CSI befreite seit 1995 über 160.000 Menschen

Seit drei Jahrzehnten setzt sich Christian Solidarity International (CSI) unermüdlich für die Befreiung von Sklaven im Sudan ein. Angefangen im Jahr 1995, hat CSI im Rahmen des sudanesischen Bürgerkriegs (1983-2005) eine entscheidende Rolle gespielt, Zehntausende von Christen aus der Versklavung zu befreien. 160.000 Menschen wurden von CSI in die Freiheit geführt – ein Meilenstein in unserem 30-jährigen Engagement.

Islamistische Milizen entführten bis zum Ende des Bürgerkriegs im Sudan im Jahr 2005 Zehntausende Christen und Animisten und brachten sie als Sklaven in den Norden. Viele von ihnen sind bis heute dort. Darüberhinaus sind vielfach deren Kinder durch Geburt in die Sklaverei geraten, aus der es für sie ohne Hilfe kein Entkommen gibt.

1995 ermöglichte CSI in Zusammenarbeit mit einem lokalen Untergrundnetzwerk die Befreiung der ersten Gruppe von Sklaven und brachte sie zurück in ihre Heimat. Dies war der Beginn der wegweisenden Sklavenbefreiungsaktionen, die auch nach 30 Jahren weitergeführt werden. Und sie werden fortgesetzt, bis der letzte sudanesische Sklave befreit ist.

Kurzfilm über Sklavenbefreiung im Sudan

Lange christliche Tradition der Befreiung als Vorbild

„In der Bibel nimmt die Thematik der Befreiung einen ebenso bedeutsamen Platz ein wie die der Schöpfung. Immer wieder wird Gefangenen nicht nur Freiheit versprochen, sondern sie werden auch tatsächlich aus ihrer Notlage befreit. Die

Entlassung von Menschen aus der Sklaverei wurde in den ersten Jahrhunderten zu einem wichtigen Bestandteil des kirchlichen Lebens und später waren es führende Persönlichkeiten wie Bischof Bartolomé de Las Casas, die sich für die grundlegenden Freiheiten der indigenen Völker Amerikas einsetzten. Der Kampf gegen den transatlantischen Sklavenhandel wurde ebenfalls von engagierten Christen angeführt.

Der Einsatz von CSI zur Befreiung von Christen und anderen Menschen, die während des sudanesischen Bürgerkriegs in die Sklaverei verschleppt wurden, ist daher wichtiger Bestandteil einer langen christlichen Tradition. Dieses Engagement verdient unsere Gebete und unsere Unterstützung.“

Msgr. Michael Nazir-Ali, CSI-Beirat und ehemaliger Bischof von Rochester

Geschichte der CSI-Arbeit im Sudan

1983 führte die arabisch-muslimisch dominierte Regierung des Sudan das islamische Recht der Scharia im gesamten Land ein. Die schwarze Bevölkerung des Süden, geprägt vom Christentum und indigenen Religionen, leistete bewaffneten Widerstand.

Als Reaktion darauf bewaffnete die sudanesische Regierung arabische Milizen, rief den Dschihad aus und setzte sie gezielt gegen die aufständischen Gebiete im Süden ein. Diese Milizen, teils unterstützt von der Armee, überfielen regelmäßig Dörfer, brannten sie nieder, stahlen Vieh, töteten und verschleppten die Einwohner.

Der Krieg dauerte bis 2005. Hunderttausende Christen und Animisten wurden getötet oder als Sklaven in den Norden verschleppt.

CSI begann 1995 mit der Befreiung von Sklaven. Nachdem südsudanesische Ortsvorsteher CSI um Hilfe gebeten hatten, bereisten John Eibner und Gunnar Wiebalck den Norden und Süden des Sudan, um die Situation zu erkunden. Dabei wurde deutlich, wie weit verbreitet die Sklaverei war – und dass die internationale Gemeinschaft kaum etwas dagegen unternahm.

Die beiden CSI-Mitarbeiter stießen auf ein kleines Netzwerk, das bereits einzelne Sklaven nach Hause brachte – eine Art moderne „Underground Railroad“, die für das amerikanische Schleusernetzwerk zur Befreiung von Sklaven im 19. Jahrhundert steht. CSI schloss sich diesem lokalen Netzwerk an, um versklavte Menschen aufzuspüren und zurückzuführen.

