38 christliche Geiseln sind frei – doch die Gewalt im nigerianischen Middle Belt hält unvermindert an. Islamistische Fulani-Milizen überfallen Dörfer, Hunderte Menschen werden verschleppt. CSI-Präsident John Eibner warnt vor einem „schleichenden Völkermord“ an den Christen Nigerias und fordert entschlossenes internationales Handeln.
Große Erleichterung herrscht in Nigeria: Nach schwierigen Verhandlungen kamen 38 Christen frei, die am 18. November von islamistischen Milizen entführt worden waren. Die Täter hatten zuvor die evangelikale Christ Apostolic Church in Eruku (Bundesstaat Kwara) überfallen; ein Livestream der Gottesdienstfeier dokumentierte den Angriff, bei dem mehrere Bewaffnete mit AK-47-Gewehren die Kirche stürmten.
Kirchensekretär Michael Agbabiaka berichtete der Zeitung Punch, die Entführer hätten zunächst 100 Millionen Naira pro Person verlangt – über 68.000 US-Dollar. Laut Regierung wurden die Geiseln schließlich ohne Lösegeldzahlung freigelassen und kehrten am 23. November nach Hause zurück.
Schulentführungen als grausame Routine
Doch die Entführungswelle hält an. Bereits am 24. November wurden in der nahegelegenen Stadt Isapa 17 weitere Personen verschleppt. Am 17. November entführten Milizen 24 Schülerinnen aus einem Schlafsaal in Maga (Bundesstaat Kebbi). Am selben Tag wurde der katholische Priester Bobbo Paschal entführt.
Einen vorläufigen Höhepunkt erreichten die Übergriffe am 21. November: Aus der St. Mary’s Catholic School in Papiri (Bundesstaat Niger) verschleppten Bewaffnete 315 Kinder und Lehrkräfte. Es ist die schlimmste Massenentführung seit 2014, als 276 meist christliche Schülerinnen in Chibok entführt wurden. Rund 50 Kinder konnten entkommen, viele bleiben jedoch vermisst.
Der Middle Belt trennt Nord- und Südnigeria nicht nur geografisch, sondern auch kulturell und religiös. Die vorwiegend christliche Region wird immer wieder Ziel von Angriffen der Fulani-Milizen. Der Konflikt ist komplex – doch die religiöse Dimension wird häufig ausgeblendet.
Die religiöse Komponente wird ausgeklammert
Die Gewalt in Zentralnigeria ist mehr als ein Streit zwischen Nomaden und Bauern. Die Fulani-Milizen sind eine der treibenden Kräfte der religiösen Verfolgung. Wie Boko Haram berufen sie sich ideologisch auf den Dschihad des Fulani-Stammesgenossen Usman dan Fodio (1754–1817), Gründer des einst mächtigen Kalifats von Sokoto.
Die Übergriffe der Fulani auf Dörfer, die Zerstörungen von Ernten und Entführungen richten sich tendenziell gegen christliche und traditionelle Dorfbewohner, um sie von ihrem Land zu vertreiben. Sie stellen sich damit in die Tradition des Dschihad von dan Fodio, um ihr Vorgehen zu legitimieren.
Nigerias Präsident Bola Tinubu hat angesichts der zunehmenden Gewalt einen landesweiten Sicherheitsnotstand ausgerufen und die Rekrutierung tausender zusätzlicher Soldaten und Polizisten angeordnet.
„Ich möchte unsere Sicherheitskräfte dafür loben, dass sie gemeinsam die 24 Schulmädchen in Kebbi und die 38 Gottesdienstteilnehmer in Kwara freibekommen haben. Wir werden unsere Bemühungen fortsetzen, die übrigen Schüler der katholischen Schule im Bundesstaat Niger und alle anderen entführten Nigerianer zu retten.“
CSI-Chef: Schleichenden Völkermord aufhalten
Bereits am 13. November rief CSI-Präsident John Eibner die Verbündeten der USA dazu auf, „endlich aufzuhören, die Realität der Massaker an Christen in Nigeria zu leugnen“.
„Die USA – und die internationale Gemeinschaft – sollten darauf bestehen, dass die nigerianische Regierung mögliche Verbindungen zwischen ihrem Sicherheitsapparat und den Fulani-Milizen untersucht, die einen schleichenden Völkermord an Christen verüben, und die Verantwortlichen zur Rechenschaft zieht.“
„Präsident Trump sollte das Außenministerium anweisen, mit den nigerianischen Behörden – sowohl auf Bundes- als auch auf Staatsebene – sowie mit lokalen Gemeinden zusammenzuarbeiten, um Sicherheit zu gewährleisten. Wie in vielen anderen Teilen der Welt können die USA und ihre Verbündeten direkten Schutz leisten, den diese Gemeinden benötigen, um sich zu verteidigen.“
Am 31. Oktober hatte US-Präsident Donald Trump von einer „existenziellen Bedrohung“ des Christentums in Nigeria gesprochen. „Tausende Christen werden getötet. Radikale Islamisten sind für dieses Massaker verantwortlich“, erklärte Trump. Für den Fall, dass die Regierung die Gewalt nicht stoppe, drohte der US-Präsident mit der Einstellung von Hilfen und militärischen Maßnahmen. Seitdem ist Nigeria im Fokus der Öffentlichkeit.
CSI-Weihnachtsaktion 2025


