Dorfgemeinschaft foltert Christ zu Tode

23. Februar 2017

Der 50-jährige Christ Bartu Urawn aus dem indischen Bundesstaat Jharkhand erlag am 20. Januar 2017 an den Folgen einer schrecklichen Folter. Weil er und seine Frau am christlichen Glauben festhielten, fesselten die Nachbarn ihre Hände, versenkten sie bis zum Nacken in einen eiskalten Teich und banden sie am Nacken fest. Die Tortur dauerte 17 Stunden.



Die tödliche Folter geschah, nachdem Urawn und seine Familie drei Jahre lang in ihrem Dorf Kubuaa immer wieder schikaniert und misshandelt worden waren. In Kubuaa wird Sarna Dharam, die sogenannte «Religion der heiligen Wälder» praktiziert. Anhänger dieses Kultes opfern einer Gottheit Blut.

 Mehrere Stunden eingesperrt

Einige Tage vor der Schreckenstat wurde Urawn durch die Dorfgemeinschaft gezwungen, an einer religiösen Zeremonie teilzunehmen, an der ein Tier geopfert wurde. Gewaltsam tränkten sie den 50-jährigen mit Blut des geschlachteten Tieres und zwangen ihn, vergorenen Likör zu trinken.

Auch Urwans Frau, Söhne und Schwiegertochter wurden Opfer der Gewalt im Dorf. Einmal sperrte sie ein Mob mehrere Stunden in ihrem eigenen Haus ein. Zudem verschmutzen sie das Trinkwasser der Familie Urawn und sprachen immer wieder Drohungen gegen sie aus.

Brutales Vorgehen

Doch die jahrelang andauernden sozialen Ausgrenzungen, Drohungen und Misshandlungen konnten die Familie Urawn nicht von ihrem christlichen Glauben abbringen. Das ertrug die Dorfgemeinschaft von Kubuaa nicht. Anfang Januar 2017 stürmte ein wütender Mob von 15-20 Dorfbewohnern am späten Nachmittag auf Bartu Urawn zu und schrie in an, dass Dämonen ihn nicht leben lassen würden.

Der Mob fesselte die Hände von Urawn und seiner Frau. Dann wurden die beiden in einen Teich gesenkt, dass sie bis zum Nacken im eiskalten Wasser standen. Schließlich wurde das Ehepaar am Nacken festgebunden, sodass sie keine Chance hatten, aus dem kalten Wasser zu steigen.

Vater blieb standhaft

Urawns Son Beneswar wurde Zeuge der schrecklichen Foltermethode gegen seine Eltern. «Ich konnte den Anblick der Brutalität kaum mehr aushalten. Die ganze Nacht hindurch musste ich mit ansehen, wie meine Eltern im eiskalten Wasser froren und an qualvollen Schmerzen litten. Immer wieder fragten die Dorfbewohner meinen Vater, ob er bereit sei, seinen christlichen Glauben aufzugeben und zur Sarna-Gemeinschaft zurückzukehren. Doch mein Vater versicherte ihnen, dass er bis zu seinem letzten Atemzug an Christus festhalten werde.»

Unterkühlung führte zu Lähmungen und Tod

Nachdem die Dorfbewohner das gequälte Ehepaar am nächsten Morgen um zehn Uhr aus dem Wasser gezogen hatten, wollten sie die beiden erneut dazu zwingen, ihrem Glauben abzuschwören. Die Dorfgemeinschaft ließ von ihrem Vorhaben erst ab, als sie realisierte, dass die beiden wegen der nächtlichen Tortur total geschwächt waren. Während seine Frau sich nach einigen Tagen wieder erholte, traten bei Urawn erste Lähmungen auf. Nach einem erneuten Anfall am 20. Januar konnte er weder seine Hände noch seine Beine mehr bewegen. Urawn verstarb noch am selben Tag, erzählt sein Sohn Beneswar.

Doch selbst diese schlimme Tragödie hielt die Dorfgemeinschaft nicht davon ab, die Familie Urawn weiter zu schikanieren. Die Bewohner wollten verhindern, dass Beneswar seinen Vater begraben würde. Mit Holzknüppeln bewaffnet umzingelten sie die Leiche und bedrohten so den Sohn ihres Opfers. Dank der Unterstützung von vier Christen gelang es Beneswar am nächsten Tag den Leichnam seines Vaters wegzutragen und ihn zehn Kilometer entfernt zu beerdigen.

Nach der Beerdigung kehrte die Familie nach Kubuaa zurück. Dort angekommen, wurden sie von Dorfbewohnern aufgefordert, für alle ein Essen nach dem Ritual von Sarna Dharam zuzubereiten. Beneswar lehnte dies ab und entgegnete, er würde stattdessen ein Gebetstreffen durchführen. Da wurden die Dorfbewohner zornig und drohten ihn umzubringen, gleich wie sie seinen Vater getötet hatten. Beneswars Familie konnte gerade noch rechtzeitig fliehen und in einem 35 Kilometer entfernten Dorf Zuflucht finden.

Angst bleibt trotz «Friedensgesprächen»

Verwandte des verstorbenen Urawn verständigten die Polizei. «Doch diese bezeichnet den Vorfall als natürlichen Tod», berichtet Beneswar. Die Polizei schlug stattdessen vor, am 2. Februar 2017 «Friedensgespräche» in Kubuaa durchzuführen, und dass die verantwortlichen Dorfbewohner die christliche Familie in Ruhe lassen sollen. Seit diesen Gesprächen ist Urawns Familie nach Kubuaa zurückgekehrt. Doch die Angst vor erneuten Übergriffen bleibt.

Die Familie Urwan hatte vor zehn Jahren den christlichen Glauben angenommen. Damals waren weitere neuen Familien Christ geworden. Doch aufgrund von Drohung, Ausgrenzung und Verfolgung sind sieben Familien wieder zur alten Religion ihrer Vorfahren (Sarna Dharam) zurückgekehrt.

 


 

Sarna Dharam

Sarna Dharam ist die Religion der Adivasi-Ethnien, die vor allem in den zentralöstlichen Bundesstaaten von Indien leben. Jharkhand ist der Bundesstaat Indiens, in dem mit Abstand am meisten Anhänger von Sarna Dharam wohnen. Man schätzt die Zahl auf 4.22 Millionen Anhänger. Im benachbarten Bundesstaat Odisha leben zwischen 500‘000 und einer Million Sarna-Anhänger. Sie glauben an einen Schöpfer-Gott, verehren die Mutter Erde, die Natur und den «Weltbaum». Ihre Religion wird auch die «Religion der heiligen Wälder» genannt. wiki

Reto Baliarda

Quelle: Morningstarnews

 

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