Macram Max Gassis, der von 1988 bis 2013 Bischof der katholischen Diözese El Obeid war, unterstützte diese Arbeit von Anfang an. Er war auch Mitglied des Beirats von CSI bis zu seinem Tod im Jahr 2023.

„Sklaverei gibt es im Sudan. Christian Solidarity International leistet hervorragende Arbeit, indem es diesen Kindern hilft, zu ihren Familien zurückgebracht zu werden.“

Bischof Macram Max Gassis

John Eibner mit Kindern vor CSI-Hilfsgütern 1995


Gunnar Wiebalck (links) und John Eibner (rechts) mit Bischof Macram Max Gassis, Dezember 1999

CSI verfolgte einen zweigleisigen Ansatz: Einerseits förderten wir lokale Friedensabkommen zwischen Arabern und Dinka-Gemeinden, um sichere Rückführungswege zu schaffen. Andererseits lancierte CSI eine internationale Kampagne gegen die Sklaverei in Sudan.

Bis 1999 war die Thematik dank CSI weltweit bekannt geworden. In diesem Jahr sah sich UNICEF gezwungen, erstmals offiziell zuzugeben, dass Kinder und Mütter im Sudan versklavt wurden – ein politischer Durchbruch, denn zuvor war das Wort „Sklaverei“ aus diplomatischen Gründen tabuisiert.

Gunnar Wiebalck und John Eibner vor den Kartons mit lebensrettenden Medikamenten.


John Eibner verteilt die Formulare für das Registrierungsprogramm.

ZDF-Doku über die Anfänge der Befreiungen

Die Regierung des Sudan reagierte verärgert auf die Aktivitäten von CSI. 1999 erreichte das Regime in Khartum, dass CSI der Berater-Status beim Wirtschafts- und Sozialrat der Vereinten Nationen in Genf entzogen wurde – mit Unterstützung aller islamischen Staaten sowie von China und Russland. Nur die USA stellten sich schützend vor CSI. Erst 2023 erhielt CSI diesen Status zurück.

Joel Veldkamp (CSI) beim UN-Menschenrechtsrat


UN-Sitz in Genf

Mit zunehmender Professionalität stieg auch die Zahl der befreiten Sklaven: Zwischen 2000 und 2003 wurden pro Aktion rund 2.000 Menschen befreit. Die Dokumentation jedes einzelnen Sklavenschicksals stellte das CSI-Team vor große logistische Herausforderungen.

Im Jahr 2000 besuchte die US-Außenbeauftragte Susan Rice den Sudan, traf sich mit befreiten Sklaven und bezeichnete deren tragische Situation als verabscheuungswürdig. 2002 unterzeichnete Präsident George W. Bush den «Sudan Peace Act», wodurch die Beendigung des Bürgerkriegs zum Ziel der US-Außenpolitik wurde.

CSI fördert Frieden im Sudan


Nothilfe Bahr-El-Ghazal Januar 2001: Pfarrer Joseph Ayok (links), dankt CSI-Mitarbeiter John Eibner für die Hilfslieferungen in den Bezirk Aweil Süd.

 

2005 wurde ein umfassendes Friedensabkommen zwischen der sudanesischen Regierung in Khartum und den Rebellen des Südens unterzeichnet. Damit endeten die Entführungen im Süden. Doch das Abkommen regelte nicht das Schicksal der bereits verschleppten Menschen. „Das Thema war zu heikel“, sagte John Eibner später.

Bis dahin hatte CSI über 80.000 Menschen befreit. Viele andere blieben jedoch in Gefangenschaft. Seit 2005 erhält jede befreite Person ein Hilfspaket – darunter eine lebende Milchziege, einen Sack Hirse und lebenswichtige Utensilien wie Töpfe, Plastikplanen, Geräte für den Ackerbau.

Januar 2005: Freigelassene Sklaven freuen sich über ihre Rettung


Medienvertreter beim Friedensabkommen 2005

Während der 2010er-Jahre lief die Befreiungsarbeit auf konstantem Niveau weiter: Rund 1.500 Menschen wurden jährlich in etwa fünf Aktionen pro Jahr befreit. Dank des stabilen Friedens war die Sicherheitslage besser, doch logistische Hürden blieben bestehen.

Die Befreiten erhalten stets einen Startsack.


