«Ich wurde unterstützt – jetzt gebe ich die Hilfe weiter»

09. März 2017

Pater Michael setzt sich für die Opfer des Bombenanschlags von Madalla 2011 ein. Doch der CSI-Partner aus Nigeria leitet auch die Entwicklungsarbeit der Diözese von Minna. In dieser Funktion unterstützt der engagierte Priester junge StudentInnen wie Albertina Albert und Florence Ador. «So wie mir geholfen wurde, möchte ich nun andere Menschen unterstützen», fasst er die Motivation für seinen Einsatz zusammen.



 

Die 24-jährige Albertina Albert stammt aus einer kinderreichen Familie in Sahowse, Bundesstaat Niger. «Von neun Geschwistern bin ich die Viertjüngste», präzisiert sie. Obschon ihre Mutter immer noch als Polizistin arbeitet und auch ihr Vater bis zur Pensionierung bei der Polizei tätig war, kommt die Familie nur knapp über die Runden. «Das Leben ist sehr hart hier», seufzt Albertina. Wohl konnte sie die Volksschule besuchen. Doch für einen ordentlichen Einstieg ins Berufsleben braucht sie eine höhere Ausbildung, die sich ihre Familie nicht leisten kann.

Pater hilft in verschiedenen Bereichen

In dieser schwierigen Lage kam ihr Pater Michael zu Hilfe. Ihm liegt die Förderung von jungen Menschen besonders am Herzen. Durch die Jugendarbeit der Diözese von Minna kam Albertina persönlich mit Pater Michael in Kontakt. «Zudem kannte er meine ihre Familie seit längerem. Wir haben viele Predigten von ihm miterlebt», fügt sie an. Pater Michael beschloss, die junge Frau in sein Unterstützungsprogramm aufzunehmen, weil er an ihre Fähigkeiten glaubte. «Ich bin dem Pater so dankbar, dass er mir mit seiner Hilfe eine Ausbildung als Büro-Sachbearbeiterin ermöglicht. Ohne ihn wäre es für mich kaum möglich geworden, eine weiterführende Schule zu besuchen», freut sich Albertina. Ebenso dankbar ist sie ihm für die moralische Unterstützung im täglichen Leben. «Ich lerne sehr viel von Pater Michael.»

Fulani-Extremisten schlachteten ihren Onkel ab

Auch die 23-jährige Florence Ador ist überglücklich, dass sie dank der Förderung des engagierten Priesters eine Schule für angehende Sekretärinnen besuchen kann. Ihre Eltern hätten die Ausbildung ebenfalls nicht finanzieren können, obwohl der Vater in einer Bank arbeitet und die Mutter ein eigenes, kleines Geschäft besitzt.

Durch ihre Freundin Albertina lernte sie Pater Michael kennen. Dass dieser Florence nicht nur bei ihrer Ausbildung unterstützt, sondern ihr auch bei Lebensfragen zu Seite steht, ist für sie besonders wertvoll. Denn die junge Frau aus dem Bundesstaat Benue, die auch muslimische Verwandte hat, muss den fürchterlichen Tod ihres Onkels verarbeiten. «Mein Onkel war eines der über 500 christlichen Opfer in Agatu, die Ende Februar 2016 beim brutalen Überfall der Fulani-Extremisten getötet wurden. Es war absolut grausam. Die Fulani–Hirten hackten ihm alle Gliedmaßen ab.»

Umso wichtiger ist für sie, dass sie mit Pater Michael jemanden gefunden hat, der sie auch in psychologischen Fragen unterstützen kann.

Hilfe annehmen – Hilfe weitergeben

Ahmadu Michael Gadache, wie Pater Michael bei vollem Namen heißt, setzt sich gerne und mit ganzer Kraft für andere Menschen ein. Wegen seines großen Engagements wurde er in der Diözese von Minna Leiter der «Justice, Development and Peace Commission», die sich für Frieden und Entwicklung engagiert. Nebst Albertina und Florence unterstützt Pater Michael weitere 47 junge nigerianische Studenten, damit sie mit ihrer Ausbildung auch zu einer besseren Situation im Land beitragen können.

Auf sein großes Engagement angesprochen, verweist er auf seine eigene Jugendzeit: «Ich erinnere mich noch, wie einst ein irischer Priester überraschend unseren Gottesdienst besuchte. Er wählte vier Knaben aus, die er fortan schulisch förderte.» Pater Michael  gehörte zu den vier Glücklichen und konnte so schließlich ein Theologiestudium absolvieren. «Ich habe dem irischen Priester viel zu verdanken. Und so wie mir geholfen wurde, möchte ich nun andere Menschen unterstützen», beschreibt er seine Überzeugung. Pater Michael hofft natürlich auch, dass die durch ihn unterstützten Studenten einst alle Prüfungen bestehen werden. Er stellt klar, dass er sie unabhängig von deren Prüfungsnoten hilft, wobei er von ihnen Einsatz beim Lernen erwartet.

Weiterhin engagiert sich Pater Michael für die überlebenden Opfer des Bombenattentats vom 25. Dezember 2011 in der St. Theresa-Kirche in Madalla. Bei diesem Anschlag der Terrorgruppe Boko Haram kamen 45 Gläubige ums Leben. Pater Michael koordiniert u.a. die Kleingewerbe-Unterstützung für 15 Überlebende, die von CSI finanziell getragen wird.

 

Reto Baliarda

 

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