Christlicher Bürgermeister gibt sein Dorf nicht auf

07. April 2017

2009 kehrte Suleiman Khalil mit seiner Familie von den USA nach Syrien zurück. Er bezeichnet seine Rückkehr als Gottes Plan. Kurz nach Ausbruch des Kriegs wird er Bürgermeister von Sadad. Obwohl sein Dorf zweimal von Islamisten angegriffen wurde, hält er an seiner Heimat fest.



Das syrische Dorf Sadad zählt rund 8.000 Einwohner und liegt an der Hauptachse zwischen den Großstädten Homs und Damaskus. Christen leben hier seit Entstehungdes Christentums und machen heute noch rund 90 Prozent der Dorfbevölkerung aus. Auch die Vorfahren von Suleiman Khalil wohnen seit Generationen in diesem beschaulichen Dorf. Khalil selbst zieht es mit seiner Frau in die Vereinigten Staaten, nachdem er im Jahre 2000 sein Ingenieurstudium an der Universität von Homs abgeschlossen hat. Er gründet dort eine Familie und klettert erfolgreich die berufliche Karriereleiter empor.

Rückkehr und Verbleib trotz Gefahren

Doch nach neun Jahren spüren er und seine Frau eine innere Leere. Khalil entscheidet sich, mit seiner Familie zurück nach Syrien zu reisen. Rückblickend erklärt er gegenüber CSI-Projektleiter John Eibner «Ich spürte, dass Gott zu mir gesprochen hatte und mich zurück nach Syrien führen wollte. Wir folgten seinem Ruf», erklärt der syrische Christ, der sich selbst als nicht besonders religiös bezeichnet. Khalil zieht zunächst nach Homs, wo er eine Stelle als Umweltingenieur annimmt. Schnell integriert sich seine junge Familie in die syrische Gesellschaft und führt ein gutbürgerliches Leben.

Im Mai 2011, drei Monate nach dem Beginn des Aufstands, gerät Khalil in ein Dilemma. «Wir sahen, wie bewaffnete Islamisten nach Homs kamen und anfingen, die Bevölkerung gegen die nichtmuslimischen Minderheiten aufzuhetzen.» Bald darauf wurde er Zeuge, wie etwa 20 maskierte Männer eine Polizeiwache in Homs attackierten. «Der Anblick war beängstigend. Ich machte mir große Sorgen um die Zukunft meiner Familie und spielte mit dem Gedanken, erneut in die USA auszuwandern», gesteht Khalil. Trotzdem beschlossen seine Frau und er, in Syrien zu bleiben. Denn Khalil hielt daran fest, dass Gott einen Plan für ihn in Syrien hatte.

Sein Wahlsieg wurde anerkannt

Khalil ergreift die Flucht nach vorn. Als Mitglied der gewaltlosen, politischen Opposition zu Bashar al-Assads Baath-Partei kandidiert er für das Amt des Bürgermeisters in seiner alten Heimat Sadad. Und tatsächlich gewinnt er im Dezember 2011 die Wahlen. Den anerkannten Sieg seiner Oppositionspartei wertet Khalil auch als Hinweis, dass Assad trotz der Diktatur zumindest teilweise freie, lokale Wahlen zulasse.

Große Herausforderungen

Suleiman Khalil wird Bürgermeister eines christlichen Dorfes. In seinem Land herrscht ein religiös geprägter Krieg, der von ausländischen Mächten gesteuert wird. Da versteht es sich fast von selbst, dass ihm seit Beginn seiner Amtszeit täglich schwierige Herausforderungen auferlegt wurden. Der Druck der Dschihadisten auf Sadad wurde seit 2011 zunehmend größer. Im Herbst 2013 überfielen islamistische Kämpfer der «Freien Syrischen Armee» (FSA) und der  «Al-Nusra-Front» sein Dorf. Mehrere Christen wurden umgebracht, Kirchen geschändet, Häuser und Geschäftsläden zerstört. Nach einer guten Woche konnten rregierungstreue Milizen, die Khalil in seiner Not um Hilfe gebeten hatte, die Dschihadisten wieder aus Sadat vertreiben.

Zwei Jahre später, am 15. Oktober 2015, wurde Sadad erneut angegriffen, diesmal durch den Islamischen Staat (IS). Da ergriff Khalil selbst das Kommando und setzte örtliche Milizen zur Verteidigung seines Dorfes ein. Der IS wird einen Kilometer vor dem Dorfeingang zurückgedrängt. Die Bewohner von Sadad können aufatmen. Ihren Kämpfern war es gelungen, das Dorf ohne Unterstützung der Luftwaffe erfolgreich zu verteidigen.

Auch in wirtschaftlicher Hinsicht gelang es dem Bürgermeister, die Not in Sadad zu lindern. «Wir konnten dazu beitragen, die Rezession bei uns zu bremsen, obwohl die von Westen verhängte Wirtschaftssanktionen auch unser Dorf schwer treffen.» Khalil ist dankbar, dass ein Teil der 2013 zerstörten Infrastruktur in Sadad wieder aufgebaut werden konnte, allen voran das Krankenhaus. Sadad ist ein Vorzeigeort, denn in vielen Orten Syriens leiden die Menschen Weitgehend unter dem totalen Zusammenbruch der Strom- und Wasserversorgung.

Kann er seine Mitbürger zum Bleiben motivieren?

Suleiman Khalil ist es ein großes Anliegen, das christliche Erbe in Sadad zu wahren. «Ich setze alles daran, unsere Mitbewohner zum Verbleib in Syrien zu ermutigen.» Gleichwohl ist er sich des großen Drucks bewusst, der viele Syrer zum Auswandern bewegt. Vielen Männer können ihre Familien nicht mehr ernähren. Dies gilt auch für seine Familie. Von Khalils 23 Cousinen und Cousins haben alle außer einem das Land verlassen. Ob seine Kinder weiterhin eine Zukunft in Syrien haben werden, ist ungewiss.

Der umtriebige Bürgermeister dankt CSI-Projektleiter John Eibner und allen Spendern von CSI für die Unterstützung in Sadad und betont, dass Syrien die Hilfe der Menschen im Westen weiterhin dringend benötigt.

Reto Baliarda

 

 

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