Syrische Christen beklagen Bedrohungslage – und sagen öffentliche Feiern ab

Nach Monaten der Diskriminierung und Ungewissheit über das Schicksal mehrerer Christen aus dem Ort Sednaya haben die christlichen Gemeinden die Entführungen und willkürlichen Inhaftierungen in einem beispiellosen Schritt verurteilt.

Die Pfarreiräte in der syrischen Stadt Sednaya haben in einem gemeinsamen Schreiben die Schikanen gegen Christen verurteilt. Sie bezogen sich damit auf das Schicksal von mehreren jungen Männern, die unter fadenscheinigen Gründen inhaftiert wurden. Das Regime wirft den syrischen Christen vor, an einem Massaker gegen Dschihadisten verantwortlich gewesen zu sein. Christian Solidarity International hat über den Fall berichtet.

Das Schreiben betont, dass eine Freilassung mehrfach in Aussicht gestellt worden sei, aber bis zum heutigen Tag nicht stattgefunden habe. Es gebe auch weiterhin keine Beweise für die Schuld der jungen Christen. Die Haft besitze keine rechtliche Grundlage.

Schikanen gegen christliche Jugendliche

An der Grenze zum Libanon blieben weiterhin diskriminierende Kontrollen in Kraft. Die Bewohner Sednayas müssten sich dort demütigenden Prozeduren unterziehen, die über Stunden dauerten. Dagegen habe sich die allgemeine Sicherheit in der Stadt und Umgebung erheblich verschlechtert. Viele Christen berichteten von Diebstählen und Entführungen.

Überdies beklagten die Pfarreiräte eine Kampagne in den sozialen Netzwerken, die Hetze, Diffamierungen und Drohungen gegen die Bewohner Sednayas richtete.

Als Reaktion sagten die Pfarreiräte sämtliche öffentlichen Feierlichkeiten zu den anstehenden christlichen Fest- und Gedenktagen im August und September ab. Dazu gehören neben der Verklärung des Herrn auch die lokal wichtigen Feierlichkeiten zur Mutter Gottes von Sednaya und das Fest der Heiligen Sophia. Auch das Fest Kreuzerhöhung, das sich in Syrien großer Beliebtheit erfreut und üblicherweise mit Umzügen und prächtigen Feuerwerken begangen wird, ist von den Aussetzungen betroffen.

Christen fordern ihre Rechte als Staatsbürger ein

Die Maßnahme bleibe so lange bestehen, bis die gefangenen Christen wieder freigelassen und die Entführungsopfer nach Hause zurückkehren würden. Die Täter müssten ausfindig gemacht und bestraft werden. Eine Versöhnung könne nur auf der Basis von Gerechtigkeit und Respekt vor den Menschenrechten stattfinden.

Das mit den Geistlichen Georges Najme, Fanoel Najar und Taher Youssef abgesprochene Schreiben betonte, dass die Christen Sednayas auf eine friedliche Lösung bestünden. Es gehe um ihre von der Verfassung verbürgten Rechte.

Die Pfarreiräte von Sednaya bestehen aus Vertretern der griechisch-orthodoxen, der syrisch-orthodoxen und der melkitisch-griechisch-katholischen Kirche. Sednaya gilt mit seinen Klöstern und Kirchen als das geistliche Zentrum des Landes. In den vergangenen Monaten hat CSI immer wieder über die angespannte Situation in der Stadt berichtet. Obwohl sich die Situation seit der Machtübernahme des Dschihadisten-Regimes von Ahmad al-Scharaa verschlechtert hat, finden christliche Stimmen aus Syrien kaum Gehör.