Was ist Christenverfolgung?

Christenverfolgung bezeichnet die gezielte Diskriminierung, Bedrohung, Vertreibung oder Tötung von Menschen aufgrund ihres christlichen Glaubens – von rechtlicher Benachteiligung über Zwangskonversion und Zwangsverheiratung bis hin zu Mord und Sklaverei. Sie zählt zu den am wenigsten beachteten Menschenrechtskrisen der Gegenwart.
Das Christentum ist die meistverfolgte Religion der Welt: hunderte Millionen Gläubige werden wegen ihres Glaubens bedroht, diskriminiert, vertrieben, zwangskonvertiert, versklavt oder getötet. An den vier verschiedenen Beispielen Syrien, Nigeria, Sudan und Pakistan zeigt Christian Solidarity (CSI) die verschiedenen Erscheinungsformen von Christenverfolgung.

Christenverfolgung in Syrien: Neue Gefahren nach dem Sturz des Assad-Regimes
Syrien zählt zu den ältesten christlichen Siedlungsgebieten der Welt. Seit dem Sturz des Assad-Regimes im Dezember 2024 hat sich die Lage religiöser Minderheiten dramatisch verschlechtert. Regierungstruppen verübten im März 2025 ein Massaker gegen Alawiten und griffen im darauffolgenden Sommer Drusen an. Frauen aus religiösen Minderheiten verschwinden aus der Öffentlichkeit, werden entführt und zum sunnitischen Islam zwangskonvertiert. Christliche Richter werden aus den Justizbehörden gedrängt.
Beim islamistischen Terroranschlag auf die Mar-Elias-Kirche in Damaskus am 22. Juni 2025 wurden mindestens 30 Menschen getötet. Viele Christen fürchten seitdem eine neue Welle der Verfolgung.
Christliche Gegner der Islamisten, etwa der frühere christliche Bürgermeister von Sadad, Suleiman Khalil, wurde ohne Klage inhaftiert, weil er in seiner Amtszeit die Gemeinde gegen Dschihadisten verteidigte. Seit Juni 2026 sitzen vier Christen aus der Kleinstadt Sednaya, dem Herzen des syrischen Christentums, in Haft. Das Regime wirft ihnen vor, für ein Massaker an Dschihadisten verantwortlich gewesen zu sein. Beweise gibt es dafür bis heute keine.

Christenverfolgung in Nigeria: Der gefährlichste Ort der Welt für Christen
Nigeria ist aktuell das Zentrum des christlichen Martyriums: Kein Land fordert mehr christliche Todesopfer als Nigeria. Schätzungsweise 100 Millionen der 220 Millionen Einwohner Nigerias bekennen sich zum Christentum. Christen sind hier keine klassische Minderheit. Insbesondere im „Middle Belt“, der Grenzregion zwischen dem muslimischen Norden und dem christlichen Süden werden sie jedoch Opfer einer blutigen Verfolgungswelle.
In den Jahren 2023 bis einschließlich 2025 wurden rund 16.800 Christen ermordet – das sind 11 Christen pro Tag. In besonders betroffenen Bundesstaaten wie Kaduna ist das Risiko für Christen, getötet zu werden, über achtmal so hoch wie für Muslime.
Systematisch überfallen islamistische Fulani-Milizen christliche Dörfer. Sie sind für Massaker, Entführungen und niedergebrannte Kirchen verantwortlich. Die Überlebenden sind oftmals verstümmelt und traumatisiert. Hinzu kommt der Terror von Boko Haram und ISWAP im Norden. Bereits 2020 sprach CSI deswegen eine Völkermordwarnung für Nigerias Christen aus.

Christenverfolgung im Sudan: Kampf gegen moderne Sklaverei
Während des Sudanesischen Bürgerkriegs (1983–2005) wurden zehntausende Menschen – mehrheitlich Christen und andere Nicht-Muslime aus dem Süden – von islamistischen Milizen verschleppt und im Norden versklavt. Heute ist der christlich-animistische Südsudan unabhängig, doch die Vergangenheit bleibt eine Bürde: immer noch befinden sich zahlreiche Christen und Animisten in der Hand muslimischer „Besitzer“.
Über ein Netzwerk lokaler arabischer „Rückführer“ konnte CSI bislang mehr als 160.000 Menschen befreien. Schätzungsweise leben aber Zehntausende immer noch in der Sklaverei.
Mit dem neuen Bürgerkrieg seit 2023 trifft die sudanesische Bevölkerung neues Elend. Im Süden des Sudan existieren weiterhin christliche Enklaven in den Nuba-Bergen und am Blauen Nil.

Christenverfolgung in Pakistan: Ziegelsklaven, Blasphemievorwürfe, Zwangskonversionen
Weniger als 2 Prozent der 241 Millionen Bewohner Pakistans bekennen sich zum christlichen Glauben – leiden aber überproportional unter einem System, das sie ausgrenzt, ausbeutet und verfolgt. Viele Christen Pakistans sind Nachkommen von Konvertiten aus unteren Klassen. Sie besitzen kein eigenes Land und sind viel anfälliger dafür, in Armut oder schlecht bezahlten Jobs zu landen.
Rund 60 Prozent der in den Ziegeleien Pakistans unter sklavenähnlichen Bedingungen schuftenden Menschen sind Christen – viele darunter auch Kinder, die keine Schule besuchen können und durch Krankheit und Schulden in einen Teufelskreis gelandet sind.
Durch eine strikte Gesetzesordnung gegen Blasphemie können Christen Opfer von falschen Vorwürfen werden – und ihren Besitz und ihr Leben verlieren. Frauen aus religiösen Minderheiten werden in Pakistan immer wieder Opfer von Entführungen, Zwangsislamisierung und Zwangsverheiratungen. Die schlecht ausgebildeten und mittellosen Christen können sich dagegen kaum vor Gericht wehren.

