Nigeria: Mehr als 70 Christen zwischen Palmsonntag und Ostern getötet

Ostern unter Beschuss: In Nigeria ermordeten islamistische Milizen und Boko-Haram-Kämpfer Dutzende Christen. Viele Täter sind noch immer auf freiem Fuß, weil der Staat nicht reagiert.

Bei einem Anschlag am Palmsonntag wurden 40 Christen in Angwan Rukuba (Bundesstaat Plateau) gezielt getötet. Bis Ostern kamen bei weiteren Angriffen auf Osterfeiern in Nordnigeria mehr als 36 weitere Christen ums Leben.

In Mbalom (Bundesstaat Benue) wurden rund 17 Menschen getötet, mehrere weitere werden noch vermisst. Die Gemeinde liegt in der Middle-Belt-Region. Sie ist mittlerweile berüchtigt für die Angriffe von muslimischen Fulani-Milizen. Gouverneur Hyacinth Alia verurteilte den Vorfall als „gezielten und selektiven Angriff“ – „ein barbarischer Akt und ein direkter Anschlag auf den Frieden und die Sicherheit des Bundesstaates“.

Benue State: Gewalt am Karsamstag

Der Angriff ereignete sich am Karsamstag, dem 4. April. Timothy Adi, Bezirksvorsitzender von Gwer West, berichtete gegenüber The PUNCH: „Bisher haben wir neun Leichen geborgen – zwei am Samstag, sieben am Ostersonntag.“ Augenzeugen zufolge steckten mutmaßliche islamistische Fulani-Milizen Häuser in Brand und trieben die Bevölkerung in die Flucht. Die Suche nach Vermissten dauert an.

Ein Bewohner erklärte gegenüber The Guardian, die Gemeinde habe bereits vier Tage vor dem Überfall Warnhinweise erhalten und die Behörden informiert. Die Angreifer seien am Karsamstag zunächst zurückgeschlagen worden – von der örtlichen Jugend. In der Nacht kehrten sie zurück.

Mbalom war bereits früher Ziel solcher Gewalt. Im April 2018 wurden bei einem Angriff auf eine katholische Kirche 15 Menschen während der Morgenmesse getötet, darunter die Priester Joseph Gor und Felix Tyolaha.

Auch die Nachbargemeinden Mbatsada und Agana im selben Bezirk wurden über Ostern angegriffen. Zehn Menschen starben. Viele wurden verletzt, Hunderte vertrieben. Die Dörfer sind überwiegend christlich.

Kaduna State: Anschläge auf zwei Kirchen

Im Bundesstaat Kaduna griffen mutmaßliche islamistische Fulani-Milizen in Ariko, Bezirk Kachia, während der Osterfeiern zwei Kirchen an. Sieben Menschen wurden getötet, mehr als 32 entführt. Betroffen waren die ECWA-Kirche sowie die Katholische Kirche St. Augustinus.

Gemeinderat Mark Bawa schilderte den Ablauf: „Die Angreifer kamen in großer Zahl. Sie umzingelten das Gebiet und schossen wahllos auf Gottesdienstbesucher. Mehrere wurden getötet, viele andere in den Busch verschleppt.“

Die nigerianische Armee erklärte daraufhin, ihre Truppen hätten 31 Geiseln befreit. Man habe fünf Todesopfer am Tatort geborgen.

Dieser Darstellung widersprach die Kuturmi Unity Development Association entschieden. In einem Schreiben, das CSI vorliegt, heißt es: „Entgegen den kursierenden Berichten befinden sich alle Entführten nach wie vor in der Gewalt der Täter.“ Die Familien stünden weiterhin in Kontakt mit den Entführern, die die Ankunft der Opfer in ihrem Lager bestätigt hätten. „Dies widerlegt jegliche Behauptung einer erfolgreichen Rettungsaktion.“

Borno State: Angriffe rund um Chibok

In der Karwoche wurden bei einem nächtlichen Überfall auf Kautikari (Bundesstaat Borno) zwölf Christen getötet. Die Angreifer kamen laut TruthNigeria „in Hundertschaften“ und überwältigten die örtlichen Verteidiger nach mehr als zwei Stunden Gegenwehr.

Unter den Toten war Yohanna Peter. Seine Hochzeit war für den Tag nach dem Angriff geplant. Dr. Pogu Bitrus, Präsident des Middle Belt Forum, erklärte: „Er stand mit unseren Männern, um das Dorf zu verteidigen – und sie töteten ihn zusammen mit den anderen.“ Der Angriff vertiefe den Frust und die Trauer in der christlichen Gemeinschaft, so Bitrus. Er zeigte sich fassungslos über die fehlende öffentliche Aufmerksamkeit für das Leid der Christen. „Sind wir ein vergessenes Volk?“

Am 4. April 2026 zerstörten Unbekannte in Awapul, ebenfalls im Bezirk Chibok, eine Kirche sowie zahlreiche Wohnhäuser. Todesopfer gab es nicht, so berichtet ein CSI-Partner. Doch Hunderte Menschen wurden vertrieben. Viele flohen in umliegende Dörfer. Ein Bewohner sagte: „Wir bitten nicht um Essen oder Kleidung. Was wir brauchen, ist Schutz.“

Die Borno State Police bestätigte den Angriff. Ein Sprecher erklärte, der Überfall habe sich gegen 1:30 Uhr nachts ereignet – ausgeführt von unbekannten Männern, bei denen es sich mutmaßlich um Boko-Haram-Kämpfer handele.

Bischof Kukah warnt vor dem Zerfall des Staates

Der Katholische Bischof der Diözese Sokoto, Matthew Kukah, schlug in seiner Osterbotschaft 2026 Alarm. Nigeria treibe in eine „endlose Unruhe“, die er als „von den einheimischen Eliten selbst erzeugt“ bezeichnete. „Nach mehr als 20 Jahren und weit über 20.000 Toten streift der finstere Schnitter noch immer frei durch das Land.“ Nigeria sei zu dem geworden, was der verstorbene Papst Franziskus ein „Feldlazarett“ nannte. Denn ohne Vertrauen, Sicherheit und verantwortungsvolle Regierungsführung werde sich die Krise weiter verschärfen, warnte Kukah.

Lesen Sie im Interview mit CSI-Projektpartner Hassan John mehr über die Christenverfolgung in Nigeria.

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