Leo XIV. hat deutlich die Christenverfolgungen in der Welt verurteilt – auch in Nigeria. Medien hatten versucht, die dortigen Christenverfolgungen als „soziales Problem“ einzuordnen. Auch der Jahreswechsel brachte neuen Terror gegen Christen.
Papst Leo XIV. hat in seiner Neujahrsansprache die weltweite Christenverfolgung scharf verurteilt. Der Pontifex erkannte dabei an, dass die Religionsfreiheit überall unter Beschuss stehe. In Anlehnung an Papst Benedikt XVI. nannte er die Religionsfreiheit „das erste aller Menschenrechte“. Dieses Recht gelte auch für andere Religionsgemeinschaften. 64 Prozent der Weltbevölkerung müssten schwerwiegende Verletzungen hinnehmen, wenn sie ihre Religion frei ausüben wollten.
Das Oberhaupt der katholischen Kirche machte dabei jedoch deutlich, dass Christen besonders unter den Verfolgungen litten. Über 380 Millionen Gläubige seien betroffen. „Dieses Phänomen betrifft etwa jeden siebten Christen weltweit und hat sich 2025 aufgrund der anhaltenden Konflikte, der autoritären Regime und des religiösen Extremismus verschärft“, sagte Leo. Vielerorts werde demnach Religionsfreiheit nicht als „recht“, sondern lediglich als „Privileg“ anerkannt.
Der Papst führte aus:
„An dieser Stelle möchte ich besonders an die zahlreichen Opfer der auch religiös motivierten Gewalt in Bangladesch, in der Sahelzone und in Nigeria denken, ebenso wie an die Opfer des schweren Terroranschlags vom vergangenen Juni auf die Pfarrei St. Elias in Damaskus, ohne dabei die Opfer der dschihadistischen Gewalt in Cabo Delgado in Mosambik zu vergessen.“
Gegen die Relativierung der Gewalt
Dass Leo Nigeria unter die Länder zählt, wo Christen Opfer „auch religiös motivierter Gewalt“ werden, ist dabei auffällig. Im November 2025 hatte US-Präsident Donald Trump Militärschläge gegen Islamisten angekündigt, wenn die Regierung nicht in der Lage wäre, die Christenverfolgung einzudämmen. „In Nigeria werden derzeit so viele Christen wie nie zuvor getötet“, sagte Trump. „Sie töten die Christen, und zwar in sehr großer Zahl. Das werden wir nicht zulassen.“
Danach hatten mehrere Medien versucht, den Eindruck zu erwecken, dass Trump entweder das Ausmaß der Christenverfolgung übertreibe, dass es keine Ermordungen gebe, oder auch, dass die Vertreibung und Eliminierung christlicher Bauern im Middle Belt andere Gründe hätten. Selbst die BBC berichtete in diesem Zusammenhang von „alleged killings“ (mutmaßlichen Tötungen). Weitere Medien führten Faktoren wie den Klimawandel an.
Auch in Kirchenkreisen hatte es Vertreter gegeben, die den Konflikt als „sozial“ motiviert einordneten. Es handle sich um einen Ressourcenkonflikt zwischen Bauern und Nomaden. Nicht nur Christen, sondern auch Muslime litten unter den Überfällen von Fulani-Milizen. Christliche Menschenrechtsorganisationen zeigten sich über solche Äußerungen schockiert.
Religiös motivierte Verfolgung mit historischen Wurzeln
CSI hat deswegen im Dezember deutlich gemacht, dass solche Berichte und Einordnungen kontraproduktiv sind, um den Verfolgten zu helfen: Die Christen in Nigeria werden wegen ihres Glaubens angegriffen. Wer Ursachen und Verfolger ausblendet, der gefährdet Fortschritte bei der Beendigung des Leids. CSI hat deswegen schon im Jahr 2020 eine Völkermordwarnung für Christen in Nigeria ausgegeben.
Denn für christliche Nigerianer ist in besonders betroffenen Bundesstaaten die Wahrscheinlichkeit 8,7mal höher, ermordet zu werden, als für ihre muslimischen Landsleute. Bevorzugtes Angriffsziel sind Kirchen, christliche Bildungseinrichtungen und Geistliche. Die Täter müssen staatlicherseits häufig keine Repressionen fürchten, während Christen institutionell diskriminiert werden.
Die Besetzung von Dörfern und die Vertreibung der Einwohner ist eine Veränderung der Bevölkerungsstruktur im Sinne der islamischen Expansion. Die Fulani-Milizen berufen sich auf Usman dan Fodio, einen Fulani-Religionsführer, der 1804 das Sokoto-Kalifat gründete. Dieser historische Kontext ist im Westen häufig unbekannt.
Neue Gewalt in Nigeria
Die CSI-Position wurde in den vergangenen Wochen neuerlich von der traurigen Realität bestätigt. Tödliche Anschläge im Norden und Zentrum des Landes verbreiteten in den ländlichen christlichen Gemeinden Angst und Schrecken. Dutzende Menschen wurden getötet und Hunderte vertrieben, Kirchen wurden beschädigt und Häuser zerstört. Beim schlimmsten Angriff massakrierten Milizionäre mindestens 50 christliche und muslimische Dorfbewohner. Boko Haram überfiel christliche Dorfgemeinschaften und ermordete14 Menschen.
Pfarrer Peter Fuchs, Geschäftsführer von CSI-Deutschland, begrüßt deswegen die deutliche Stellungnahme des Papstes: „Angesichts der eskalierenden Christenverfolgungen in Nigeria kommen die Worte Leos XIV. zur rechten Zeit. Indem der Papst die Dinge beim Namen nennt, stärkt er die Arbeit von Menschenrechtsorganisationen und Hilfswerken, die sich gegen Christenverfolgungen einsetzen. Wer den Konflikt nur auf den Gegensatz von Bauern und Nomaden zuspitzt, verdrängt die Rolle der Islamisten. Immer wieder berichten CSI-Partner von fürchterlichen Entführungen und Attentaten, die vorwiegend gegen Christen gerichtet sind. Die Neujahrsansprache ist auch ein deutliches Signal an alle, die aus politischen und ideologischen Gründen die wahren Vorgänge verschleiern wollten. Mit seiner Ansprache unterstützt der Pontifex die Position, die CSI seit Jahren vertritt.“


