Minderheiten kennen ihre Rechte häufig nicht

08. März 2017

Im indischen Bundesstaat Odisha mit dem Distrikt Kandhamal leben die meisten Christen in entlegenen Gebieten. Sie leiden an bitterer Armut und fehlendem Schutz. Das von CSI mitgetragene «Odisha Christians Minority Forum» setzt sich für ihre Rechte ein.



 

Mit einer Statistik zeigt CSI-Partner Ashish Parichha die bedrückende Situation der Christen in Odisha und im Speziellen in Kandhamal auf, wo CSI Hilfe leistet. «Offiziell sind 2,3% der Bewohner Indiens Christen.» Inoffiziell sei der Anteil um einiges höher. Doch aus Angst vor Angriffen und Diskriminierung behalten viele ihren christlichen Glauben für sich. «In unserem Projektgebiet in Kandhamal ist mit einem Anteil von 20,3% fast jeder fünfte Bewohner Christ», erklärt Parichha. Der weitaus größte Teil von ihnen, nämlich 83,94% , lebt auf dem Land.

In welcher Armut und Benachteiligung die Menschen – und damit auch viele Christen in Kandhamal – leben, verdeutlicht der CSI-Partner wie folgt: «Unter den indischen Bundesstaaten liegt Odisha bei der Entwicklung an vorletzter Stelle. Die Armut in diesem Bundestaat ist größer als in 26 afrikanischen Ländern. Kommt dazu, dass von den 30 Distrikten in Odisha Kandhamal den zweittiefsten Entwicklungsstand aufweist.»

Staatliche Unterstützung greift nicht

Bittere Armut, Analphabetismus, Diskriminierung und Angst vor Übergriffen der hinduistischen Mehrheit: Die täglichen Herausforderungen der christlichen Gemeinschaften in Kandhamal sind gewaltig. Wohl hatte die indische Regierung im Jahre 2006 einen 15-Punkte-Plan für die Minderheiten erstellt. Darin steht etwa, dass die Lebensbedingungen der Minderheiten verbessert werden sollen, beispielsweise durch den Ausbau der Infrastruktur. Ferner soll allen Angehörigen von Minderheiten eine Ausbildung ermöglicht werden.

Doch in der Praxis greift das staatliche Entwicklungsprogramm kaum. «Sie erreicht jene Menschen häufig nicht, die es am nötigsten hätten. Die Lage für die Christen in Odisha hat sich in den letzten Jahren nicht gebessert», konstatiert Parichha und ergänzt, dass von der budgetierten Entwicklungsarbeit für die religiösen Minderheiten in Odisha lediglich ein kleiner Teil umgesetzt werde.

Gleichgültig gegenüber Benachteiligten

Darüber ist der CSI-Partner nicht erstaunt: Wer einen Antrag für staatliche Unterstützung stellen oder sich über seine Rechte informieren möchte, muss dies vor allem per Internet machen. «Doch in den ländlichen Regionen Odishas haben nur ganz wenige Menschen einen Internet-Anschluss. Also können sie sich auch nicht richtig informieren, geschweige denn Anträge stellen», so seine einfache Schlussfolgerung. Viele Christen auf dem Land würden ihre Rechte nicht kennen und die Lokalbehörden hätten gar kein Interesse, die benachteiligten Christen entsprechend aufzuklären oder sie auf sonst irgendeine Weise zu unterstützen.

Das von der Landesregierung verabschiedete Minoritätenprogramm erreicht so die Betroffenen nicht. Nicht anders verhält es sich bei der Schulbildung und der praktischen Ausbildung, die bei vielen mangels staatlicher Unterstützung auf der Strecke bleibt.

Die von CSI-Partner – India Evangelistic Association (iEA)– und anderen Organisationen ins Leben gerufene Bewegung «Odisha Christians Minority Forum» möchte diesem Entwicklungsstillstand entgegenwirken. «Wir möchten die christlichen Gemeinschaften in Odisha befähigen, ausgewählte Leiter stärken und es den Leuten ermöglichen, dass sie die Ressourcen, auf die sie ein Anrecht haben, für ein fortschrittliches Leben anwenden können. Ebenso sollen die Christen im Bundesstaat einen Zugang zu  ihren staatlichen Rechten und Förderungsprogrammen haben.»

Die Ausbildungsprogramme in der Landwirtschaft und anderen Berufsfeldern sowie die juristische Unterstützung sind wichtige Maßnahmen dieser Vision.

CSI unterstützt das «Odisha Christians Minority Forum» im Rahmen der Projektarbeit in Kandhamal.

 

Reto Baliarda

 

 

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