Miracle geht wieder zur Schule

19. Mai 2015

Hunderttausende mussten in den letzten Jahren vor der islamistischen Terrormiliz Boko Haram flüchten. Manche fanden im südlichen Enugu Zuflucht. CSI hilft Waisen und Flüchtlingsfamilien.



Miracle (auf englisch «Wunder») lebte mit ihrer kleinen Schwester Mirabel und ihren Eltern Joseph und Dorathy in Nasarawa, einem Bundesstaat in Zentralnigeria. «Wir wissen, wie wichtig eine gute Schulbildung ist und wir wollten unsere Kinder auf eine gute Schule schicken», erzählt Joseph. Deshalb liessen sie sich auch nicht von der islamistischen Terrorgruppe Boko Haram («Westliche Bildung ist Sünde») einschüchtern, obwohl sie immer wieder von deren Gräueltaten gegen Schüler und Lehrer hörten.

«In unserem Gebiet gab es schon immer Probleme zwischen Christen und Muslimen, aber wir dachten, dass sich immer wieder ein Kompromiss finden liesse.» Dann jedoch wurde die englische Schule, die Josephs und Dorathys Tochter Miracle besuchte, niedergebrannt. «Wir schickten unsere Tochter daraufhin in die Nachbarstadt zur Schule. Doch dann begannen sie, Mädchen aus den Schulen zu entführen. Also behielten wir Miracle zuhause.»

Schliesslich brannte Boko Haram das gesamte Stadtviertel nieder, in dem die Familie wohnte. Joseph und seine Familie fanden Unterschlupf in einer Armeebaracke und wurden einige Tage später nach Enugu in den Süden gebracht. Sie hatten nicht einmal mehr Kleidung für das Baby Mirabel. In einem leerstehenden Gebäude fand die Familie Unterschlupf.

CSI hilft beim Neuanfang

Um Joseph und Dorathy den Neuanfang in Enugu zu ermöglichen, stellte CSI ihnen 2800 Franken zur Verfügung, mit der die Familie einen kleinen Lebensmittelladen starten kann. Miracle kann an der St.-Leo-Schule die Schulbildung erhalten, die sich ihre Eltern so für sie gewünscht haben.

Miracle ist eines von hundert Kindern an der St.-Leo-Schule, denen CSI den Schulbesuch ermöglicht. Jedes von ihnen hätte eine ähnliche Geschichte zu erzählen. Sie alle mussten wegen Boko Haram nach Enugu flüchten. Statt in einem Umfeld von Hass und Unwissenheit aufzuwachsen, bekommen sie hier die Möglichkeit, in Frieden zu lernen und zu wachsen – und vielleicht eines Tages ihren Beitrag für Frieden im Land zu leisten. 

Luise Fast


CSI-Projekt in Nigeria

CSI ist seit Mai 2013 in Nigeria aktiv. Im südlichen Enugu suchen viele Flüchtlinge aus dem Norden vor Boko Haram Zuflucht. CSI ermöglicht Flüchtlingskindern den Schulbesuch, unterstützt ein Waisenheim und vergibt zum Aufbau einer neuen Existenz Mikrokredite. In Madalla, nahe der Hauptstadt Abuja, finanziert CSI die medizinische Versorgung von Opfern eines Boko-Haram-Attentats. Daneben helfen wir auch Vertriebenen im Norden Nigerias (Maiduguri und Yola) mit Lebensmitteln und medizinischer Behandlung. 2014 leistete CSI Hilfe im Wert von rund 300’000 Franken.

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