Die „Schweizer Friedensinitiative für Bergkarabach“ gewinnt internationale Unterstützung für ein geplantes Forum, das die Rückkehr der aus Bergkarabach vertriebenen Armenier erleichtern soll. Auf einer Veranstaltung in Berlin wurde die Initiative vorgestellt.
CSI und der Zentralrat der Armenier in Deutschland veranstalteten am 8. Oktober 2025 in der Evangelischen Akademie in Berlin eine Veranstaltung zur Vorstellung der Schweizer Friedensinitiative für Bergkarabach. Auf dem Event sprach ein Schweizer Parlamentarier, Rechtsexperten und Vertreter der vertriebenen armenischen Bevölkerung.
Das Engagement Deutschlands
Pfarrer Peter Fuchs, Geschäftsführer von CSI-Deutschland, erinnerte in seiner Eröffnungsrede an die klassische Definition von Frieden als „Ruhe in der Ordnung“. „Frieden ist kein abstraktes Fehlen von Konflikt, sondern aktives Gerechtigkeitshandeln.“
Jonathan Spangenberg, Vorsitzender des Zentralrats der Armenier in Deutschland, erinnerte die Teilnehmer an die Rede der damaligen Außenministerin Annalena Baerbock vor dem UN-Sicherheitsrat am 23. September 2023. Dort prangerte sie die Entschlossenheit Aserbaidschans an, durch militärische Gewalt Fakten zu schaffen, und bezeichnete die Vertreibung ethnischer Armenier als „inakzeptabel“.
120.000 Vertriebene – keine Rückkehrer
Im September 2023 zwang die Militäroperation Aserbaidschans in Bergkarabach 120.000 Armenier zur Flucht. Zwei Jahre später ist trotz einer verbindlichen Anordnung des Internationalen Gerichtshofs vom 17. November 2023 noch niemand zurückgekehrt. In der Anordnung wurde von Aserbaidschan gefordert, dass alle Menschen, die in Bergkarabach bleiben oder dorthin zurückkehren wollen, keiner Gewalt ausgesetzt sein dürfen.
Über 80 Prozent verarmt
Artak Beglaryan, ehemaliger Menschenrechtsbeauftragter von Arzach, erzählte in einer Videobotschaft seine persönliche Geschichte. Er verlor seinen Vater und sein Augenlicht im Karabach-Krieg der 1990er Jahre und wurde dann 2023 mit seiner Familie gewaltsam vertrieben. Heute leben über 80 Prozent der Vertriebenen in Armenien in Armut, mehr als dreimal so viele wie im nationalen Durchschnitt.
„Wenn ich meine Landsleute in Armenien treffe, ist die erste Frage, die mir gestellt wird, ob es Neuigkeiten zu unserer Rückkehr gibt“, sagt Beglaryan.
Eine aktuelle Umfrage zeigt, dass 87 Prozent nach Hause zurückkehren möchten. Dennoch hat Aserbaidschan alle Zugangsanträge abgelehnt, selbst kurze Besuche auf Friedhöfen und in Kirchen. Unterdessen zerstört Aserbaidschan systematisch das armenische Kulturerbe und besiedelt illegal armenische Häuser.
„Die Menschen in Bergkarabach brauchen eine Vertretung“
Dr. Luis Moreno Ocampo, ehemaliger Chefankläger des Internationalen Strafgerichtshofs, identifizierte in seinen Ausführungen ein grundlegendes Problem: „Niemand vertritt die Menschen aus Bergkarabach.“ Aserbaidschan kontrolliert das Gebiet, verfolgt jedoch eine Politik der Auslöschung der armenischen Volksgruppe.
„Armenien kann eindeutig nicht über Bergkarabach verhandeln“, erklärte Ocampo, „und deshalb braucht das Volk von Bergkarabach eine Vertretung.“ Er lobte den Schweizer Nationalrat Erich Vontobel dafür, dass er das Schweizer Parlament mobilisiert hat, um ein Forum zur Vermittlung zwischen Aserbaidschan und den Karabach-Armeniern zu schaffen.
Wachsende internationale Dynamik
Ocampo hob die zunehmende parlamentarische Unterstützung für die Schweizer Friedensinitiative hervor:
- Juni 2025: 110 Mitglieder des britischen Parlaments befürworteten die Schweizer Friedensinitiative.
- Juli 2025: Das US-Außenministerium erkannte das Recht auf Rückkehr für vertriebene ethnische Armenier an und sprach über die armenischen Gefangenen in Baku.
- September 2025: EU-Parlamentarier kritisierten die Menschenrechtsverletzungen Aserbaidschans und stellten die Partnerschaftsfähigkeit des Landes in Frage.
- Oktober 2025: Der britische Abgeordnete Chris Law hat sich verpflichtet, das Thema bei einem Treffen der Internationalen Parlamentarischen Union in Genf gegenüber den Schweizer Behörden anzusprechen.
„Die Parlamentarier haben Macht, und sie nutzen sie“, sagte Ocampo. „Wir gewinnen an Dynamik.“
Keine Gerechtigkeit – kein Frieden
Dr. John Eibner, Präsident von CSI International, warnte abschließend: Ein Friedensprozess, der die Ungerechtigkeit der Vertreibung nicht beseitigt, ist unvollständig und enthält „wenig Gerechtigkeit“. Solange dieses Element der Gerechtigkeit fehlt, „wird es Armenien und die Großmächte verfolgen“.
Eibner betonte, dass es sich hierbei um einen „Kampf für die Zivilisation“ handle, und stellte die armenische Krise in den größeren Zusammenhang der Vertreibung christlicher Gemeinschaften aus der islamischen Welt, wobei er Syrien und den Irak als Beispiele anführte.
Die Schweizer Friedensinitiative
Die Schweizer Friedensinitiative basiert auf der Motion 24’4259, die von einer Mehrheit in beiden Kammern der Vereinigten Bundesversammlung angenommen wurde. Diese Initiative beauftragt den Schweizer Bundesrat, ein internationales Friedensforum zu organisieren, um einen offenen Dialog zwischen Aserbaidschan und den Vertretern der Karabach-Armenier von Arzach zu ermöglichen. Ferner soll über die sichere Rückkehr der historisch armenischen Bevölkerung verhandelt werden.
Der nach Berlin gereiste Nationalrat Erich Vontobel fasste die zentrale Forderung dieser Initiative prägnant zusammen: „Diese Initiative fordert keine Sanktionen oder Interventionen. Sie fordert einen Tisch, einen Ort des Dialogs, an dem auch Vertriebene einen Platz haben.“