Durch die anhaltenden Befreiungsaktionen können jährlich Hunderte Sklaven befreit werden.

Nach dem Krieg erlangte Südsudan 2011 die Unabhängigkeit – mit über 98 % Zustimmung beim Referendum. John Eibner und Gunnar Wiebalck nahmen an den Feierlichkeiten teil. Die Nuba-Berge und das Gebiet am Blauen Nil blieben jedoch Teil des Sudan und sind bis heute Ziel militärischer Repressionen.

Franco Majok mit seinen drei Buben vor dem Wahlbüro in den USA, wo er für die Unabhängigkeit des Südsudans stimmte


Gunnar Wiebalck nach dem Unabhängigkeitsreferendum im Südsudan

Im Januar 2013 übernahm Franco Majok die Projektleitung von Gunnar Wiebalck. Majok ist ein christlicher Dinka aus der betroffenen Region. Seine eigene Nichte wurde 1985 verschleppt und nie wieder gefunden. „Diese Arbeit ist meine Berufung“, sagt Majok.

Franco Majok spricht bei der Jubiläumsfeier in Wanjok


Unermüdlich setzt sich Franco Majok für die Befreiung seiner versklavten Landsleute ein.

Mit dem Ausbruch eines neuen Bürgerkriegs im Sudan erweiterte CSI 2023 seine Hilfsleistungen auch auf die Nuba-Berge und die Region des Blauen Nils. Dort versorgt CSI vertriebene und hungernde Menschen mit Lebensmitteln und Nothilfe.

Bei jeder Befreiungsaktion werden ca. 300 Versklavte von CSI in die Freiheit geführt.

Zum 30-jährigen Bestehen der CSI-Sklavenbefreiungsaktionen fand am 11. März 2025 in der Stadt Wanyjok eine Jubiläumsfeier statt.

CSI bleibt seiner Mission treu. Rund 1.500 Menschen werden jährlich durch das Netzwerk arabischer Sklavenrückführer befreit. Insgesamt wurden über 160.000 Menschen seit 1995 in die Freiheit zurückgeführt. Unzählige Familien wurden vereint. Kinder mit ihren Eltern, Frauen mit ihren Männern.

Doch die Arbeit ist noch nicht abgeschlossen. Man schätzt, dass im Sudan Zehntausende weiterhin in Sklaverei leben.

CSI bleibt seinem Versprechen treu: Nicht aufzugeben, bis der letzte Sklave frei ist.


Viele wurden in die Sklaverei hineingeboren.


Frauen und Kinder beeindruckten bei der Jubiläumsfeier mit ihren Tanzaufführungen

Lebenswege befreiter Sklaven

Tong Malith, 18 Jahre alt
Tongs Eltern wurden im Südsudan gefangen genommen und in den Nordsudan gebracht, wo er geboren wurde. Seine christlichen Eltern gaben ihm den Namen John. Er wurde jedoch zum islamischen Glauben gezwungen und erhielt den muslimischen Namen Nasiir. Seine Mutter und sein Vater wurden erst vor ein paar Monaten von seinem arabischen Herrn Jamal getötet. Tong ist immer noch wütend und tief erschüttert. Er erhielt keine Ausbildung, wurde regelmäßig geschlagen und musste sich ohne Verdienst um die Tiere Jamals kümmern. Ein CSI-Sklavenbefreier fand ihn auf dem Markt und brachte ihn zurück in den Südsudan. Tong war ganz durcheinander, als die CSI-Mitarbeiter ihn befragten, und weinte sehr. Die Ermordung seiner Eltern hat ihn tief getroffen. CSI übergab ihm einen Geldbetrag, um ein Mikro-Unternehmen zu gründen, um sich selbst zu versorgen. Zunächst soll er aber zur Schule gehen.

