Stellungnahme zum Ausreiseverbot des Katholikos aller Armenier

Armenische Behörden leiten ein Strafverfahren gegen den Katholikos Karekin II. ein und verhindern so seine Ausreise zu einer Bischofsversammlung in Österreich. Die Maßnahme verletzt klar die innerkirchliche Autonomie.

Christian Solidarity International (CSI) beobachtet mit tiefster Besorgnis das von staatlichen Stellen verhängte Ausreiseverbot gegen den Katholikos aller Armenier, Karekin II. sowie die damit einhergehenden straf- und justizbehördlichen Maßnahmen. Die Entscheidung, einem geistlichen Oberhaupt einer der ältesten christlichen Gemeinschaften der Welt die Freiheit der Bewegung zu entziehen, ist ein alarmierender Eingriff in die Religionsfreiheit und die innere Autonomie kirchlicher Strukturen.

Nachdem die Behörden bereits in den vergangenen Wochen sechs Bischöfe an ihrer Ausreise hinderten, stellt die strafrechtliche Verfolgung des Katholikos eine neue Qualität der Repression dar. Die armenisch-apostolische Kirche war bereits genötigt, aufgrund des Kulturkampfs in der Heimat ihre Versammlung in das österreichische Sankt Pölten auszulagern. Der armenische Staat beeinflusst Ablauf und Existenz der Bischofsversammlung direkt, wenn er das geistliche Oberhaupt aller Armenier an der Teilnahme hindert.

Repression gegen die Kirche unter juristischem Deckmantel

CSI setzt sich weltweit für die Wahrung grundlegender Freiheiten ein – insbesondere dort, wo Christen und religiöse Gemeinschaften unter Druck geraten oder ihrer Menschenwürde beraubt werden. Bei dem aktuellen Vorfall handelt es sich um keine isolierte Aktion. Er passt in das Muster bisheriger Übergriffe. Ziel ist die staatliche Kontrolle über kirchliche Strukturen. Wenn weltliche Behörden unter dem Deckmantel „rechtlicher Verfahren“ in die Wahl, die Leitung oder die Bewegungsfreiheit kirchlicher Amtsträger eingreifen, gefährdet dies das Prinzip der Trennung von Staat und Kirche.

Die armenischen Behörden müssen das Ausreiseverbot von Katholikos Karekin II. unverzüglich aufheben. Wir fordern die armenischen Behörden zudem dazu auf, die politische Verfolgung gegen Bischöfe und Kirchenleitungen zu beenden. Religionsfreiheit ist kein Privileg. Der Staat muss den Schutz dieses grundlegenden Menschenrechts wiederherstellen.