Fünf Kopten in zwei Wochen getötet – Verdächtige Angreifer auf 70-jährige Christin kommen straffrei davon

30. Januar 2017

Das Jahr 2017 hat für die Christen in Ägypten schlecht begonnen. Innerhalb von zwei Wochen wurden fünf Kopten ermordet, offensichtlich aus religiösen Gründen und fast immer auf die gleiche Art. Ferner wurden die Anstifter des Übergriffs vom 20. Mai 2016 in der Provinz Minya freigesprochen. Bei diesem Überfall hatten 300 bewaffnete Männer Häuser von sieben koptischen Familien ausgeraubt. Die 70-jährige Koptin Soad Thabet wurde ohne Kleider durch die Straßen gezerrt.



 

Am 3. Januar 2017 schnitt ein Angreifer dem koptischen Christen Youssef Lamei in Alexandria die Kehle durch und rief dabei «Kafir» («Ungläubiger») und «Allahu akbar» («Gott ist am größten»). Die Überwachungskamera eines Ladens hatte den Mord aufgezeichnet. Nur drei Tage später wurde ein christliches Ehepaar in seiner Wohnung getötet. Beiden war ebenfalls die Kehle durchgeschnitten worden. Angehörige schließen einen Raub aus, denn weder Geld noch Wertgegenstände waren gestohlen. Wohl vergeblich hatte die Polizei versucht, die Bluttat in der Öffentlichkeit nicht als religiös motiviert, sondern als Raubmord zu bezeichnen. Viele Kopten schenkten dieser Version wenig Glauben. Sie sind schockiert über die Brutalität der Tötungsdelikte und vermuten, dass die beiden Opfer wegen ihres Glaubens sterben mussten.

Der christliche Chirurg Dr. Bassam Safwat Atta wurde am 13. Januar mit einer tiefen Schnittwunde im Hals in seiner Wohnung ermordet aufgefunden. Auch in diesem Fall waren weder Geld noch der Schmuck der Ehefrau angerührt. Mokhles Mageh, ein Nachbar von Atta, ist überzeugt, dass dieser von einem professionellen Killer umgebracht wurde. Der verstorbene Chirurg war äußerst beliebt und wurde «Arzt für die armen Menschen» genannt. Dr. Michael Ramsey, ein Berufskollege von Dr. Atta im Dairut-Krankenhaus, erzählt: «Atta wurde von allen Mitarbeitenden im Krankenhaus sehr geschätzt. Er behandelte viele mittellose Patienten, ohne etwas dafür zu verlangen, Christen und Muslime.»

Schließlich wurde der 37-jährige Fayez Younan in seiner Wohnung in Kairo tot aufgefunden. Auch ihm wurde die Kehle durchschnitten. «Es gab keine Anzeichen einer vorangehenden Auseinandersetzung. Alles war aufgeräumt, und die Brieftasche mit Geld steckte immer noch in der Hosentasche meines Bruders», erklärt Magdy Younan, der Bruder von Ishak. Dieser hinterlässt seine Frau und zwei Kinder im Alter von zehn und zwölf Jahren.

Landesweite Empörung wegen Schändung einer 70-Jährigen

Die Demütigung der 70-jährigen Koptin Soad Thabet in al-Karm, Provinz Minya, hatte landesweit für Empörung gesorgt, gerade auch unter Muslimen. Am 20. Mai 2016 hatten rund 300 bewaffnete Männer in al-Karm zunächst die Häuser von sieben koptischen Familien ausgeraubt und vier der Häuser in Brand gesetzt. Anschließend ergriffen sie Soad Thabet und zerrten sie nackt durch die Straßen.

Dass Soad Thabet nicht umgebracht wurde, ist dem mutigen Einsatz des muslimischen Nachbarn Ramadan Kamal zu verdanken. Ihm gelang es, unter großem persönlichen Risiko die 70-jährige aus der Gewalt ihrer bewaffneten Peiniger zu befreien und sie in seinem Haus zu verstecken. Der Übergriff auf die 70-Jährige war die Folge eines Gerüchts, das ein muslimischer Nachbar gestreut hatte: Um sich von seiner Frau leichter scheiden zu können, behauptete er, dass Thabets Sohn ein Verhältnis mit seiner Frau hatte. Doch sie dementierte dies.

 

Reto Baliarda

Quellen: Internationale Gemeinschaft für Menschenrechte, Worldwatchmonitor

 

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