Aleek Garang Khon, 30 Jahre alt
Aleek wurde im Nordsudan bereits in eine Familie von Sklaven hineingeboren. Ihr Vater wurde von seinem „Herren“ so brutal misshandelt, dass er an seinen Verletzungen starb. Ihre Mutter wurde bald verkauft, sodass Aleek alleine in der Familie ihres „Besitzers“ aufwachsen musste. Sie wurde gezwungen, den muslimischen Glauben anzunehmen und erhielt die schmerzhafte Genitalverstümmelung. Neben der harten Arbeit wurde sie regelmäßig vergewaltigt. Deshalb hat sie heute drei Kinder. In dieser schwierigen Zeit betete sie vertrauensvoll zu Gott und hoffte auf Hilfe. Beim Wasserholen traf sie schließlich den arabischen Sklavenbefreier Osman Bashir, der in der Gegend nach Sklaven suchte. Er nahm sie sogleich mit und brachte sie mit ihrem Baby zurück in den Südsudan. Nun hofft sie darauf, auch ihren beiden anderen Kinder wiederzufinden und zu sich holen zu können.

Deng Achiech Geng, 35 Jahre alt
Deng wurde im Dorf Gok Machar im Bezirk Aweil Nord geboren. Seine Eltern hatten sieben Kinder und waren Bauern und Viehzüchter. Eines Abends griffen Araber sein Dorf an und nahmen alle gefangen. Bei der Verschleppung in den Norden wurden mehrere Erwachsene getötet, was Deng viel Angst einjagte. Im Norden des damaligen Sudan wurde er Sklave eines Arabers, der ihn in sein Viehlager schickte, um sich um seine Kühe zu kümmern. Er wurde zum Islam gezwungen und wurde regelmäßig geschlagen und gedemütigt. Deng beschloss daher eines Nachts zu fliehen, was ihm aber nie gelang. Endlich traf er den arabischen Befreier Adam Musa, als er mit den Kühen seines arabischen Herrn unterwegs war. Dieser nahm ihn mit in sein Lager und brachte ihn zurück in die Heimat. Der Rückweg war sehr gefährlich. Deng ist nun voller Dankbarkeit dafür, wieder ein freier Mann zu sein. Deng will im Südsudan Landwirtschaft betreiben und hofft darauf, Verwandte wiederzufinden.

Alek Akol Malual, 23 Jahre alt
Alek ist Tochter einer aus dem Südsudan verschleppten Sklavenfamilie und wurde im Sudan in die Sklaverei hineingeboren. In jungen Jahren wurde sie von ihrem Sklavenmeister weiterverkauft. Ihr Vater wollte dies nicht hinnehmen, sodass er getötet wurde. Von ihrer Mutter hat Alek seitdem nichts mehr gehört. Ihr Leid war allgegenwärtig, die Schmerzen an Seele und Leib schier unerträglich. Tagsüber musste sie hart arbeiten, nachts wurde sie regelmäßig vergewaltigt. Deshalb hat sie vier Kinder mit ihrem „Besitzer“. Auch sie wurde beim Wasserholen durch einen CSI-Befreier aufgefunden und mit ihrem jüngsten Kind in den sicheren Südsudan gebracht. Sie will dort nun ein neues Leben beginnen und ist voller Dankbarkeit für die empfangene Güte und Hilfe, die ihr die Menschen dort entgegenbringen.

Nyigang Atheer Dut, 38 Jahre alt
Nyigang wurde im Dorf Pamat im Bezirk Aweil Nord geboren. Schon als junges Mädchen half sie ihrer Mutter bei der täglichen Arbeit. Sie wuchs in ihrer Dinka-Gemeinschaft in einer friedlichen und behüteten Umgebung auf, bis an einem Morgen Araber auf Kamelen und Pferden ins Dorf eindrangen und die Bewohner gefangennahmen oder töteten. Frauen und Mädchen wurden auf dem Weg in den Nordsudan vergewaltigt. Nyigang wurde einem arabischen Sklavenmeister verkauft, der sie sexuell ausbeutete, ihre Genitalien verstümmelte und sie zum Islam zwang. Ohne Lohn musste sie ihr Dasein fristen und erhielt auch keinerlei medizinische Versorgung. Als sie zufällig einen Sklavenbefreier traf, holte dieser sie zurück in den Süden. Nun hofft sie, bald ihre Verwandten wiederzufinden. Sie ist dankbar, endlich ein wirkliches Leben in Freiheit zu beginnen.

