Eine christliche Schule für 100 Kinder

15. März 2019

In Bangladesch mangelt es an staatlichen Schulen. Viele Kinder besuchen Koranschulen, die häufig von Saudi-Arabien finanziert und entsprechend radikal sind. CSI unterstützt eine Volksschule, um christlichen und muslimischen Kindern eine menschenwürdige Schulbildung zu ermöglichen.



Das Dorf Dhankura liegt je nach Verkehr zwei bis fünf Fahrstunden nördlich von Bangladeschs Hauptstadt Dhaka entfernt. Kaum verlässt man die chaotische 20-Milllionen-Stadt, ist man von grünen, saftigen Feldern umgeben.

Doch die Idylle trügt, denn viele Menschen leben auf dem Land in großer Armut. Die Reis- und Zuckerrohrfelder gehören Großgrundbesitzern. Die überwältigende Mehrheit der ländlichen Bevölkerung arbeitet als Tagelöhner und verdient wenige Euro pro Tag. Viele sind gezwungen, ihre Dörfer zu verlassen, um in den riesigen Textilfabriken, die die Hauptstadt Dhaka wie einen Gürtel umgeben, für den europäischen Markt Kleider zu nähen – zu Dumpinglöhnen und ohne Arbeitsrechte.

Alternative zu Koranschulen

Besonders prekär ist die Situation für Kinder. Die große Armut führt oft zu Kinderehen und Kinderarbeit. Staatliche Schulen gibt es viel zu wenige, Schulbildung kostet Geld. Saudi-Arabien nutzt diese Situation schamlos aus: Im ganzen Land schießen von Saudis finanzierte Madrasas (Koranschulen) wie Pilze aus dem Boden, auch in Dhankura und Umgebung. Die islamischen Schulen bieten den Kindern kostenlosen Unterricht im Lesen und Schreiben des Korans und warme Mahlzeiten. Diese Situation zeigt deutlich: allgemeinbildende und menschenwürdige Schulen sind dringend nötig – gerade auch für Christen, damit sie eine Zukunft in Bangladesch haben.

Seit vier Jahren finanziert CSI eine christliche Schule in Dhankura. Die Eltern bezahlen ein symbolisches Schulgeld. Schulmaterial und -uniform werden kostenlos ausgegeben. Ebenfalls erhalten die Kinder zweimal pro Woche eine warme Mahlzeit. So können endlich auch Kinder sehr armer Eltern zur Schule gehen.

Lehrer kümmern sich um Familien

Zurzeit besuchen etwa 100 Kinder vom Kindergarten bis zur fünften Klasse die Schule. Ein motiviertes fünfköpfiges Lehrerkollegium setzt sich stark für die Bildung der Kinder ein. Es ist den jungen Lehrerinnen und Lehrern ein Anliegen, den Kindern ein Vorbild in gegenseitigem Respekt und gleichberechtigtem Zusammenleben von Christen und Muslimen zu sein. Sie besuchen die Familien zu Hause, sehen nach, wenn ein Kind längere Zeit nicht zum Unterricht erscheint und führen klärende Gespräche mit Eltern, die ihre Kinder lieber zur Arbeit als in die Schule schicken.

Ashio, einer der Lehrer, erzählt: „Oft sind die Eltern unserer Schüler Analphabeten, die nicht ganz einsehen, wieso ihr Kind zur Schule gehen sollte, da es doch zu Hause als Mitverdiener dringend benötigt wird. Da braucht man sehr viel Überzeugungskraft. Für uns ist es immer wieder eine Freude, wenn wir die Eltern überzeugen und dann das glückliche Kind im Klassenzimmer wieder willkommen heißen können. Die Situation ist schon viel besser als noch vor fünf Jahren. Damals gab es Kinder, die täglich zwei Stunden zu spät kamen, weil sie noch auf dem Feld arbeiten mussten. Heute sieht man Mütter, die ihre Kinder zur Schule begleiten.“

Das Beispiel der kleinen Lima

Die Christin Lima besucht die vierte Klasse. Sie hat drei ältere Brüder, die kaum Schulbildung erhielten und schon seit Jahren als Tagelöhner arbeiten.

Limas Mutter wünscht sich für ihre Tochter ein besseres Leben, als sie es hat: „Ich konnte die Schule nur bis zur siebten Klasse besuchen. Meine Tochter soll mindestens zehn Schuljahre abschließen können. Meine Söhne haben die Schule früh verlassen.

Jetzt sehe ich, wie schwierig das Leben für sie ist. Ich hoffe, dass wenigstens meine Tochter eine bessere Zukunft haben wird. Ich bin sehr dankbar, dass die Schule für die Uniform und das Schulmaterial aufkommt. Mein Mann ist Tagelöhner. Mit seinem kleinen unregelmäßigen Einkommen könnten wir die Schule nicht bezahlen. Die Schule ist für uns ein großer Segen. Danke CSI!“

 


Bangladesch

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