Schicksalstage am Fusse der Pyramiden

18. Oktober 2012

Daniel Gerber schreibt im neuen Buch über ägyptische Christen. Er berichtet von Entführung und Zwangsislamisierung. Nadine Wiederkehr hat das Buch gelesen.



Inhalt

Die Revolution in Ägypten 2011/ 2012 bewegte die ganze Welt. Man schaute gebannt darauf, wie sich die Menschen auf den Strassen versammelten und für Gleichberechtigung und Demokratie kämpften – bei uns selbstverständlich, in Ägypten mussten und müssen diese Privilegien hart erkämpft werden.

Dagegen griffen nur wenige Medien die Unterdrückung der Kopten auf. Diese christliche Gemeinschaft wurde gefoltert, misshandelt und entführt. Das Buch von Daniel Gerber behandelt speziell dieses Thema. Daniel Gerber traf Familien entführter Mädchen, deren einziges Verbrechen es war, auf ihrem Glauben zu beharren. Gerber beschreibt, wie den Familien genau dieser Glaube half, die schweren Zeiten durchzustehen. Er berichtet von Mädchen, die zwangsislamisiert und gezwungen wurden, zu heiraten und ihren Peinigern widerwillig Kinder zu schenken. Viele Mütter haben ihre Kinder nie wieder gesehen.

Kommentar

Dieses Buch zeigt traurig auf, wie weit Ägypten von Religionsfreiheit entfernt ist. Die islamische Mehrheitsreligion versucht alles, um die Minderheiten zu unterdrücken. All dies geschah in Ägypten durch die Regierung oder zumindest unter deren Augen.

Das Buch lässt sich nicht schnell lesen, ich musste mich konzentrieren und mehrere Anfänge starten. Es ist sehr sachlich, es gibt nur wenige persönliche Abschnitte. Vor allem beeindruckt es mich wieder, wie fest Leute zu ihrem Glauben stehen, wie sehr ein Volk zusammenhalten kann, wenn es ein Ziel hat. Das Ziel seiner Freiheit.

CSI-Leserin Nadine Wiederkehr

 


 

Leseprobe

Die ganze Familie sei schockiert, sagt die kleine Madline. Sie weine viel, berichtet sie mit schwarz unterlaufenen Augen. Und sie könne sich nicht gut konzentrieren.

«Ich möchte meine Schwester wiederhaben! Sie hat mit mir gespielt und war sehr lieb zu mir, ich fühle mich sehr einsam ohne sie. Jeden Tag bete ich zu Jesus Christus, dass er meine Schwester zu mir zurückbringt. Yasmin pflegte jeden Tag meine Haare, und sie machte mich zurecht. Oft spielten wir zusammen mit Karten oder Domino-Steinen. Manchmal hat sie mich auf ihren Schultern getragen, oder wir haben spielerisch gekämpft – dabei habe ich jeweils gewonnen.»

 

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