Ein Mord an einer christlichen Lehrerin in Homs, das Hissen islamistischer Flaggen und ein Sprachverbot im Nordosten Syriens zeigen, dass das Land für Christen und andere Minderheiten weiterhin unruhig bleibt.
Die Situation für Christen und andere Minderheiten bleibt gefährlich in Syrien. In der Stadt Homs wurde die christliche Lehrerin und Mutter Iman Georges von einem bewaffneten Mann erschossen. Laut ihrer Familie erklärte der örtliche Polizeichef nach dem Angriff: „Unser Mann dachte, sie sei Alawitin.“ Bereits die vermutete Zugehörigkeit zu einer religiösen oder ethnischen Gruppe kann demnach ausreichen, um zur Zielscheibe tödlicher Angriffe zu werden.
„In einem Land, das sich in einem politischen Übergang befindet und um die Neudefinition seiner Zukunft ringt, sind solche Entwicklungen besonders alarmierend“, erklärte die European Syriac Union (ESU). „Der Fall Iman Georges fügt sich tragischerweise in dieses größere Muster ein — als ein weiteres Anzeichen dafür, dass Angst und Instabilität für viele Bürger noch immer den Alltag prägen.“
Islamistenflagge schüchtert Christen in eigener Stadt ein
Die ESU hob dabei noch einen weiteren Fall hervor. In Saidnaya war die Syrische Flagge im Februar gesenkt und stattdessen die islamistische Tauhid-Flagge gehisst worden. Dieses Banner trägt das islamische Glaubensbekenntnis. Mehrere Dschihadisten-Gruppen haben es in der Vergangenheit verwendet.
Saidnaya liegt nur 20 bis 30 Kilometer nördlich der Hauptstadt Damaskus und gilt als eines der Zentren des syrischen Christentums. Mehrere Klöster und Kirchen befinden sich in der Kleinstadt, die etwa 25.000 Einwohner zählt. Das Hissen der Islamisten-Fahne gilt daher als Provokation. Sie schafft überdies ein Klima der Unsicherheit und Angst für die einheimischen Christen.
Parallel dazu sorgt eine Entscheidung im nordostsyrischen Hassake für Besorgnis. Dort wurde die syrisch-aramäische Sprache von offiziellen Schildern öffentlicher Einrichtungen entfernt. Die Maßnahme betrifft insbesondere die syrisch-christliche Gemeinschaft, für die die Sprache ein zentraler Bestandteil kultureller und religiöser Identität ist.
Diskriminierung der Aramäischen Minderheit
Seit mehr als fünfzehn Jahren waren Arabisch, Kurdisch und Syrisch als Amtssprachen in Nord- und Ostsyrien anerkannt. Die Mehrsprachigkeit war eines der wichtigsten Symbole für Gleichberechtigung, Zusammenleben und gegenseitigen Respekt zwischen den Völkern der Region. Das heutige Aramäisch ist direkte Nachfolgerin der Sprache, die Jesus Christus gesprochen hat, weshalb sie für die Christen der Region einen herausragenden Wert besitzt.
Vertreter der betroffenen Gemeinschaften werten die Entfernung der Sprache daher als Schritt der Ausgrenzung. Sie verweisen darauf, dass syrische Christen gemeinsam mit kurdischen und arabischen Kräften gegen die Terrororganisation „Islamischer Staat“ gekämpft und dabei hohe Verluste erlitten haben. Ein gerade erschienener Film von Malko Media verweist auf die Bedeutung des syrischen Christentums für die ganze Region:
Syrischer Bürgermeister weiterhin in Haft — CSI beim Menscherechtsrat in Genf
Auch der ehemalige christliche Bürgermeister Suleiman Khalil befindet sich weiterhin ohne Anklage in Haft. CSI hat in einer Stellungnahme vor dem Menschenrechtsrat in Genf darauf hingewiesen. In einer mündlichen Erklärung vom 12. März erklärte Joel Veldkamp, dass der Menschenrechtsrat kürzlich bekräftigt habe, dass willkürliche Inhaftierung eine Verletzung des Rechts auf Freiheit darstelle. Willkürlich inhaftierte Personen seien besonders anfällig für weitere Menschenrechtsverletzungen.
„Die willkürliche Inhaftierung von Herrn Khalil verstößt nicht nur gegen internationales Menschenrecht, sondern auch gegen die neue Verfassungserklärung Syriens, in deren Artikel 18 es heißt: ‚Mit Ausnahme von Fällen, in denen eine Straftat in aller Öffentlichkeit begangen wurde, darf niemand festgenommen, inhaftiert oder in seiner Freiheit eingeschränkt werden, es sei denn durch richterliche Anordnung‘“, sagte Veldkamp.
Die Beispiele zeigen, dass zentrale Prinzipien wie Rechtsstaatlichkeit, Pluralismus und Gleichberechtigung noch immer nicht in Syrien durchgesetzt werden. Der kurdische Gouverneur von Hassake wurde erst im Februar von Präsident Achmed al-Scharaa per Dekret eingesetzt. Offenbar besteht das Kalkül von Damaskus derzeit darin, die verschiedenen Ethnien und Religionen gegeneinander auszuspielen, als sie im neuen Syrien zu einen und zu schützen.
Osterfreude für Christen in Syrien


