Verschleppt, versklavt, befreit – vier Schicksale aus dem Sudan

Als Kinder entführt, jahrelang versklavt, ihrer Identität beraubt. Vier Menschen erzählen, was sie erlitten haben – und wie CSI ihnen die Freiheit zurückgab.

Adeng Amool: „Meine Identität verblasste – aber in meinem Herzen wusste ich, wer ich bin“

Adeng Amool (37) weiß nicht mehr, wie alt sie war, als man sie versklavte. Das Ereignis hat sie traumatisiert, sie kann sich kaum an Details erinnern. „Ich wurde zusammen mit meiner Mutter entführt, aber sie wurde von einem anderen Herrn mitgenommen. Seit diesem Tag habe ich sie nie wieder gesehen. Ich wuchs allein in der Sklaverei auf, ohne meine Familie, ohne zu wissen, ob sie noch lebten oder schon tot waren“, erzählt sie.

Als Kind musste sie auf die Ziegen aufpassen, später den Haushalt erledigen. Dennoch behandelte man sie miserabel. Bei Kleidung und Essen wird sie immer wieder übergangen oder abgespeist. „Wenn Getreide zubereitet wurde, wurde der beste Teil immer für die arabische Familie aufgehoben, und ich bekam den schlechtesten Teil, den man normalerweise wegwirft. Das war es, was ich essen sollte“, erinnert sich Adeng.

Mit der Zeit vergaß sie den Großteil ihrer Sprache, weil sie inmitten von Arabisch sprechenden Menschen aufwuchs. „Meine Identität verblasste langsam, obwohl ich in meinem Herzen wusste, wer ich war.“ Zu dieser Identität gehörte auch das Christentum. Man zwang sie dazu, Muslim zu sein. „Wir durften nicht über das Christentum sprechen.“

Dann, nach vielen Jahren, bietet sich Adeng die Möglichkeit, aus der Sklaverei zu entkommen. „Als ich hörte, dass es eine Chance gab, zu gehen und zu meinem Volk zurückzukehren, empfand ich ein Glück, das ich nicht beschreiben kann. Zum ersten Mal glaubte ich, dass ich nicht mehr als Sklave bezeichnet werden würde. Ich würde meine Gemeinschaft wiedersehen. Ich würde frei sein.“

Adeng versucht jetzt, ihre Familie wiederzufinden – und wieder als Christin zu leben. „Jetzt, da ich frei bin, möchte ich zu meiner Religion zurückkehren und so leben, wie mein Volk lebt.“

Akol Deng: „Ich hörte nie auf, an Jesus zu glauben“

Akol Deng wurde 1993 als kleines Kind entführt. „An diesem Tag wurden viele Menschen aus meinem Dorf verschleppt, darunter auch Mitglieder meiner eigenen Familie“, erzählt sie. Die Sklavenjäger griffen so plötzlich an, dass die Opfer kaum begreifen konnten, was geschah, was passierte. Sie brachten die Versklavten in einen fremden Ort im Norden. Dort übergab man sie an einen arabischen Herrn.

„Er behandelte mich sowohl wie einen Diener als auch sein Eigentum“, sagt sie. Er änderte sogar ihren Namen. Akols Hauptaufgabe bestand darin, das Vieh zu hüten. Sie legte mit den Tieren lange Strecken zurück, grub Brunnen an trockenen Stellen und holte Schlamm heraus, damit Wasser für die Kühe zum Trinken heraufsteigen konnte. „Das war mein Alltag.“

DDie Frau des Herrn behandelte sie freundlich und gab ihr Essen. Andere Male schlug sie ihr neuer Besitzer. „Einmal, als der Herr wütend war, schlug er mich mit einem Bambusstock auf den Rücken, während ich am Brunnen arbeitete.“ Essen hing von seiner Laune ab. Manchmal gab es genug, manchmal gar nichts.

Die muslimische Familie zwang sie zur Konversion. Sie musste beten, wie sie es ihr befahlen. „Dennoch hörte ich innerlich nie auf, an Jesus zu glauben“, sagt Akol. „Ich erinnerte mich an meinen christlichen Glauben aus der Zeit, bevor ich verschleppt wurde. Ich trug ihn in meinem Herzen.“ 

Majok Buoth Kong: „Sie schlugen mich und gaben mir einen anderen Namen“

Majok Buoth Kong (48) war Bauer, bevor arabische Milizen sein Dorf heimsuchten, Häuser niederbrannten, die Kühe raubten und viele Bewohner töteten. Er versuchte davonzulaufen, doch die berittenen Angreifer holten ihn ein. Sie versklavten ihn und brachten ihn in den Sudan.

Auf dem langen Marsch töteten sie drei Männer vor seinen Augen. Nachts bauten sie einen Zaun, um sie an der Flucht zu hindern. „Frauen wurden vergewaltigt, und wir konnten sie nachts schreien hören“, erzählt Majok. Die Reste, die ihnen die Araber übrigließen, bildeten ihre einzige Nahrung.

Als Sklave musste er sich um die Kühe seines neuen Herrn kümmern. Dessen Familie behandelte ihn durchgehend schlecht – er bekam weder Bezahlung noch Respekt. „Sie schlugen mich und gaben mir den Namen ‚Arbiet‘.“ Wie viele andere Sklaven, so befreite Osman Bashir auch Majok und brachte ihn in den Südsudan.

Alekiir Akeen: „Ich danke CSI und den Spendern dafür, dass sie meine Freiheit gesichert haben“

Alekiir Akeen Akeen (25) wurde im Sudan geboren. Arabische Sklavenhändler verschleppten ihre Mutter aus dem Südsudan. Ihre schwer schuftende Mutter wurde von ihrem arabischen Herrn misshandelt – als Kind musste sie zusehen, wie er ihre Mutter immer wieder schlug. Als Alekiir alt genug war, verkaufte ihr Herr sie an einen anderen Sklavenbesitzer weiter. Mutter und Tochter konnten nichts dagegen tun. Alekiir hat ihre Mutter bis heute nicht wiedergesehen, weiß nicht einmal, ob sie noch am Leben ist.

Bei ihrem neuen Herrn musste sie Wasser holen, das Haus putzen und Kleider waschen. Obwohl sie hart arbeitete, misshandelte und vergewaltigte er Alekiir immer wieder. Die Kinder, die sie mit ihm hatte, wurden ihr weggenommen und in ein anderes Dorf gebracht. Ihr Herr und seine Familie bezeichneten sie ausdrücklich als Sklavin – und bezahlten sie nie.

Auf dem Markt traf sie den Sklavenbefreier Osman Bashir, der in der Gegend nach Sklaven suchte. Er brachte sie in ein Camp, gab ihr Essen und Kleider. Sie lebt jetzt im Südsudan.

„Ich danke Gott dafür, dass er mich aus der Sklaverei befreit hat!“, sagt sie heute. „Ich danke CSI dafür, dass sie mir geholfen haben. Ich danke den Spendern aus den USA und Europa dafür, dass sie meine Freiheit gesichert haben.“ Jetzt kann Alekiir endlich nach ihren Verwandten suchen.

Spenden

Mit Ihrer Spende führt CSI Sklaven in die Freiheit.

50 Befreiung eines Sklaven/einer Sklavin
80 garantieren die medizinische Versorgung der Befreiten
50 Lebende Mutterziege für einen befreiten Sklaven
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