Die Entführer brannten den ganzen Markt nieder

10. April 2017

Als junger Mann wurde der Südsudanese Angui Aguer Aguer von arabischen Milizen entführt und versklavt. Im Sudan musste er unter unmenschlichen Bedingungen harte Landarbeit verrichten. Nach über 20 Jahren Gefangenschaft lebt Angui als freier Mensch wieder im Südsudan.



 

Es war ein warmer Tag im Jahr 1994, als der junge Angui auf dem Weg zum Markt in seinem Dorf Warawar war, um Lebensmittel für seine Familie zu besorgen. Plötzlich drangen arabische Milizen auf Pferden, Eseln und Kamelen ins Dorf. Angui sah, wie sie immer mehr Leute umzingelten und gefangen nahmen. «Ich versuchte zu fliehen, hatte dabei aber keine Chance. Sie hielten mich fest und banden mich mit anderen Gefangenen zusammen», erklärt Angui, der dabei kaum genügend Luft zum Atmen hatte. Als ob seine Not nicht schon genug groß war, musste er fassungslos mitansehen, wie die Araber den Markt von Warawar niederbrannten.

Die harte Zeit als Sklave

Mehrere Tage mussten Angui und die anderen entführten Südsudanesen streng bewacht in Richtung Sudan marschieren. Als sie im Dorf Amdidan ankamen, wurde Angui an den sudanesischen Gutsherren Adris Omer verkauft. Als Sklave musste er die Acker bestellen und die Erdnuss- Wassermelonen- und Sorghum-Felder bewässern. Dabei sei es alles andere als einfach gewesen, seinen Sklavenhalter zufriedenzustellen. «Einmal trank ich ohne die Erlaubnis von Adris Omer Wasser. Als er dies erfuhr, wurde er derart wütend, dass er mich gnadenlos verprügelte.»

Eine richtige Schulbildung erhielt Angui während der über 20-jährigen Zeit als Sklave nicht. «Dafür wurde ich dazu gezwungen, den Koran zu studieren.» Auch sah Angui während der ganzen Zeit als Sklave keinen einzigen Südsudanesen aus seinem Volk der Dinkas. So fühlte er sich noch einsamer und hilfloser seinem Sklavenhalter ausgeliefert. Zu fliehen getraute er sich ebenso nicht, hatte er doch zu Beginn seiner Versklavung sehen müssen, wie einige Sklaven nach vergeblichem Fluchtversuch umgebracht wurden.

Eines Tages im November 2016 kam ein Mann namens Adam Musa zu Adris‘ Bauernhof und sprach mit dem Sklavenhalter. Angui war völlig überrascht und konnte sein Glück kaum fassen, als Adris ihm sagte, er könne mit Adam gehen. Wie sehr strahlte Angui, als Adam ihm versprach, ihn in seine Heimat, zurückzubringen! «Hallelujah! Ich bin so glücklich, endlich wieder zuhause zu sein. Ich heiße jetzt wieder Angui Aguer Aguer und werde nie mehr Hassan genannt.».

 

Reto Baliarda

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Projekt Südsudan