Zukunftsarbeit mit Terroropfern

04. Januar 2016

Der Bombenanschlag nach der Weihnachtsmesse 2011 in Nigeria hat Tote und Verletzte hinterlassen. Die Regierung selber bietet den Überlebenden keine IV oder andere Unterstützung an. Nebst der Finanzierung von Operationen hat CSI auch einigen Menschen einen Mikrokredit gewährt.



In der Schweiz können Menschen mit körperlichen Gebrechen oder traumatischen Erinnerungen generell auf die Unterstützung des Staates zählen. In Nigeria ist dies nicht der Fall, die Überlebenden des Attentats vor vier Jahren waren auf sich alleine gestellt. CSI berichtete bereits mehrmals darüber. Wir finanzierten Operationen und später, bei einigen, auch kleinere Geschäftsideen. Projektkoordinator Franco Majok war vor Ort, um zu prüfen, welche Kleingewerbe aus diesen Ideen Gestalt angenommen haben.

Mit Textilien Einkommen erwirtschaften

Der 37-jährige Celestine Aniowo musste nach dem Anschlag drei Monate lang im Spital verbringen. Er hatte schwere Verletzungen am Rücken sowie an den Händen und den Beinen. Und als ob dies nicht schon schlimm genug wäre, verlor er noch seinen Job. Letztes Jahr erhielt er von CSI einen Kredit von über 500 Dollar. Damit eröffnete er einen kleinen Laden mit Kleidern und weiteren Artikeln. Jährlich bezahlt er eine Miete von 300 Dollar. Er bezieht seine Einkünfte nun aus dem Geschäft.

Die Produkte verkaufen sich gut, deshalb träumt Celestine nun von einem grösseren Geschäft an einer gut frequentierten Lage. Er ist sehr dankbar für die Hilfe: «Ich danke Gott, dass CSI mich unterstützt und ich dadurch meinen Lebensunterhalt verdienen kann.»

Selbständig trotz Bewegungseinschränkung

Maria Odobougos Bein wurde beim Bombenattentat sehr schlimm verletzt. Die 29-Jährige kann deshalb auch vier Jahre danach nur mit Mühe gehen. Sie benötigt immer noch Therapie. Doch Maria ist eine lebensfrohe Natur. Als sie vor zwei Jahren von CSI einen Kleinkredit erhielt, nutzte sie die Möglichkeit, sich als Bekleidungsgestalterin selbständig zu machen. Mit dem Betrag hat sie sich eine Nähmaschine angeschafft und kaufte damit auch das erste Material für die Kleider ein. Das Geschäft läuft gut, auch weil Maria eine tüchtige Geschäftsfrau ist, die neben den selbst hergestellten Kleidern auch noch andere Bekleidung sowie Schuhe verkauft.

Nun möchte sie ihr Geschäft ausbauen. Da Maria ihr angeschlagenes Bein aber nur bedingt einsetzen kann, plant sie, eine weitere Nähmaschine zu kaufen und eine zweite Arbeitskraft einzustellen. Sie wird der Angestellten das Nähen beibringen und ihr monatlich 80 Dollar Lohn zahlen.

Vorbildlicher Einsatz nach schwerem Verlust

Schwer betroffen waren auch Stella und Emmanuel Obinkwu. Das Paar verlor beide Töchter durch den Anschlag. Ausserdem erlitt Emmanuel derart schwere Verletzungen an den Augen, dass er seinen Job als Taxifahrer verlor. Trotz dieses bitteren Verlusts und der tiefen Trauer ist Stella äusserst dankbar. «Gott hat uns nicht im Stich gelassen. Dank der Unterstützung von CSI konnten wir ein kleines Restaurant eröffnen, in welchem wir verschiedene Salate, Fleischmenüs und Getränke servieren.» Für ihren Gasthof konnte das Ehepaar mittlerweile sechs junge Frauen engagieren.

Nun hoffen auch Stella und Emmanuel, dass sie ihr Gastgewerbe ausbauen können. Die beiden haben ein brutales Schicksal erlitten. Doch anstatt sich von Trauer und Wut erdrücken zu lassen, setzen sie sich für andere Mädchen ein, indem sie ihnen eine Erwerbstätigkeit ermöglichen.

Grosse Nachfrage nach Hühnern

Auch die Kinder von Mercy und Ademdor Agbo sind vom Bombenterror in Madalla betroffen. Die zwölfjährige Esther zog sich gravierende Beinverletzungen zu, während John von den Bombensplittern am Kopf getroffen wurde. Seitdem trägt er eine Metallplatte im Kopf. Die zuständigen Ärzte möchten nun diese Platte entfernen, bevor sie gegebenenfalls Empfehlungen für eine Gehirnoperation abgeben können. Ungeachtet dieses Schicksals ist John sehr tapfer. Er möchte Priester werden.

Nach dem Anschlag sah sich die Familie gezwungen, Madalla zu verlassen. Der Umzug nach Kuje sowie Agbos fehlende Perspektive für einen Job brachte sie in eine finanzielle Schieflage. 2015 bot CSI der Familie einen Mikrokredit an. Damit startete Mercy eine Hühnerzucht, die sie heute erfolgreich betreibt: «In zwei Monaten kann ich 200 Hühner züchten. Die Nachfrage ist so gross, dass ich meinen Betrieb gut und gerne auf monatlich 400 Hühner vergrössern könnte». Mercy strahlt, während sie davon berichtet. Durch die Hühnerfarm kann die ganze Familie versorgt werden, wofür die geschäftstüchtige Frau sehr dankbar ist.

Sunday Onoja erlitt ebenfalls schwere Beinverletzungen, als die Bombe hochging. Er kann sich nach wie vor nur mit Schwierigkeiten fortbewegen und ist auf einen Gehstock angewiesen. Für die nächsten zwei Jahre benötigt er regelmässige Therapie. Die schwerwiegende Verletzung setzt dem 58-jährigen Nigerianer auch deshalb extrem zu, weil er deswegen seine Arbeit verlor. Dennoch dankt er Gott, dass er den fürchterlichen Anschlag überlebt hat. Zudem konnte er trotz seiner eingeschränkten Bewegung ein Zimmer restaurieren. CSI unterstützt Sundays Familie seit drei Jahren. Dank der Bananenplantage, die Sundays Frau nun zusätzlich betreibt, kommt die Familie besser über die Runden.

CSI freut sich über diese Nachrichten. Wir bleiben weiterhin an der Seite der Bombenopfer und wollen ihnen langfristig helfen, den Weg ins Leben zurückzufinden.

Reto Baliarda

 

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Projekt Nigeria