Plünderungen, Schüsse, Morddrohungen: Bewaffnete stürmten die christliche Kleinstadt Suqailabiyya. Die Täter sollen mit den Sicherheitskräften kooperiert haben – und damit mit der Regierung von Al-Scharaa. Syriens Machthaber wird am Montag in Berlin erwartet.
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Laut übereinstimmenden Medienberichten kam es in der Nacht vom 27. auf den 28. März zu schweren Übergriffen in der syrischen Stadt Suqailabiyya. Bewaffnete Gruppen drangen in den mehrheitlich von Christen bewohnten Ort ein. Sie plünderten Geschäfte und Häuser, darunter Cafés, Restaurants, Getränkemärkte und Bekleidungsgeschäfte. Zivilisten wurden mit Gewalt bedroht, Frauen belästigt.
Anwohner berichten, dass die Sicherheitskräfte entweder nicht eingegriffen haben oder teilweise daran beteiligt waren.
SyriacPress berichtet, der Vorfall habe damit begonnen, dass zwei Männer aus Qalaat al-Madiq auf Motorrädern christliche Mädchen belästigten. Dies führte zu einer Auseinandersetzung zwischen den Angreifern und Jugendlichen aus der Gegend. Einer der Angreifer soll eine Granate gezückt und die Anwesenden bedroht haben, bevor beide vom Tatort flohen. Später kehrten sie in Begleitung von Sicherheitspatrouillen zurück – darauf drang eine große Gruppe bewaffneter Männer in die Stadt ein, feuerte mit scharfer Munition und sprach Morddrohungen gegen die Bewohner aus.
Sicherheitskräfte als Komplizen – Christliche Syrer schlagen Alarm
Die European Syriac Union (ESU) betonte in einer Stellungnahme, dass die Täter nicht allein von „außen“ gekommen seien, sondern zusammen mit den lokalen Sicherheitskräften kooperiert hätten. „Die Situation stellt eine ernsthafte Bedrohung für die lokale Bevölkerung sowie für ethnische und religiöse Gemeinschaften dar. Sie ist Teil einer Reihe von Vorfällen, die seit Achmed al-Scharaas Machtübernahme zu beobachten sind“, erklärte die ESU. Die Organisation bezeichnete die bewaffneten Gruppen ausdrücklich als mit al-Scharaa verbündet.
Die Kleinstadt Suqailabiyya liegt in der Provinz Hama. Im Syrienkrieg war sie zusammen mit der ebenfalls christlichen Kleinstadt Mhardeh häufiger Schauplatz von Angriffen der Dschihadisten im nahegelegenen Idlib. Diese Dschihadisten waren Anhänger der Haiʾat Tahrir asch-Scham (HTS) – jene islamistische Gruppe, die al-Scharaa anführte und gründete. Damals mussten sich die Christen der ständigen Angriffe durch Mörsergranaten erwehren.
Suqailabiyya: Eine offene Rechnung der Islamisten
Suqailabiyya und Mhardeh hatten keine strategische Bedeutung, sondern waren deswegen Ziele, weil dort Christen lebten. Trotz zahlreicher Entbehrungen verteidigten sich die Einwohner erfolgreich. Dieser Widerstand ist den Islamisten offenbar im Gedächtnis geblieben. Der Fall erinnert an den christlichen Bürgermeister Suleyman Khalil, der sein Dorf Sadad gegen die Islamisten verteidigte, und seit dem Antritt von al-Scharaa ohne Anklage im Gefängnis sitzt.
Suqailabiyya und Mhardeh haben aufgrund der ständigen Kämpfe schwer unter dem Krieg gelitten, viele Menschen leben deswegen dort in Armut. Die Christen gehören mehrheitlich der griechisch-orthodoxen Kirche an.
Brisantes Timing: Al-Scharaa reist nach Berlin
Die Übergriffe gegen syrische Christen besitzen besondere Sprengkraft, weil al-Scharaa am Montag Deutschland besuchen wird. Der syrische „Übergangspräsident“ trifft sich am Montagmittag mit Bundeskanzler Friedrich Merz. Die Polizei bereitet sich auf einen Großeinsatz vor. Bereits am Samstag wurden Protestkundgebungen angekündigt.
CSI verurteilt die neuerlichen Ausschreitungen gegen Christen in Syrien. Straflosigkeit für solche christenfeindliche Gewalttaten ist äußerst gefährlich. Die syrische Regierung muss unverzüglich handeln, um Suqailabiyya zu schützen und die Täter zu verhaften.
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