Awien Majok Alou, 30 Jahre alt
Awien wurde im Alter von 6 Jahren mit ihrer Mutter in den damaligen Nordsudan verschleppt. Sie erinnert sich nur noch an wenige Dinge, z.B. an ihre weinende Mutter, nachdem die Araber ein paar Männer töteten. Die beiden kamen zu einem brutalen Sklavenhalter, der die Mutter misshandelte bis sie schließlich starb. Awien wuchs als Sklavenkind auf und wurde als Erwachsene von ihrem „Besitzer“ verstümmelt und regelmäßig vergewaltigt. Auch dessen Kinder misshandelten sie. Für die niedrigsten Arbeiten im Haus wurde sie erbarmungslos ausgenutzt. Ihr Essen waren die Abfälle, die vom Tische fielen. Die Leidensdauer hatte endlich ein Ende, als sie im Frühjahr 2025 auf dem Markt durch einen arabischen Befreier gefunden wurd. Er nahm sie zurück in den Südsudan, wo sie endlich wieder unter Menschen leben kann, die sie als menschliches Wesen respektieren.

Nyinkuany Garang Nyinkuang, 52 Jahre alt

Nyinkuany wurde im Dorf Malual Luac geboren. 1989 wurde sein Dorf eines Morgens von Arabern angegriffen. Sie nahmen auch den damals 17-Jährigen gefangen und verschleppten ihn mit vielen anderen Frauen, Kindern und jungen Männern in den Nordsudan. Wer sich weigerte, wurde getötet. Nyinkuany wurde einem arabischen Sklavenmeister names Abdela Karai übergeben, der drei Ehefrauen und viele Kinder hatte. Dort wurde er wie ein Tier benutzt und regelmäßig geschlagen, erhielt nur Essensreste und musste den muslimischen Ritualen folgen. Nach über 35 Jahren wurde er vom arabischen CSI-Befreier Osman auf dem örtlichen Markt angesprochen und in den Südsudan gebracht. Nyinkuany ist nun endlich frei und dankt Gott dafür, dass er ihn in der Sklaverei überleben hat lassen.

Hintergrundinformationen

Wie kam CSI zur Sklavenbefreiung?

Die Entscheidung von CSI, sich an der Sklavenbefreiung zu beteiligen, fiel 1995, nachdem CSI-Mitarbeiter in das Gebiet reisten, in dem von Sklavenüberfällen berichtet worden war. Die meisten der im Sudan gehaltenen Sklaven sind Angehörige des Stammes der Dinka und Christen. Sie stammen aus dem Northern Bahr El Ghazal, einem Gebiet des heutigen Südsudan, das an den Sudan grenzt.

Auf Einladung einheimischer christlicher Geistlicher wurde CSI bei seinen Besuchen auf das Ausmaß der Sklaverei aufmerksam. Sogar während des Besuchs von CSI in Khartum im Norden auf Einladung der sudanesischen Regierung sahen die CSI-Mitarbeiter unwiderlegbare Beweise für Massenversklavung. Es war auch offensichtlich, dass die internationale Gemeinschaft sich nur wenig kümmern würde, obwohl Sklaverei im internationalen Recht als Verbrechen gegen die Menschlichkeit anerkannt ist.

Ähnlich wie die „Underground Railroad“ in den Vereinigten Staaten im 19. Jahrhundert arbeitete ein Netzwerk von Dinka und arabischen Händlern daran, Menschen aus der Sklaverei zu befreien und in die Freiheit zu bringen. Dennoch handelte es sich bei diesen Bemühungen um einzelne, unkoordinierte Versuche von Familienmitgliedern, ihre entführten Verwandten zu finden. Als CSI von den christlichen Gemeinden um Hilfe gebeten wurde, begann dieses neue Kapitel in der Arbeit unserer Organisation.

Was motiviert CSI-Mitarbeiter dazu, sich für die schwierige Sklavenbefreiung einzusetzen?

Die Befreiung von schwarzafrikanischen Sklaven im Sudan hat eine lange christliche Tradition. Der aus Italien stammende Bischof Daniel Comboni (1831-1881) war als Apostolischer Vikar von Zentralafrika mit Sitz in Khartum tätig. Er machte sich verdient durch seinen Einsatz für die Befreiung unzähliger Sklaven aus den Händen ihrer muslimischen Herren und ist daher ein großes Vorbild für den CSI-Einsatz heute.

CSI ist zwar keine Missionsorganisation, aber als christliche Menschenrechtsorganisation ist es uns ein Gebot der Nächstenliebe, die unvorstellbaren Leiden der Sklaven zu beenden, indem wir sie in die Freiheit führen.

