Zentralregierung setzten sich die Massaker in den vergangenen Jahren fort. Trump lobte Präsident Tinubu am 6. Juli für dessen „entschlossene Führung“ und dessen Bemühungen, „die Gewalt gegen christliche Gemeinden“ anzugehen. Die Statistiken zeigen jedoch, dass es keine Wende bei der Christenverfolgung gegeben hat. Vielmehr versuchen die USA offenbar, die eigene Erfolglosigkeit als Erfolg zu verkaufen, um sich aus dem Konflikt zurückziehen zu können.
„Wenn wir uns nicht alle organisieren, werden sie uns die nächsten 200 Jahre quälen“
Joseph Hayab, Vorsitzender der Christian Association of Nigeria (CAN), kritisierte den US-Präsidenten deswegen scharf. „Die richtigen Leute, die beurteilen sollten, ob Trump Erfolg hatte, sollten nigerianische Christen oder nordnigerianische Christen sein, nicht Trump selbst“, sagte Hayab. „Wenn wir uns nicht alle organisieren, um diejenigen zu verfolgen, die uns gejagt haben, werden sie uns die nächsten 200 Jahre quälen.“
Christian Solidarity International (CSI) hat in der Vergangenheit mehrfach darauf hingewiesen, dass viele Informationen zur Verfolgung der nigerianischen Christenheit unzureichend, unzuverlässig oder schwer zu verifizieren sind. Das macht es besonders schwierig, Projekte zu planen und durchzuführen. Erschwerend kommt der offensichtliche Unwillen der Regierung hinzu, gegen die massive christenfeindliche Gewalt vorzugehen.
CSI startet Projekt zur Aufklärung der Christenverfolgung
Wir starten in Nigeria deswegen ein mehrmonatiges Projekt in Zusammenarbeit mit zwölf christlichen Journalisten vor Ort. Neben der Dokumentation von Attacken und Überfällen steht die Motivation der islamistischen Fulani-Milizen im Vordergrund. Wenn es eine Komplizenschaft zwischen Milizen und Behörden gibt, dann soll diese aufgedeckt werden. Die Journalisten sollen belegen, dass die Gewalt gegen Christen kein bloßer „Nebeneffekt“ eines angeblichen sozialen Konflikts zwischen Hirten und Bauern ist, sondern eine systematische Christenverfolgung stattfindet. Bei den Medienpartnern handelt es sich um bereits etablierte Journalisten in der nigerianischen Presse.
Zusätzlich hat CSI vor wenigen Wochen mit einer Aktion begonnen, um christliche Witwen zu unterstützen – sie gehören nach den Angriffen von Fulani-Islamisten zu den schutzbedürftigsten Opfern.


