Nigerianischer Gouverneur beklagt Christenverfolgung

Christian Solidarity International (CSI) nimmt mit großer Sorge und massivem Protest die jüngste Entscheidung des US-Außenministeriums zur Kenntnis, die Bundesrepublik Nigeria von der US-Liste der «Countries of Particular Concern» (CPC) in Bezug auf die Religionsfreiheit zu streichen. Dies ist eine dreiste Verleugnung der Realität und zeigt, dass die USA beabsichtigen, ihre Interessen in Westafrika durch eine Allianz mit Nigerias Sicherheitselite zu verfolgen, und zwar auf Kosten der Christen.

Ein CSI-Interview mit Samuel Ortom, seit 2015 Gouverneur des südnigerianischen Bundesstaats Benue, erläutert die alltägliche Bedrohung der Christen in Nigeria und widerlegt die Behauptung der US-amerikanischen und der nigerianischen Regierung, dass es keinen Grund zur Besorgnis über die religiöse Verfolgung in Nigeria gäbe:

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CSI: Gouverneur Ortom, Sie haben einen Anschlag von Fulani-Extremisten überlebt. Wie hat dieses Ereignis Ihren Umgang mit der Gewalt in Ihrem Bundesstaat beeinflusst?

Samuel Ortom: Das Attentat auf mein Leben bestärkt mich in meiner Entschlossenheit, für mein Volk zu kämpfen. Ich mache mir keine Sorgen über all diese Drohungen gegen mich, denn ich bin ein gläubiger Christ. Ich stehe für die Wahrheit ein, und ich glaube, dass Gott mir helfen wird. Seit dem Attentat im März 2021 ist meine Entschlossenheit nur noch größer geworden, die Ursachen der Gewalt zu bekämpfen.

 

Was ist das Ziel der Fulani-Extremisten?

Ortom: Überall, wo die Fulani hinkommen, verjagen sie die einheimische Bevölkerung, und selbst dort, wo die christlichen Bauern sich nicht wehren, verfolgen sie sie. Nachdem sie sie getötet haben, schlachten sie ihre Opfer, als wären sie Tiere. Mit ihrem brutalen Vorgehen wollen sie der Bevölkerung Angst einjagen und ihr klar machen, dass es ihnen gleich ergehen wird, wenn sie sich nicht unterwerfen.

 

Wie hat das alles angefangen?

Ortom: Kurz zusammengefasst: Im Jahr 1800 errichtete ein Fulani-Führer namens Usman Dan Fodio in Sokoto (im heutigen Nordwesten Nigerias) ein Kalifat. Von dort aus starteten sie Kampagnen zur Eroberung Nigerias, um ein eigenes Land zu haben und nicht länger Nomaden zu sein. In ihrem Dschihad versklavten sie viele Nigerianer.

Auch heute geht es den Fulani-Dschihadisten darum, Land zu erobern und Nigeria in eine islamische Fulani-Nation zu verwandeln. Dies in der Absicht, uns zu versklaven und zu islamisieren. Sie wollen die sesshaften Menschen vertreiben, sie töten, ihr Eigentum zerstören und ihr Land an sich reißen.

 

Besetzen die Fulani immer noch wichtige politische Ämter?

Ortom: Ja, die gesamte Sicherheitsarchitektur unseres Landes wird von Fulanis oder ihren Verbündeten geleitet. Nigerias Präsident Muhammadu Buhari ist überdies selbst ein Fulani.

 

Welche negativen Auswirkungen haben die Fulani-Angriffe in Benue?

Ortom: Mehr als 1,5 Millionen Menschen sind in den letzten fünf Jahren vertrieben worden. Dies bei einer Gesamtbevölkerung von sechs bis sieben Millionen.

Die Zentralregierung versucht, die politischen Aspekte dieser Gewalt herunterzuspielen. Andererseits werden Menschen im Süden Nigerias, die sich der Regierung widersetzen, schnell als Terroristen an den Pranger gestellt. Die Fulani haben hundertmal mehr Menschen getötet als die Separatisten im Südosten und Südwesten des Landes. Aber die Regierung ist nicht bereit, gegen diese islamistischen Angreifer vorzugehen.

Im Jahr 2018 wurden in meinem Bundesstaat mehr als 100 Menschen kaltblütig massakriert. Ich habe die Täter beim Präsidenten, beim Vizepräsidenten und beim nigerianischen Sicherheitsrat angezeigt. Doch bis heute wurde nichts unternommen.

 

Sind UN-Hilfsorganisationen in Ihrem Bundesstaat tätig, um den Millionen von Vertriebenen zu helfen?

Ortom: Die Bundesregierung hat versucht, das Leid meines Volkes in Benue vor der Außenwelt zu verbergen. Zwar sind UN-Hilfsorganisationen vor Ort, aber ihr Einsatz ist bei 1,5 Millionen Binnenvertriebenen nicht ausreichend. Kommt dazu, dass von den verjagten Menschen mehr als 50 Prozent Kinder und über 30 Prozent Frauen sind.

 

Wie könnte eine nigerianische Lösung für diese Probleme aussehen?

Ortom: In der Bibel heißt es: „Schlag den Hirten, dann werden sich die Schafe zerstreuen.“ (Sacharja 13,7). Wenn man keine gute Führung hat, wird man eine Krise haben.

Leider ist der derzeitige Präsident Teil der Unsicherheit. Er ist ein Extremist, der nicht bereit ist, den Menschen entgegenzukommen und zusammenzuarbeiten.

Die Lösung wäre, dass der Präsident die Rechtsstaatlichkeit respektiert. In Nigeria sollte es strukturelle Veränderungen geben. Wir brauchen Gleichheit, Fairness und Gerechtigkeit inmitten unserer Vielfalt an Religionen und Ethnien.

 

Was sollte auf internationaler Ebene getan werden, um die Krise zu beenden?

Ortom: Die USA als Weltmacht sollten die Anschläge in Nigeria unverzüglich scharf verurteilen und Nigeria im Kampf für die Gerechtigkeit die Hand reichen und uns helfen, diese Krise zu beenden. Ansonsten könnten Millionen von Nigerianern versuchen, in die USA oder nach Europa zu fliehen.

Das Leiden der Menschen in Nigeria muss außerdem bei der internationalen Gemeinschaft zum Thema gemacht werden. Sie und insbesondere die Christen in aller Welt können so viel tun und der Welt mitteilen, was bei uns geschieht.

Ständig aktualisierte Informationen zur Religionsfreiheit in Nigeria auf Englisch finden Sie unter: www.nigeria-report.org

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