Unter welchen Bedingungen leben die Menschen in der Sklaverei?

Versklavte Jungen und Männer werden in der Regel gezwungen, das Vieh zu hüten oder in der Landwirtschaft zu arbeiten. Frauen hingegen müssen schwere Hausarbeiten verrichten oder auf den Feldern arbeiten.

Befreite südsudanesische Sklaven erzählen erschütternde Geschichten von Misshandlungen durch die arabischen Sklavenhalter. Sexueller Missbrauch ist weit verbreitet, besonders Frauen sind Opfer sexueller Ausbeutung. Schläge, Todesdrohungen, Zwangsarbeit sowie rassistische und religiöse Beleidigungen sind an der Tagesordnung. Sklaven wurden getötet, weil sie ihren Herren missfielen. Diejenigen, die versuchen zu fliehen, werden häufig getötet, wenn sie gefasst werden.

Sklaven werden auch regelmäßig gezwungen, zum Islam zu konvertieren – sie erhalten muslimische Namen, werden gezwungen, auf muslimische Weise zu beten, und es wird ihnen verboten, christliche Rituale zu pflegen. Mädchen werden zudem routinemäßig der Genitalverstümmelung unterzogen, die von den Muslimen in der Region als religiöse Pflicht angesehen wird.

Viele derjenigen, die CSI heute befreit, wurden in die Sklaverei hineingeboren. Sie haben nie erfahren, was es bedeutet, frei zu sein.

Wie läuft eine Befreiungsaktion ab?

In den frühen 1990er Jahren schlossen einige arabische Clans, die wirtschaftlich vom Südsudan abhängig waren, Abkommen mit ihren schwarzafrikanischen Nachbarn im Süden. Diese Araber durften auf bestimmten Märkten im Südsudan Handel treiben und ihr Vieh in bestimmten Gebieten weiden lassen, wenn sie im Gegenzug die Rückkehr der versklavten Frauen und Kinder ermöglichten. Einige der arabischen Händler waren auch aufgrund persönlicher Beziehungen zu ihren südlichen Nachbarn bereit zu helfen.

CSI stärkte das ausgedehnte einheimische Netzwerk arabischer Händler und lokaler Amtsträger, um die Befreiung der noch im Norden befindlichen Sklaven zu koordinieren. Der Friedensvertrag im Jahr 2005 setzte zwar den Sklavenjagden ein Ende. Die bereits versklavten Menschen spielten in dem Vertrag jedoch keine Rolle. Daher setzte CSI seine Arbeit fort, um Sklaven zu befreien und sie in ihre Heimat zurückzubringen.

CSI kauft heute Sklaven nicht mehr gegen Geldzahlungen frei. Stattdessen stellen wir den Arabern, die Sklaven besitzen, z.B. Impfstoffe für ihr Vieh zur Verfügung, um die Freilassung der Sklaven zu erreichen. Außerdem werden manche Sklaven auf dem Markt oder an Brunnen beim Wasserholen angetroffen und direkt in Aufnahmelager geholt. Von dort werden sie dann in regelmäßigen Abständen in den Südsudan transportiert,wo ihre Daten von örtlichen Gemeindevorstehern und CSI-Mitarbeitern aufgenommen und Fotos angefertigt werden. Stammesobere helfen bei der Zusammenführung der Befreiten mit ihren Familien.

CSI organisiert solche Sklavenbefreiungen fünfmal im Jahr. Jedes Mal werden ca. 300 Menschen – Männer, Frauen und Kinder – aus der Gefangenschaft entlassen und in den Südsudan zurückgebracht, wo sie mit einer großen Feier begrüßt werden. Oft werden sie mit ihren Familienangehörigen wiedervereint, andernfalls werden sie von der Gastgemeinde eines Dorfes in der Nähe aufgenommen.

Welche weitere Unterstützung gibt CSI den Befreiten?

Nach Jahren der Gefangenschaft kann die plötzliche Rückkehr in ein Leben in Freiheit eine enorme Herausforderung darstellen. Für viele ist es ein absoluter Neuanfang, wenn sie in die Sklaverei hineingeboren wurden. Befreite Sklaven haben oft kein Zuhause, in das sie zurückkehren können. Außerdem sind die meisten Analphabeten und ohne Ausbildung. Da sie keine Möglichkeit haben, sich selbst zu versorgen, sind sie zudem von Hunger bedroht.

