Sklaven in den Ziegelfabriken

Etwa 4,5 Millionen Pakistanerinnen und Pakistaner, davon 70 Prozent Kinder, arbeiten unter widrigsten Umständen in 20.000 Ziegeleien. Die Arbeitgeber bezahlen Hungerlöhne und führen ihre Knechte in die Schuldenfalle. Besonders betroffen sind Minderheiten wie Christen, Hindus und Schiiten.

 

Noch vor der Corona-Krise konnte die CSI-Projektleiterin auf einer Reise durch Pakistan im Februar 2020 eine Ziegelei in der Nähe der Stadt Samundri, Distrikt Faisalabad, besuchen. Sie berichtet:

„Schon aus der Ferne sieht man die in den Himmel ragenden Kamine der Ziegelöfen. Der schwarze Rauch lässt die schwach wirkende Januarsonne nur noch als weiße Scheibe durchscheinen. Die Menschen stehen barfuß im Lehm, den Kinder in die Formen der Ziegel drücken. Mit großen Augen schauen sie uns an, doch viel Zeit zum Innehalten bleibt ihnen nicht, denn die Ziegel müssen fertiggestellt werden.

Bevor wir die Menschen bei ihrer Arbeit besuchen, treffen wir den Vorsteher der Ziegelei. Wir müssen ihm garantieren, dass wir keine Journalisten sind und auch sonst nichts gegen ihn verwenden werden.

Wir versichern ihm dies zum Schutz der Menschen, die sonst dafür bestraft würden, mit uns gesprochen zu haben. Bei einer Tasse Tee lobt der Chef seine Arbeiter und sich selbst. Sie seien wie eine große Familie, jeder fühle sich wohl.

Auf unserem Rundgang bietet sich mir ein anderes Bild. Wir treffen auf eine siebenköpfige Familie. Die Eltern und drei ihrer Kinder zwischen fünf und elf Jahren arbeiten fleißig, jede ihrer Bewegungen ist eingeübt. Die Großmutter, erblindet von der jahrelangen Arbeit in der Ziegelei, sitzt inmitten des Staubs auf einem Feldbett und kümmert sich um den neugeborenen Enkel. Sie habe schon Ziegel hergestellt, dann folgten ihre Kinder und nun auch die Enkelkinder. Sie wünschte sich, dass die Kinder zur Schule gehen könnten. Doch dazu fehlt ihnen das Geld. Außerdem sei es gut, zusätzliche Hände zu haben, um mehr Ziegel herstellen zu können.

Zwei kleine Mädchen lachen mich an. Ich spreche mit ihnen, während ihre flinken kleinen Hände weitere Ziegel formen. Ziegel um Ziegel, zum Spielen bleibt keine Zeit.

Wir gehen weiter und treffen auf ein Geschwisterpaar. Sie ist 20jährig, er 22. Beide leiden an chronischer Hepatitis C. Eigentlich müssten sie dringend medizinische Hilfe bekommen, doch dafür fehlt ihnen das Geld. Sie machen weiter, als ob nichts wäre. Doch wie lange kann das gut gehen?“

 

Millionen Menschen betroffen

Der Anblick dieser schutzlosen Menschen ist keineswegs eine Seltenheit: Schätzungen zufolge arbeiten etwa 4,5 Millionen Pakistaner in einer Ziegelei. Weit mehr als die Hälfte davon sind Christen. Auch Hindus und Schiiten arbeiten häufig in einer Ziegelei. Tagtäglich mischen sie über zehn bis elf Stunden Erde mit Wasser und kneten den Brei zu einem Teig, den sie in ziegelsteinförmige Gefäße eingießen. Nach dem Trocknen im Freien müssen sie die Ziegel in Öfen brennen, in denen Temperaturen bis 1100°C herrschen. Die knochenharte Arbeit hinterlässt Spuren: Viele der Arbeiter leiden an Asthma und Sehstörungen.

Männer, Frauen und Kinder sind dem Fabrikbesitzer ausgeliefert. Der tägliche Durchschnittslohn einer ganzen Familie von umgerechnet vier Euro pro 1000 Ziegel reicht nie aus, um den Lebensunterhalt zu decken. Kinder haben keine Möglichkeit, die Schule zu besuchen.

 

Der Skandal der Schuldknechtschaft

Angetrieben von Armut und Not nehmen die Arbeiter bei den Fabrikbesitzern Kredite oder Vorschüsse auf, um Arztkosten zu bezahlen oder Medikamente zu kaufen. Schulden zurückzuzahlen ist ihnen aber kaum möglich. Die Arbeitgeber sorgen mit hohen Zinsen, niedrigen Löhnen, Lohnabzügen und gefälschten Einträgen in der Lohnbuchhaltung dafür, dass ihre Arbeiter zu Schuldknechten werden. Die Schuldknechtschaft gilt für die ganze Familie und ist generationenübergreifend.

Die Corona-Lockdowns haben die Menschen noch mehr in die Armut schlittern lassen, da die Ziegelfabriken geschlossen blieben. CSI unterstützte in der schlimmsten Zeit bis zu 100 Familien mit Nahrungsmitteln. 

 

Durch CSI aus Zwangsarbeit befreit

Die Witwe Seema Aktar und ihre fünf Kinder wurden aus der Knechtschaft der Ziegelei befreit. Dank einer Spende von CSI-Unterstützern konnten ihre 1200 Euro Schulden abbezahlt werden. Seema ist heute eine freie Frau. Damit sie aus finanzieller Not nicht wieder gezwungen wird, in einer Ziegelei zu arbeiten, wurde ihr eine Büffel-Kuh als Startkapital übergegeben. Darauf ist sie sehr stolz. Auch wird ihre desolate Behausung durch CSI renoviert, doch dafür muss die ganze Familie Hand anlegen. „Es ist wichtig, dass sie nicht alles gratis bekommen. Wir stellen einen Maurer und das Material zur Verfügung, doch die Ziegel herbeischleppen und Gruben ausheben, müssen sie selbst tun. Dies ist wichtig, auch für die Würde dieser Menschen“, so CSI-Projektpartner Anjum Paul.

Auch der 18jährige Vishal ist glücklich, dass durch eine Spende von CSI die Schulden zurückbezahlt wurden, die er von seinem verstorbenen Vater geerbt hatte. Vishal muss nicht länger Sklavenarbeit in der Ziegelei leisten.

In Pakistan werden die unmenschlichen Bedingungen in den Ziegelfabriken weiter anhalten, doch die Not der geknechteten Menschen und ihrer Familien kann durch Sie gelindert werden. BITTE HELFEN SIE MIT!

Spenden

So helfen Sie geknechteten Ziegelei-Sklaven in Pakistan:

45 versorgen eine Arbeiterfamilie mit Nahrungsmitteln/Monat
50 gewährleisten medizinische Versorgung
100 dienen zur Schuldentilgung einer Familie
individueller Betrag