Die Hälfte ihres bisherigen Lebens in der Sklaverei verbracht

18. Mai 2017

18 Jahre lang musste Atong Bol Lual als Sklavin täglich schwere Arbeit verrichten. Immer wieder wurde sie geschlagen und missbraucht. Ende August 2016 konnte sie befreit werden.



Atong wuchs in Malou im Hochland des nördlichen Distrikts Ostaweil auf. Eines Tages brachen vor ihrem Dorf Kämpfe zwischen der Südsudanesischen Befreiungsarmee (SPLA) und heranstürmenden arabischen Milizen aus. Da die Gewehrschüsse immer näher kamen, brach im Dorf Panik aus.

Atong, die ihre Eltern aus den Augen verlor, wollte in den nahegelegenen Wald flüchten. Doch am Waldrand wurde sie von arabischen Kämpfern gepackt. «Sie drückten mich zu Boden. Einer stand mit seinem ganzen Gewicht auf meinen Beinen, sodass ich mich nicht bewegen konnte», erinnert sich Atong an einen ihrer schlimmsten Tage.

Die damals 17-jährige Atong und viele weitere Gefangene mussten mit den Entführern in Richtung Sudan mitgehen. Während des qualvollen Marsches musste sie dreimal mitansehen, wie die Araber jemanden hinrichteten. «Ich hatte daher fürchterliche Angst und verhielt mich die ganze Zeit so unauffällig wie möglich», erklärt Atong. Trotzdem wurde sie von den Entführern vergewaltigt.

Gedemütigt und geschlagen

Im Sudan angekommen, wurde Atong als Sklavin dem arabischen Gutsherrn Mohammed übergeben. Schnell spürte sie, dass Mohammeds zwei Frauen sie nicht mochten. Atong musste das Haus putzen, die Kleider waschen und Wasser schleppen. «Ich konnte mich anstrengen, wie ich wollte. Mohammeds Frauen fanden immer einen Grund, mich gnadenlos zu schlagen», blickt sie auf die schwere Zeit zurück.

Auf Mohammeds Druck hin musste Atong Arabisch lernen und zum Islam konvertieren. Als «Alima Mohammed» musste sie die schlimme Genitalverstümmelung über sich ergehen lassen. Schließlich wurde sie an einen alten arabischen Mann zur Frau gegeben, der sich immer wieder an ihr verging.

Nach 18 Jahren war Atong der Verzweiflung nahe. Doch im Spätsommer 2016 geschah etwas Unerwartetes. In einem günstigen Moment kam ein Mann namens Adam Musa auf sie zu und bot ihr an, mit ihm zu fliehen. Nach kurzem Zögern wagte es Atong, mitzugehen. Adam brachte sie an einen sicheren Ort, wo sich weitere befreite Sklaven aufhielten. Zusammen erreichten sie nach einer guten Woche den Südsudan. «Ich bin so dankbar, dass ich heute als freier Mensch wieder in meiner Heimat leben kann.»

 

Reto Baliarda

 

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