CSI hat ein spezielles Hilfspaket entwickelt, um Überlebende der Sklaverei zu unterstützen. Diese „Säcke der Hoffnung“ werden an jeden befreiten sudanesischen Sklaven übergeben. Sie enthalten eine Plane zum Schutz, einen Kochtopf, einen Wasserkanister, ein Moskitonetz, eine Decke, eine Handsichel und eine Ration Sorghum (Hirse), ein nährstoffreiches Grundnahrungsmittel.

CSI stellt jedem Befreiten auch eine Milchziege zur Verfügung. Ziegenmilch kann zu einer Vielzahl von Produkten verarbeitet werden, die helfen, den Hunger zu bekämpfen. Eine Ziege ist auch ein Vermögenswert, der gegen andere Waren getauscht werden kann.

Häufig wird außerdem medizinische Hilfe benötigt. Ein medizinisches Team von CSI behandelt daher besonders die Fälle von Malaria, aber auch Augen- und Atemwegsinfektionen. Rückkehrer, die eine fachärztliche Versorgung benötigen, können zur Behandlung in eine örtliche Klinik oder für eine Operation nach Kenia geschickt werden. Darüber hinaus bietet CSI bei Bedarf psychologische Betreuung und geistlichen Beistand von evangelischen und katholischen Seelsorgern.

Soweit möglich, hält das CSI-Team den Kontakt zu den freigelassenen Menschen aufrecht und verfolgt ihre Fortschritte in ihrem Leben in Freiheit.

Wie viel kostet es im Schnitt, einen Sklaven zu befreien?

Derzeit kostet es CSI etwa 215 Euro, einen Sklaven zu befreien und mit einer Grundversorgung auszustatten:

  • Überlebenspaket zur Deckung der unmittelbaren körperlichen Bedürfnisse
  • eine Milchziege
  • Sorghum (Hirse) ein kräftiges, dürreresistentes Getreide, um sich einige Monate davon ernähren zu können
  • Saatgut und Werkzeuge für die Anpflanzung

Die eigentlichen Kosten zur Auslösung eines Versklavent betragen 50 €.

Was ist dran am Vorwurf, dass durch die CSI-Arbeit der Sklavenhandel verstärkt wird?

Kurz gesagt: Nichts!

Das Aufleben der Sklaverei im Sudan in den 1980er Jahren war nicht in erster Linie durch wirtschaftliche Vorteile bedingt. Vielmehr waren politische, militärische und religiöse Faktoren für die Sklavenjagden verantwortlich. Sklavenjagden waren Teil des Dschihad des arabischen Nordens gegen den schwarzen Süden des Sudan.

Mit der Unterzeichnung des umfassenden Friedensabkommens zwischen der Regierung und der im Süden für die Unabhängigkeit kämpfenden Sudanesischen Volksbefreiungsarmee im Jahr 2005 endeten die Versklavungen. Die heute im Sudan lebenden Sklaven wurden entweder vor 2005 entführt oder in die Sklaverei hineingeboren.

CSI befreit Sklaven nur mit lokaler Unterstützung. Die betroffenen Gemeinden hätten CSI nicht dazu ermutigt, Sklaven zu befreien, wenn sie aufgrund der Bemühungen von CSI eine Zunahme der Sklaverei erlebt hätten. Ganz im Gegenteil: die Sklavenjagden hörten auch deshalb auf, weil die Befreiungsarbeit von CSI internationale Aufmerksamkeit auf die Versklavung vor allem der Dinka-Volksgruppe gelenkt hatte. Innerhalb dieser Gemeinschaften gibt es einen breiten Konsens zugunsten des von CSI unterstützten Befreiungssystems.

Unterstützen Sie unsere Arbeit:

Helfen Sie uns bei der Befreiung versklavter Menschen. Mit Ihrer Spende erhalten die Betroffenen einen Startsack und eine Milchziege.

 

Bitte unterstützen Sie unsere Sklavenbefreiung!

Bestellen Sie das CSI-Magazin

oder unseren Newsletter

    Hier können Sie sich für die Zusendung unseres kostenlosen Newsletters anmelden

    Ich akzeptiere die Datenschutzerklärung

    Folgen Sie uns auf Twitter

    und Instagram