Ein pakistanisches Gericht hat die Rückführung der 18-jährigen Neha Faqir abgelehnt, die am 24. März in der Provinz Punjab entführt und zwangskonvertiert worden war. Neha erschien in islamischer Kleidung vor Gericht, ihrer Familie wurde verboten, mit ihr zu sprechen. Fast 1.000 Mädchen aus religiösen Minderheiten werden jedes Jahr in Pakistan entführt.
Neha sollte ein besseres Leben haben. Sie und ihre Familie stecken in der Schuldknechtschaft fest. Als Zieleisklaven haben sie kaum Perspektiven. Ihre Eltern Faqir Masih und Rasoola Bibi meldeten die Achtzehnjährige daher in einem Nähkurs an. Doch am Abend des 24. März kehrte Neha nicht zu ihrer Familie zurück. Auf Nachfrage beim Nähkurs bekamen die Eltern zur Antwort, dass Neha nicht erschienen sei.
Sehr früh argwöhnten die Eltern, dass die muslimischen Besitzer hinter der Entführung steckten. Der Verdacht bestätigte sich: Neha wurde entführt und zum Islam zwangskonvertiert. Ein Albtraum für die christliche Familie aus der pakistanischen Provinz Punjab. Der Vater erstattete am 1. April Anzeige. In der Anzeige werden die Besitzer des Nähzentrums genannt – ein islamischer Geistlicher namens Muhammad Sajid und seine beiden Frauen.
Einschüchterung und Druck
Weil sich die Familie an die Behörden wendete, gab es bald Einschüchterungen und Drohungen. Zudem fahnde die Polizei in dem Fall nicht mit der gebotenen Dringlichkeit. Christian Solidarity International (CSI) hat deswegen einen Anwalt beauftragt, um sich im Fall Neha Faqir einzuschalten.
Der Anwalt reichte beim Obersten Gerichtshof von Lahore einen Antrag auf Haftprüfung wegen Entführung ein. Das Gericht wies den Bezirkspolizeichef (DPO) von Kasur an, nach Neha zu suchen. Tatsächlich fand die Polizei Neha in einer staatlich geführten Unterkunft. Da sich diese Einrichtung innerhalb des Verwaltungsbezirks von Lahore befindet, fiel der Fall nicht in die territoriale Zuständigkeit der Polizei von Kasur. Die Rückführung Nehas verzögerte sich dadurch erheblich.
Neha: Gefunden in einer islamischen Schule
Die Ermittlungen ergaben, dass Neha zunächst in einer Madrasa, also einer islamischen Schule, untergebracht worden war. Es wird vermutet, dass dies ein Versuch war, die tatsächlichen Umstände ihres Verschwindens zu verschleiern und die Strafverfolgungsbehörden in die Irre zu führen.
Der Anwalt stellte einen weiteren Antrag. Daraufhin erließ das Gericht eine direkte Anordnung an die Polizei, Neha aus der Unterkunft zu holen und sie am 9. Juni vor den Obersten Gerichtshof von Lahore zu bringen.
Neha erscheint im Gerichtssaal in islamischer Kleidung
Am Tag der Verhandlung sah die Familie Neha zum ersten Mal nach zwei Monaten. Die junge Frau war nicht mehr wiederzuerkennen. Sie war mit einer schwarzen Burka bekleidet und wurde von einer Frau in derselben Verhüllung sowie von muslimischen Vertretern begleitet.
Nehas Mutter und Schwester versuchten wiederholt, mit ihr zu sprechen. Jedes Gespräch wurde jedoch vom Richter untersagt. Der härteste Schlag war jedoch das Urteil: Der Richter lehnte die Rückführung der Tochter ab. Alle Bemühungen der Familie, Neha zurückzugewinnen, schienen plötzlich vergeblich.
Doch noch Hoffnung?
Nach der Abweisung der Klage erwägen die Betroffenen und ihr Anwalt nun ihre nächsten Schritte. Zwar besteht die Möglichkeit, den Fall vor das Zweiergremium des Obersten Gerichtshofs von Lahore zu bringen, doch sind die Erfolgsaussichten ungewiss.
Gleichzeitig würde ein weiteres Verfahren erhebliche zusätzliche Kosten mit sich bringen, die die Familie kaum stemmen könnte. Ob sie Berufung einlegt, ist noch ungewiss. Nehas Angehörigen hoffen weiterhin auf eine unabhängige und faire Neubewertung des Falls.
Ein Muster aus Entführung und Zwangskonversion
Nehas Geschichte ist kein Einzelfall. Fast 1.000 Mädchen aus religiösen Minderheiten werden jedes Jahr in Pakistan entführt, wie ein BBC-Bericht aus dem Jahr 2021 unter Berufung auf lokale Menschenrechtsgruppen feststellte. Darin hieß es weiter, dass viele von ihnen gezwungen werden, zum Islam zu konvertieren. Der Nationale Rat der Kirchen in Pakistan hat festgestellt, dass solche Fälle zunehmen.
Auch die Umgebung des Nähzentrums in Nehas Fall entspricht den dokumentierten Mustern. Christliche Mädchen aus wirtschaftlich benachteiligten Familien werden oft durch Täuschung oder Einschüchterung ins Visier genommen, und Arbeitsstätten oder Ausbildungszentren, die für junge Frauen zugänglich sind, wurden in früheren Fällen als Kontaktpunkte zu den Tätern identifiziert.
Die Täter werden so gut wie nie bestraft
Im April 2024 äußerten UN-Experten ernsthafte Besorgnis über anhaltende und weit verbreitete Muster von Entführungen und erzwungenen Religionswechseln durch Heirat, von denen Frauen und Mädchen aus Minderheitengemeinschaften in Pakistan betroffen sind.
Seit Jahrzehnten werden christliche und hinduistische Mädchen in Punjab und Sindh entführt, gewaltsam zum Islam bekehrt und mit muslimischen Männern verheiratet – unter Mitwirkung religiöser Autoritäten. Diese Entführungen werden so gut wie nie bestraft. Neha ist also nur ein trauriges Beispiel unter vielen.
Freiheit für entführte Christinnen! Helfen Sie den Familien der Entführungsopfer!


