Trump verhandelt mit dem Iran und kühlt die Beziehungen zu Israel ab. Im Südlibanon leiden Christen unter Bomben und Bulldozern. Die Ankündigung, dass Syrien sich um die Hisbollah kümmern soll, sorgt nicht nur in Beirut für Argwohn.
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Wieder geht es zwischen den USA und dem Iran in die Verhandlungsrunde. Wie so häufig ist auch dieses Mal der Ausgang ungewiss. Doch nach Monaten des Konflikts scheint US-Präsident Donald Trump nunmehr kriegsmüde. Die USA sind sogar bereit, Milliarden US-Dollar in einen Wiederaufbau-Fonds zu investieren. Das sind für den Iran deutlich günstigere Konzessionen als noch vor einigen Wochen. Trump macht sich mit solchen Zugeständnissen bereits Gegner in der eigenen Partei.
Doch nicht nur innenpolitisch drohen dem US-Präsidenten Entfremdungen. Das Verhältnis verschlechtert sich angesichts der neuen Friedenspläne. Trump hatte einst versprochen, an der Seite der Israelis bis zur iranischen Kapitulation zu kämpfen. Neben dem Iran ist der Libanon zum Brennpunkt geworden, wo Israel gegen die Hisbollah vorgeht. Die Schiitenmiliz gilt als wichtigster Verbündeter und Brückenkopf des Iran in der Levante.
Die unpopuläre Libanon-Front
Israel hat daher weite Teile des christlich geprägten Südlibanons bombardiert und besetzt. Christian Solidarity International (CSI) hat in den letzten Wochen immer wieder über das Schicksal der Christen zwischen den Fronten berichtet. In Ain Ebel, einem der Grenzorte, unterhält CSI ein Projekt. Schwester Maya Beaino, Ordensfrau der Kongregation der Heiligsten Herzen, ist dort Schulleiterin und versorgt uns immer wieder mit Informationen aus erster Hand.
Für internationale Aufmerksamkeit sorgte die Schändung einer Christus-Statue im benachbarten Debel durch die Israelische Armee (IDF). Auf X verbreitete sich das Foto eines Soldaten, der mit einem Hammer auf das Gesicht des Heilands einschlug. Kardinal Pierbattista Pizzaballa, der lateinische Patriarch von Jerusalem, verurteilte die Tat und sprach von einem „schwerwiegenden Affront“. An die Christen von Debel hatte sich bereits Papst Leo XIV. gewandt – der Ort litt unter einer wochenlangen Belagerung.
Christen im Kreuzfeuer
Immer wieder werden Christen dieser Gegend Opfer eines Krieges, der nicht der ihre ist. Augenzeugen berichten von der Sprengung ganzer Stadtteile und der Planierung durch Bulldozer in den christlichen Orten Qaouzah und Alma al-Chaab. In einigen Ortschaften wurden bis zu 70 Prozent aller Gebäude zerstört. Hilfskonvois wurden immer wieder blockiert. Am 9. März töteten Einheiten der IDF den maronitischen Priester Pierre al-Rahi, als dieser einem verletzten Hausbesitzer und seiner Frau zur Hilfe eilen wollte. Bei einem Bombenangriff am 13. März kam der 20-jährige Chadi Ammar ums Leben, ein ehrenamtlicher Helfer des Malteserordens, als er mit zwei weiteren jungen Männern auf einem Dach die Internetverbindung wiederherstellen wollte.
Dass die Libanon-Front als „unpopulär“ gilt, weiß offenbar auch Trump. Die Abmachung mit dem Iran soll auch für den Libanon gelten – das heißt: Einstellung der Kampfhandlungen vonseiten der israelischen Armee. Die Lösung könnte allerdings den Libanon vom Regen in die Traufe bringen. Denn Trump hat gleich zweimal betont, dass Syrien sich um den Libanon kümmern sollte. Damaskus solle sich „um die Hisbollah kümmern“ und einen „besseren Job“ machen, so der Präsident wörtlich.
Großsyrische Träume?
Solche Aussagen müssen mindestens für Irritationen in Beirut sorgen. Sie stehen aber in einem Kontext. Der US-Gesandte Tom Barrack erklärte auf einer Diskussionsrunde auf dem Doha-Forum, dass die Vereinigten Staaten „Lösungen“ für die Krisen im Libanon und in Syrien finden wollten. Er plädierte für eine „Annäherung und Angleichung“ dieser beiden Länder. Das wurde als mögliche „Zusammenlegung“ des Libanons und Syriens interpretiert.
Die Idee eines „Großsyriens“ geistert seitdem wieder durch Politik, Diplomatie und Medien. Drei Jahrzehnte lang – ab 1976 – hatte Syrien das kleine Nachbarland während des Bürgerkriegs besetzt. Die Soldaten blieben auch nach dem Ende der Kampfhandlungen als „Friedenstruppen“. Die Zeit gilt bei den Libanesen bis heute als unpopulär, Einmischungen von Damaskus werden deshalb sehr misstrauisch wahrgenommen.
Al-Scharaa lehnt ab
Offenbar hat auch der syrische Machthaber Ahmed al-Scharaa verstanden, dass es kein guter Zeitpunkt ist, öffentlich über syrische Ambitionen im Libanon zu sprechen. Er werde nicht für Israel bei der Bekämpfung der Hisbollah einspringen und stattdessen einen „dritten Weg“ zwischen Bürgerkrieg und israelischer Militäroperation finden, so der „Übergangspräsident“. Syriens Rolle, so al-Scharaa weiter, bestehe darin, den Krieg zu beenden, libanesische Institutionen zu stärken und wirtschaftliche Verbindungen aufzubauen. In Beirut wurde das Bekenntnis zur libanesischen Souveränität mit Erleichterung wahrgenommen.
Der libanesische Ministerpräsident Nawaf Salam und andere Amtsträger lobten al-Scharaas Ablehnung einer militärischen Intervention und bezeichneten sie als „brüderliche und aufrichtige“ Haltung. Inwiefern diese Aussagen auch in Zukunft gelten, bleibt unklar. Deshalb warnt CSI-Beirat Fabrice Balanche, dass al-Scharaa dennoch ähnliche Ambitionen hegen könnte wie einst Hafiz al-Assad, der den Libanon erobern wollte. „Er wartet darauf, dass Trump und die Saudis ihn darum bitten, und auf einen Zwischenfall an der Grenze, der seinen Einmarsch rechtfertigt“, so Balanche.


