Im nigerianischen Middle Belt dauern die Angriffe auf christliche Gemeinschaften trotz der Intervention von Donald Trump an. Der US-Präsident hatte sich gegen die Ermordung und Entführung von Christen in dem Land ausgesprochen. Statt die Sicherheitsmaßnahmen zu verstärken, konzentriert sich die Regierung Nigerias darauf, ihr Image zu verbessern.
Photo credit: @ubisanius/X
Die 168 Christen, die während eines Gottesdienstes in Kurmin Wali (Kaduna) am 18. Januar entführt wurden, sollen nach Medienberichten alle wieder frei sein. Doch die große Sorge über die Verfolgung von Christen in Nigerias Middle Belt hält an. Fälle wie diese widerlegen die Behauptung der nigerianischen Regierung, dass Christen nicht unverhältnismäßig stark betroffen seien. Sie stehen auch der beharrlichen Leugnung eines Völkermordes an den nigerianischen Christen entgegen.
Kurz nach Bekanntwerden der Entführungen bestritt der Polizeichef des Bundesstaates Kaduna, dass sich der Vorfall ereignet habe, und bezeichnete die Familien der Opfer als „Konfliktunternehmer, die darauf aus sind, den relativen Frieden des Bundesstaates zu stören“.
Diese Leugnung wurde vom Vorsitzenden des Gemeinderats von Kajuru, Dauda Madaki, wiederholt. „Wir haben die Kirche besucht, in der die sogenannte Entführung angeblich stattgefunden hat. Es gab keine Anzeichen für einen Angriff. Ich habe den Dorfvorsteher Mai Dan Zaria gefragt, und er sagte, es habe keinen solchen Vorfall gegeben”, erklärte er.
Der Vorsitzende beharrte weiter darauf, dass „das Gerücht über die Entführung von Menschen verbreitet wird, die mit dem relativen Frieden, den Kajuru seit dem Amtsantritt dieser Regierung genießt, unzufrieden sind”.
Offizielle Dementis schaffen Misstrauen
Der Vorsitzende der Christian Association of Nigeria (CAN) in der nördlichen Region, Joseph Hayab, reagierte auf diese Dementis zutiefst enttäuscht. Er bezeichnete die Art und Weise, wie der Polizeichef und andere Sicherheitsbehörden die Entführung rundweg dementierten, als „völlig enttäuschend und völlig verfehlend“. Er fügte hinzu, dass „das Dementi das mangelnde Vertrauen zwischen der Bevölkerung und denjenigen, die für ihre Sicherheit sorgen, noch verstärkt hat“.
Die Sicherheitsbehörden verweigerten Journalisten den Zugang zu dem Gebiet, die den Vorfall zu prüfen versuchten.
Aussagen von Dorfbewohnern deuten darauf hin, dass dies nicht der erste Vorfall dieser Art war. Die Gemeinde leidet seit langer Zeit unter Angriffen und Entführungen. Am 11. Januar wurden 21 Menschen in demselben Dorf entführt und erst nach Zahlung eines Lösegeldes in Höhe von etwa sieben Millionen Naira (rund 4.400 Euro) freigelassen.
Schließlich räumte die Polizei ein, dass die jüngsten Entführungen tatsächlich stattgefunden hatten. Sie erklärte, dass die anfängliche Leugnung dazu dienen sollte, „unnötige Panik“ zu vermeiden, während die Ermittlungen noch liefen.
Diskrimination als Antwort
Der ehemalige Gouverneur des Bundesstaates Kaduna, Nasir El-Rufai machte seinem Nachfolger schwere Vorwürfe. Er beschuldigte den derzeitigen Gouverneur, Uba Sani, 1 Milliarde Naira (rund 630.000 Euro) an Terroristen gezahlt zu haben. Sani hat diese Behauptung strikt zurückgewiesen. Zuvor hatte El-Rufai zugegeben, dass er Banditen dafür bezahlt habe, keine Gemeinden im südlichen Kaduna anzugreifen.
Der Lokaljournalist Luka Binniyat stellte fest, dass die Zahl der Entführungen in Teilen von Birnin Gwari und anderen überwiegend muslimischen Verwaltungsbezirken des Bundesstaates deutlich zurückgegangen ist. Er führt dies darauf zurück, dass sGouverneur Sani im November 2024 terroristischen Entführern eine Amnestie gewährt hat. „Diese Tatsache lässt sich kaum bestreiten“, sagte er.
Binniyat prüfte, welche konkreten Maßnahmen in den muslimisch geprägten Gebieten ergriffen wurden, die zu einem deutlichen Rückgang der Entführungen geführt haben. Er merkte an, dass „in den christlichen Hochburgen des Bundesstaates Kaduna eine gegenläufige Entwicklung zu beobachten“ sei. Ihm zufolge haben die täglichen Entführungen und vereinzelten Morde nicht nur angehalten, sondern sogar zugenommen. Durchweg hätten die Opfer die terroristische Banditen der muslimischen Fulani als Täter identifiziert.
Lokalen Berichten zufolge fordern die Entführer 28,9 Millionen Naira (rund 18.000 Euro). Dabei handelt es sich nicht um Lösegeld für die Gefangenen, sondern um eine Entschädigung für 17 Motorräder, die sie angeblich während der jüngsten Militäroperationen verloren haben. Sicherheitsquellen sagen, dass die Banditen auf den Schadensersatz bestehen, bevor Gespräche über die Freilassung der Entführten beginnen können.
Zahlungen an Lobbyisten für das richtige Narrativ
Ende 2025 schaltete sich US-Präsident Donald Trump ein, um gegen die völkermordähnlichen Angriffe und Entführungen von Christen in Nigeria vorzugehen. Nachdem Washington Nigeria offiziell als Land bezeichnet hatte, das die Religionsfreiheit in gravierender Weise verletzt (CPC), führte die US-Regierung einen Raketenangriff auf Lager militanter Dschihadisten im Bundesstaat Sokoto durch, um die Bundesregierung dazu zu bewegen, Maßnahmen einzuleiten.
Anstatt jedoch die Sicherheitsmaßnahmen zum Schutz der christlichen Gemeinschaften im Middle Belt zu verstärken und sich für die Rehabilitation der Tausenden von Christen einzusetzen, die aus ihrem angestammten Land vertrieben worden waren, gab die nigerianische Regierung Berichten zufolge bis zu 9 Millionen Dollar für US-Lobbyfirmen aus, um die Darstellung der Lage zu verändern und die Trump-Regierung davon zu überzeugen, die CPC-Einstufung zurückzunehmen.
In einem offensichtlichen Versuch, Präsident Trump zu beschwichtigen, stufte die Regierung islamistische Fulani-Milizen als „Terroristen“ ein und konzentrierte einen Großteil ihrer militärischen Reaktion auf terroristische Gruppen im Nordwesten sowie auf Boko Haram. Dennoch gehen die Morde in Zentralnigeria unvermindert weiter. Im Bundesstaat Plateau werden Dörfer weiterhin angegriffen, und die Gemeinden sind gezwungen, Massenbegräbnisse durchzuführen.
Das Engagement der US-Regierung für den Schutz der Christen in Nigeria muss mit konkreten Maßnahmen der nigerianischen Regierung einhergehen. Dazu gehören die Gewährleistung angemessener Sicherheit, die Rehabilitation und Rückkehr vertriebener Christen in ihre Dörfer sowie die Sicherstellung von Gerechtigkeit für die Opfer und Familien, die von diesen genozidalen Angriffen betroffen sind.
Christen in Nigeria sind bedroht. Bitte helfen Sie!


