Ein halbes Wunder ist nicht genug

12. September 2016

Im pakistanischen Lahore betet eine junge Frau ohne Unterlass für ihren bei einem Anschlag schwer verletzten Bruder Qaisar. Von den Ärzten aufgegeben, hat er sich wie durch ein Wunder bereits ein Stück weit ins Leben zurückgekämpft.



«Alles vermag ich durch den, der mich mächtig macht, Christus». Diesen Vers aus dem Paulusbrief an die Philipper (4,13) hatte der 24-jährige Pakistaner Qaisar Zaheer über sein Leben gestellt und auch im Titel seines Facebook-Kontos verwendet.

Mit Willensstärke und Ausdauer war es ihm gelungen, sein Studium der Handels-Wissenschaften an der «Allama-Iqbal Open University» in Islamabad erfolgreich mit einem Diplom (BA) abzuschliessen. Dies trotz vieler Widrigkeiten, die Angehörigen der christlichen Minderheit das Leben schwer machen. Auch bei der Jobsuche kam der ebenso gläubige wie talentierte junge Mann trotz Widerständen voran. Zuerst arbeitete er im Schnellrestaurant «Subway», dann seit 2014 als Manager beim US Logistik- und Kurierdienst TCS.

Folgenschwerer Besuch im Park

Am Ostersonntag, 27. März 2016, machten sich Qaisar und seine Schwester Rachna auf den Weg zum Gulshan-e-Iqbal-Park in Lahore. Die riesige Gartenanlage ist mit ihren schattigen Kinderspielplätzen, dem künstlichen See und einem Zoo ein beliebter Ausflugsort. Am Abend um 18:30 Uhr dann die Katastrophe: Ein Attentäter sprengte sich mitten unter Hunderten von Familien in die Luft. Die heimtückisch in der Bombe platzierten Schrauben und Kugellager richteten ein verheerendes Blutbad an. Die Taliban-Splittergruppe Jamaat-ul-Ahrar («Gemeinschaft der Freiheitskämpfer») liess wissen, dass der Anschlag gezielt Christen gegolten habe, auch wenn dem Attentat auch viele Muslime zum Opfer fielen.

«Wir können nichts mehr tun»

Qaisar war ein winziger Splitter durch die Augenhöhle ins Gehirn gefahren, was zu Lähmungen und einem nahezu völligen Gedächtnisverlust führte. Auch Rachna wurde verletzt. Sie konnte im Spital von Metallteilen befreit werden, die in ihrem Fuss steckten. Täglich betete sie für die Genesung ihres Bruders, der mehrere Wochen lang auf der Intensivstation des «General Hospital» in Lahore lag. Ende April 2016 folgte die niederschmetternde Diagnose der Ärzte: «Wir können nichts mehr tun. Eine Gehirnoperation ist hier in Pakistan nicht möglich». Ein Ambulanzwagen brachte den Gelähmten nach Hause.

Ein erstes Wunder

Für Rachna aber kam ein Aufgeben nicht in Frage. Jeden Tag flehte sie Gott an, einzugreifen und ihren Bruder zu retten. Asmat, Qaisars Mutter, wusch ihren Sohn und flösste ihm Nahrung ein. Als Rachna eines Morgens in Qaisars Zimmer trat, traute sie ihren Augen nicht. Der monatelang ans Bett Gefesselte stand am Fenster und drehte sich zu ihr um. Die innigen Gebete waren erhört worden.

Am 4. Juli 2016 führt uns der Gemeindepfarrer Bashir zur Familie des Patienten. Qaisar leidet zwar noch immer an schweren Erinnerungsstörungen und hat Mühe beim Sprechen. Doch er kann wieder gehen. Er setzt sich zu uns an den Tisch und zeigt seinen TCS-Mitarbeiterausweis. Die Firma schätzt ihren früheren Mitarbeiter so sehr, dass sie ihm bis heute den vollen Lohn zahlt.

Operation im Ausland erforderlich

Rachna zeigt sich bei unserer Begegnung davon überzeugt, dass ihr Bruder seine Arbeit eines Tages wieder aufnehmen kann. Sie sagt, Gott habe sie an jenem Tag bewahrt, damit sie im Gebet nicht nachlasse, bis Qaisar wieder ganz gesund sei. Mit einem halben Wunder gibt sie sich nicht zufrieden. Wir sehen die Entschlossenheit in ihren Augen und hören sie in ihrer Stimme. Vielleicht gelingt es, sich der betenden und hoffenden Familie weiter anzunehmen, wie es der Apostel Paulus in dem auf Vers 13 (Philipper 4,14) folgenden Satz ausdrückt: «Doch ihr habt wohl getan, dass ihr euch meiner Trübsal angenommen habt».

Der Splitter in Qaisars Gehirn konnte auf einer im Spital in Lahore gemachten MRI-Aufnahme eindeutig lokalisiert werden. Nun müsste der Patient in Begleitung seiner Schwester zu einem Gehirnspezialisten in der Schweiz oder nach Deutschland gebracht werden. Dann könnte aus dem halben Wunder ein ganzes werden. Mit Gott ist jedenfalls nichts unmöglich.

Wer gezielt für Qaisars Operation spenden möchte, kann dies gerne mit dem beiliegenden Einzahlungsschein unter dem Vermerk «Qaisar» tun. Herzlichen Dank.

Gunnar Wiebalck, Projektleiter Pakistan


UNO fordert Abschaffung des Blasphemiegesetzes

Die UNO fordert Pakistan zur Streichung des Blasphemiegesetzes auf. Zwar würdigt sie die Bemühungen, Missbräuche dieses Gesetzes zu verhindern. Zugleich beanstandet sie die unklare Definition, was ein Verstoss gegen die Religion überhaupt sei. Auch sorgt sie sich wegen der häufigen Anwendung des Gesetzes gegen Angehörige von Minderheiten. Die UNO spricht von falschen Anschuldigungen und mangelnden Ermittlungen. Zugleich seien Richter, die sich mit Blasphemiefällen befassen, oft «Einschüchterungen und Drohungen bis hin zum Mord ausgesetzt».

Das pakistanische Strafgesetzbuch sieht für die Verunglimpfung von Mohammed die Todesstrafe vor. Auf die Verunglimpfung des Korans stehen lebenslange Haftstrafen. Selbst die Kritik an diesen Gesetzen kann als Vorwand für eine Anklage wegen Gotteslästerung dienen. fi

Weiterer Bericht
Von Bekehrung und Verheerungen

Ihr Kommentar zum Artikel

Kommentar erfolgreich abgesendet.

Der Kommentar wurde erfolgreich abgesendet, sobald er von einem Administrator verifiziert wurde, wird er hier angezeigt.

Projekt Pakistan