Syrien erlebt die größten Proteste seit der Machtübernahme durch Ahmed al-Scharaa. Das dschihadistische Regime enttäuscht breite Teile der Bevölkerung immer mehr: Der Vorwurf geht um, dass das Volk darbt, während die Islamisten in Luxus schwelgen.
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In Deutschland erreichen die Preise für Benzin und Diesel ungeahnte Höhen beim Tankstellenbesuch. Die steigenden Energiekosten sind für ein Land wie Syrien, das nach Jahren des Krieges, der Zerstörung und der Verarmung am Boden liegt, eine Katastrophe. Die Regierung von Ahmed al-Scharaa hat in der vergangenen Woche den Preis für Diesel mit einem Schlag um 40 Prozent erhöht. Auch der Preis für Kochgas wurde erhöht.
Daraufhin sind die größten Proteste gegen die syrische Regierung seit der Machtübernahme vom Dezember 2024 ausgebrochen. Auf der Autobahn zwischen Damaskus und Aleppo zündeten Demonstranten Autoreifen an, um den Verkehr zu blockieren. Viele von ihnen sind selbst Fahrer, die keine Kunden mehr haben, weil ihre Tarife durch die Anhebung um 50 Prozent gestiegen sind. In den Städten Hassakah, Raqqa und Idlib gingen die Menschen auf die Straße.
Die Regierung hebt den Dieselpreis um 40 Prozent an
Die Preise treffen die Bevölkerung und die am Boden liegende Wirtschaft auch deswegen ins Mark, weil die Energiepreise auch die Kosten in der Landwirtschaft und Industrie nach oben treiben. Eine syrische Quelle berichtet, dass zahlreiche Geschäftsleute ihre Läden geschlossen hielten, weil die Waren teurer würden. Viele Syrer fürchteten sich vor galoppierender Inflation. Der Unmut über die islamistische Regierung wird auch deswegen größer, weil das Image der Gotteskrieger selbst bei Unterstützern Risse bekommen hat.
In der Vergangenheit konnten die Islamisten damit punkten, besonders bescheiden zu leben und der Korruption ein Ende zu setzen. Doch der dschihadistische Vorsatz entpuppt sich immer mehr als Heuchelei. Zahlreiche Profiteure des „neuen Syrien“ schwelgen im Luxus, sehr zum Unmut der einfachen Bevölkerung. Laut den CSI vorliegenden Berichten sollen Investoren durch die zunehmende Korruption abgeschreckt worden sein. Die Sicherheitslage bleibt labil. Das alles führt zu einer angespannten Lage, die in den Protesten der letzten Woche mündete.
Syrien verfügt zwar selbst über Ölquellen. Sie reichen aber nicht aus, um die Bedürfnisse der Bevölkerung zu decken. Unter dem Regime von Bashar al-Assad half der verbündete Iran mit billigen Rohöllieferungen aus. Anschließend war es Russland, das Benzin und Diesel lieferte. Syrien leidet deswegen unter den aktuellen Entwicklungen im Ukraine-Krieg: Die Importe brechen ein, seitdem ukrainische Angriffe auf russische Anlagen erfolgten.
Inflation, Korruption, enttäuschte Hoffnungen
Die Regierung hat die Proteste zwar eindämmen können – sie kündigte Maßnahmen an. Doch unter der Oberfläche brodelt es gewaltig. Die Bevölkerung fühlt sich betrogen. Die Sanktionen sind ausgesetzt worden, Syrien befindet sich im westlichen Bündnis – doch greifbare Erfolge gibt es immer noch nicht. Der Eindruck verstärkt sich, dass nur die Islamisten von al-Scharaa und ihr direktes Umfeld die Gewinner des Krieges sind.
Über ihre Pressedienste und die sozialen Medien vermittelt die Regierung ein geschöntes Bild der Situation, so heißt es laut einem Bericht aus dem christlichen Syrien weiter. Doch wie lange sie die Situation angesichts der sich verschärfenden Wirtschaftslage unter Kontrolle behält, bleibt ungewiss. Bereits jetzt geht ein Schreckgespenst in Syrien um: Der Hunger, der das Land seit Kriegszeiten bedroht, könnte als große Hungersnot weiter um sich greifen.
CSI leistet Hilfe vor Ort für die Notleidenden
Christian Solidarity International (CSI) ist in Syrien mit mehreren Projekten präsent, um das Leid der Menschen zu lindern – insbesondere der Christen, die im von Islamisten beherrschten Regime an den Rand gedrängt werden. Das hat erst diese Woche neuerlich gezeigt: In der Nähe der griechisch-orthodoxen St.-Georgs-Kathedrale in Hama detonierte ein Sprengsatz. Es gab keine Verletzten, doch der Sachschaden und die Angst vor Anschlägen ist groß.
CSI hilft Christen in Aleppo, ihre Mieten zu bezahlen, oder finanziert die Krebsbehandlungen insbesondere bei alten Menschen, die kaum die nötigen Mittel besitzen. Dabei setzen wir auf die Zusammenarbeit mit lokalen kirchlichen Projektpartnern. In Damaskus, Aleppo und der Umgebung von Homs versorgt CSI Kranke, Behinderte und alte Menschen mit Lebensmitteln. Überdies wird Kindern in Damaskus der Besuch einer christlichen Kirche ermöglicht. Gleichzeitig verstärken wir unsere politische Menschenrechtsarbeit, denn die neuen Machthaber Syriens nehmen den Christen des Landes buchstäblich die Luft zum Atmen.
Syriens Christen brauchen unsere Solidarität - Ihre Spende ist wichtig!


