„Schweigen macht schuldig“

Arche-Sprecher Wolfgang Büscher spricht Klartext: Islamismus unter Jugendlichen ist in deutschen Brennpunktschulen längst Alltag – und die Kirchen verharmlosen die Situation. Auch Christen sollten klare Kante zeigen.

Fotos: Die Arche – Christliches Kinder und Jugendwerk

Herr Büscher, „Die Arche“ versteht sich als christliches Kinder- und Jugendwerk. Was heißt das konkret in Ihrem Alltag? Wie unterscheidet sich ein christliches Werk von anderen Initiativen dieser Art?

Wolfgang Büscher: Die Arche wurde vor rund 30 Jahren von Pastor Bernd Siggelkow und einigen Freunden gegründet. Wir sind kein Missionswerk, sondern arbeiten mit christlichen Werten. Wir wollen sozial benachteiligten Kindern helfen, sie stärken und ihnen deutlich machen, dass sie einzigartig und wertvoll sind. Das erleben diese Kinder im Alltag nur sehr selten. Sie vermissen oft die Anerkennung durch Eltern, Lehrpersonal und der Gesellschaft. Wir machen Kinder stark und selbstbewusst. Natürlich sagen wir den Kindern auch, da gibt es Jemanden, der dich liebt und der heißt Jesus. Aber in erster Linie wollen wir den Kindern helfen und ihnen nicht unseren Glauben aufzwingen. Aber die Kinder stellen natürlich Fragen und sie erhalten von uns ehrliche Antworten. Das ist uns wichtig.

Sie sind als „Arche“-Vertreter stark mit Ihrer Kritik an der Migrationspolitik der Bundesregierung aufgefallen. Insbesondere der Islamismus werde unter Kindern und Jugendlichen zum Problem. Importiert Deutschland den radikalen Islam, der viele Christen aus ihrer Heimat in die Ferne gezwungen hat?

Das kann man eindeutig mit einem Ja beantworten. Laut „Motra-Monitor“ sind 45 Prozent der der Muslime in Deutschland unter 40 Jahren latent oder manifest islamismusaffin eingestellt. Das erleben wir auch in unseren rund 40 Einrichtungen. Jugendliche und manchmal auch schon Kinder schimpfen über das Judentum, Israel, alles Westliche und natürlich auch über das Christentum. Gerade in sogenannten Brennpunktschulen, wo muslimische Kinder mit Fluchthintergrund häufig deutlich in der Mehrheit sind, mobben sie Andersgläubige, Nichtgläubige, ja sogar muslimische Kinder, die ihrer Meinung nach nicht RICHTIG glauben. Daher müssen wir, auch aus Selbstschutz, Kinder so verteilen, dass in jeder Schule, in jeder Klasse, der Anteil geflüchteter Kinder gleich groß ist. Dann können sich diese Kinder und Jugendliche auch besser integrieren.

Man hat den Eindruck, dass es immer schwieriger geworden ist, über den Islamismus in Deutschland zu sprechen: Stichwort Hassrede. Was sind Ihrer Ansicht nach die verantwortlichen Kreise, die lieber über Islamophobie statt Christophobie sprechen?

Das sind zu einem großen Teil Politiker und Politikerinnen der Linkspartei, aber auch Teile der Grünen und der SPD. Ich werde wohl nie begreifen, wie diese Politiker sich eins machen mit Islamisten, die Frauenrechte ablehnen, ja Schwule und Lesben töten wollen. Laufen Sie da mal als bekennender Schwuler durch die Straßen, das überleben sie keine 5 Minuten. Auch das Christentum wird dort bekämpft, auch mit Gewalt. In diesen Gebieten werden sie kaum das Läuten christlicher Kirchen hören. Ich schäme mich für diese Antisemiten und Christenhasser, ja auch aus dem Bundestag und einigen Landtagen.

Die größte Gefahr für Deutschland kommt aus dem Islam, haben Sie einmal gesagt. Ist aber nicht vielleicht eher die Schwäche des Christentums die größte Gefahr?

Was mich wundert ist, zahlreiche Menschen schreiben und sagen mir nach Interviews, Herr Büscher, Sie sind ganz schön mutig. Das finde ich nicht. Wir in den Archen reden über das, was wir erleben. Wenn wir uns nicht mehr trauen, Dinge aus falsch verstandener Scham auszusprechen, erzeugen wir wieder eine neue Schuld. Schweigen macht schuldig. Also sollten auch die Christen aller Konfessionen Kante zeigen und sich über ihren Glauben auch öffentlich freuen dürfen. Das ist aus meiner Sicht ganz wichtig. Warum darf man nicht mit breiter Brust für seine Überzeugungen einstehen.

Sind die katholische und die evangelische Kirche in Deutschland Ihrer Meinung nach zu blauäugig im Umgang mit dem Islam?

Ganz eindeutig, Ja. Der Papst fällt ja durch mutige Bekenntnisse, auch gegenüber den USA, durchaus auf. Er steht für das Evangelium ein. Und das kommt bei den Menschen beider Konfessionen gut an. Nur nicht bei den Politikern. Aber Allah ist kein Gott der Liebe. Der Koran ist keine Schrift der Liebe. Sie ruft in Teilen zu Hass und Gewalt gegenüber Nicht- und Andersgläubigen auf. Oft sind die beiden großen christlichen Kirchen einfach nur feige. Damit machen sie sich in meinen Augen schuldig. Noch einmal: Schweigen erzeugt Schuld. Bewusstes Schweigen macht schuldig. Warum verlassen so viele Menschen die beiden großen Kirchen? Weil sie dem Mainstream verfallen sind. Die Menschen brauchen aber Kirchen, Gemeinden, die für ihren Glauben einstehen, die kämpfen. Kirchen sollten den unbequemen Weg gehen. Dann kommen sich wieder viele Gläubige zurück. Dieser Wischiwaschi-Glaube enttäuscht die Menschen eher.

Gibt es in ihren Einrichtungen Kinder aus christlichen Familien aus dem Orient, die nach Deutschland geflohen sind? Wenn ja, welche Erfahrung haben sie gemacht – auch im Bezug auf das muslimische Milieu?

Ich kenne ein junges Mädchen aus einer Berliner Arche mit christlichem Hintergrund. Die Familie stammt aus dem Irak. Dort wurden einige ihrer Verwandten getötet, geköpft, durch Islamisten. Sie hat das miterlebt. Jetzt ist sie, wenn sie in die Arche kommt, mit zahlreichen islamischen Jugendlichen, auch aus dem Irak, zusammen. Das muss für sie wahnsinnig schwer sein. Wir kämpfen in den Archen aber um jedes Kind, um jeden Jugendlichen. Das ist uns wichtig. Aber wer sich bei uns nicht integrieren will, hat bei uns nichts verloren.

Wolfgang Büscher ist seit vielen Jahren Pressesprecher des christlichen Kinder- und Jugendwerks „Die Arche“. Gemeinsam mit Arche-Gründer Pastor Bernd Siggelkow ist er Autor des Buches „Das Verbrechen an unseren Kindern“. Das Christliche Kinder- und Jugendwerk Die Arche e.V. wurde 1995 in Berlin gegründet. In rund 40 Einrichtungen bundesweit werden täglich Tausende sozial benachteiligte Kinder versorgt — mit einer warmen Mahlzeit, Hausaufgabenhilfe, Betreuung und Freizeitangeboten. Die Arche finanziert sich überwiegend aus Spenden und versteht ihre Arbeit als gelebten christlichen Glauben.