Der Terror gegen Christen in Nigeria hört nicht auf: Muslimische Fulani-Milizen haben dutzende Christen in den vergangenen Tagen getötet. Unter den Opfern sind auch vier Kinder. Seit einem Jahrzehnt terrorisieren solche Überfälle den Middle Belt: zehntausende Christen sind tot, Millionen wurden vertrieben.
Mindestens 40 Christen wurden innerhalb einer Woche in Nigeria getötet. Die Angriffe werden den muslimischen Fulani-Milizen zugeschrieben. Der Terror konzentrierte sich auf den Middle Belt Nigerias, einer Region zwischen dem muslimisch geprägten Norden und dem christlich geprägten Süden des Landes.
Am schlimmsten traf es das Dorf Kawel (Bundesstaat Plateau). Am Morgen des 22. Juni wurden dort 22 Christen getötet. Die Opfer wurden aus nächster Nähe erschossen. Obduktionen erfolgten keine, stattdessen zwangen die Behörden die Einwohner zu einem Massenbegräbnis.
Ungwan Magaji: Neun Tote, elf Verletzte
Ein weiteres Massaker geht auf Fulani-Milizen in Ungwan Magaji (Bundesstaat Kaduna) zurück. Sie überfielen die Gemeinde am 15. Juni in der Nacht, töteten neun Menschen und verletzten elf weitere. Das meldete die Kommission für Gerechtigkeit, Entwicklung und Frieden der Katholischen Diözese Kafanchan. Dabei kamen vier Kinder ums Leben. Weitere vier Kinder wurden verletzt.
Der katholische Bischof von Kafanchan, Julius Yakubu Kundi, verurteilte den Angriff. Die Regierung müsse ihre Bemühungen verstärken, die Sicherheit im Land zu verbessern. Er rief alle Bürgerinnen und Bürger dazu auf, wachsam zu bleiben.
Tötungen im Bundesstaat Plateau
Am 16. Juni überfielen Fulani-Milizen einen Minenbetrieb im Dorf Gero und töteten fünf Menschen. Dies teilte die Berom Youth Moulders Association (BYM) mit.
Am selben Tag griffen Fulani-Milizen den Distriktvorsteher von Gwande, Saf Samuel Alaket, an. Alaket war auf dem Heimweg von einem Markt in Daffo, nachdem er an einer Sitzung des traditionellen Rates in Bokkos teilgenommen hatte, als Bewaffnete sein Fahrzeug abfingen. Alaket wurde lebensgefährlich verletzt und starb kurz darauf in einer nahegelegenen Klinik. Der Distriktvorsteher hatte sich bis zu seiner Ermordung für den Frieden in der Region eingesetzt.
Am 17. Juni erschossen Fulani-Milizen zwei christliche Dorfwächter in Rantya-Gyel. Alle Angriffe fanden im Bundesstaat Plateau statt. Bereits am 10. Juni hatten Fulani-Milizen drei christliche Männer getötet, die als Dorfwächter tätig waren. Solche Dorfwächter sind im gesamten Bundesstaat üblich.
Angeblicher sozialer Konflikt erklärt religiöse Verfolgung nicht
Die Fulani sind ein großes westafrikanisches Volk mit sesshaften als auch nomadischen Gemeinschaften. In Nigeria sind viele nomadische Fulani muslimische Rinderhirten, deren saisonale Wanderrouten durch Dürre, Wüstenausbreitung, Bevölkerungswachstum und den Verlust traditioneller Weidewege in den Süden gedrängt wurden.
Die örtlichen Christen bestreiten jedoch, dass diese Probleme allein die Angriffe auf Kirchen, Geistliche, christliche Dörfer und Bauerngemeinschaften erklären. Die Überfälle haben in den vergangenen zehn Jahren Hunderte von Dörfern zerstört und zur Vertreibung von Millionen Menschen in ganz Nigeria beigetragen.
Fulani-Milizionäre sind eine von vier großen bewaffneten Gruppen – neben Boko Haram, der Islamischen Staat Westafrika-Provinz (ISWAP) und Lakurawa –, die in den vergangenen Jahren Christen in Nigeria ins Visier genommen haben. Die Fulani-Milizionäre stellen – laut Angaben christlicher Vertreter – heute die größte Bedrohung für christliche Gemeinschaften im Middle Belt dar.
„Wir werden euch vernichten und dieses Land übernehmen“
Die Miyetti Allah Cattle Breeders Association (MACBA) of Nigeria, ein Interessenverband der Fulani-Viehzüchter, dem einflussreiche nördliche Stammesherrscher und ehemalige Militärgeneräle als Kuratoriumsmitglieder angehören, setzt sich seit Langem für Weidereservate und den Zugang der Hirten zu Land ein.
Einer Resolution des US-Kongresses von 2024 zufolge sind einige Experten der Ansicht, dass die MACBA die Wiederherstellung eines Fulani-Reiches nach dem Vorbild des islamischen Sokoto-Kalifats des 19. Jahrhunderts anstrebe. Die Resolution bezog sich auch auf die Aussage des methodistischen Prälaten Samuel Kanu-Uche, der berichtete, Fulani-Milizionäre hätten ihn nach seiner Entführung im Jahr 2022 gewarnt: „Wir werden euch vernichten und dieses Land übernehmen.“
Lesen Sie im Interview mit CSI-Projektpartner Hassan John mehr über die Christenverfolgung in Nigeria.
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